Fan-Liebe kennt keine Grenzen

Seit Samstag ist es klar – der BVB ist einfach meisterlich: Nicht nur, dass die Borussen Meister geworden sind, den DFB-Pokal haben sie auch noch gewonnen. Hunderte von Fans feiern den Verein am heutigen Sonntag in der Innenstadt von Dortmund. Einer von ihnen ist Kristof Hermann (22); in Gelsenkirchen zur Schule gegangen und mit Schalkern aufgewachsen. Trotzdem schlägt sein Herz für den BVB.

Kristof Hermann (22) küsst den Pokal. Fan vom BVB ist er schon seit zehn Jahren.

Kristof Hermann (22) küsst den Pokal. Fan vom BVB ist er schon seit zehn Jahren. Fotos: Anna Doernemann

Schal, BVB-Shirt und ein Grinsen im Gesicht – Kristof Hermann freut sich, denn sein Team hat dieses Jahr Unglaubliches vollbracht. „Anfang der Pubertät war es wohl. Da hat sich mein Fussballbewusstsein entwickelt“, erinnert sich Kristof. Schon mit 12 Jahren war ihm klar, dass der BVB für ihn der beste Verein ist.

Aber seine Liebe zum Verein stieß oft auf Unverständnis in seiner Heimat – wer ist schon Fan vom BVB, wenn die Schalker Arena nur ein paar Kilometer von Zuhause entfernt liegt? Doch Kristof blieb dem BVB treu. Mittlerweile haben sich auch seine Freunde mit seiner Vorliebe für die „Zecken“, wie es ein echter Schalker sagen würde, arrangiert. Wenn dann doch mal gestichelt wird, passiert dies immer auf freundschaftlicher Basis. „Dieses Jahr wurde ehrfurchtsvoll geschwiegen. Selbst die Schalker mussten neidlos anerkennen, dass Dortmund verdient Meister geworden ist“, sagt Kristof sichtlich zufrieden mit seinem Team.

Vor der Leinwand an der Reinoldikirche versammelt sich die Fangemeinde, um ja kein Highlight der Meisterfeier zu verpassen.

Vor der Leinwand an der Reinoldikirche versammelt sich die Fangemeinde, um kein Highlight der Meisterfeier zu verpassen.

Besonders an der Reinoldikirche tummeln sich zum frühen Abend hin tausende von Fans, die gespannt die Ankunft der Borussen am Dortmunder Flughafen auf der großen Leinwand verfolgen. Kristof freut sich, als der Dortmunder Spieler Ilkay Gündogan eingeblendet wird. Gündogan stammt ebenfalls aus Gelsenkirchen und gibt auch in Interviews zu: „Ich bin ein Gelsenkirchener, aber dafür kann ich ja nichts.“ So ähnlich sieht es wohl auch Kristof. Seine Heimatstadt und seine Liebe zum BVB lassen sich für ihn wunderbar miteinander vereinen. Nicht umsonst hat er deswegen seit fünf Jahren eine Dauerkarte. Die hat sich bei all den Siegen dieser Saison besonders gelohnt. Kristofs Highlight war dabei der 2:0 Derby-Sieg gegen Schalke. „Die Stimmung in der Arena war damals einfach einmalig“, erinnert sich Kristof.

BVB-Fans waren bei bester Laune

So ist auch die allgemeine Stimmung heute in Dortmund: Ausgelassen und in Feierlaune zeigen sich die rund 250.000 Fans. Bei dem schönen Wetter macht das Feiern noch mal doppelt Spaß. Das ist wohl einer der Gründe dafür, dass besonders viele Eltern mit ihren Kindern an diesem „schwarz-gelben Familienwochenende“ in der Stadt unterwegs sind.

Feiern bis zur Heiserkeit: "BVB 09". Seit 1909 gibt es den Verein schon.

Feiern bis zur Heiserkeit: "Und schon wieder Deutscher Meister BVB"

Schon gegen sechs Uhr abends geht nichts mehr am Borsigplatz – aufgrund des großen Andrangs, muss der Platz gesperrt werden. Trotzdem lassen sich die Fans nicht die Laune verderben. Es werden zwar lauthals BVB-Fanlieder geschmettert und ordentlich Bier getankt, dennoch ist die Atmosphäre allgemein friedlich und entspannt. Dabei haben wohl einige vergessen ihre Stimme für die Landtagswahl abzugeben: Nur rund 19% der Dortmunder setzten ihr Kreuzchen auf dem Stimmzettel. Von den anfänglich 2.800 Wahlhelfern, sind laut dem WDR 900 zu Gunsten der Meisterfeier abgesprungen. Kristof jedoch war heute Morgen wählen. Dann lässt es sich auch mit gutem Gewissen am Abend feiern.

Alles in allem war es also nicht nur eine erfolgreiche Saison, sondern auch ein erstklassiges Wochenende für den BVB und für die Fans: Der DFB-Pokal ging an die Dortmunder und das Wetter war einfach passend zum Verein meisterlich. So kann es im nächstem Jahr weitergehen. Denn wie sagt man im Volksmund: alle guten Dinge sind drei!