Bombennacht – Dortmund unter Beschuss

Der 5. Mai 1943, kurz nach Mitternacht: Viele Dortmunder schliefen schon, als plötzlich die Sirenen in den Straßen der Stadt zu heulen begannen  – Fliegeralarm. Es folgte der bis dahin schwerste Luftangriff der Alliierten auf eine deutsche Stadt im Zweiten Weltkrieg. Tausende Menschen verloren ihre Wohnungen, Hunderte kamen ums Leben. Die Karte zeigt, welche bedeutenden Gebäude in dieser Nacht zerstört oder stark beschädigt wurden und wo die Bevölkerung Schutz gesucht hat.

0.29 Uhr „Alarm“, schreibt die Dortmunderin Luise von Winterfeld in eine von ihr geführte Kriegschronik. Viele schlafen, als die Sirenen ertönen. Einige verlassen nicht gleich ihre Betten, berichtet die Zeitzeugin Edith Pochanke in einem Aufsatz, den sie im Anschluss an diese Nacht verfasst. Denn: Schon in den Wochen zuvor waren die Sirenen mehrfach ertönt, einen schweren Angriff auf Dortmund gab es aber nicht. Wer kann, flüchtet nun in Luftschutzkeller und Bunker.

1.02 Uhr Es beginnt der schwerste Luftangriff, den die Alliierten bis dahin auf eine deutsche Stadt geflogen haben: Sogenannte „Moskitos“, funkgesteuerte britische Maschinen, werfen rote und grüne Zielmarkierungen über der Stadt ab. Ganz Dortmund ist in eine rot-grüne Lohe gehüllt. „Zeitzeugen schrieben in ihre Tagebücher, man habe Zeitung lesen können. So hell war das“, sagt Dr. Ralf Blank vom Historischen Centrum in Hagen.

„Und dann kam aus nördlicher Richtung der Hauptangriffsverband“, fährt Blank fort. Mehr als 700 Flugzeuge werfen ihre Bomben über dem Stadtgebiet ab: Brandbomben und Minenbomben lösen verheerende Druckwellen aus. Sie reißen Löcher in Gebäude und lassen Fenster platzen. Sprengbomben mit Langzeitzündern fallen auf die Erde, explodieren aber nicht sofort – solche Bomben werden auch Jahrzehnte später noch bei Bauarbeiten gefunden werden.

1.30 Uhr Jetzt ist auch den Menschen in Dortmund klar: Ein Fehlalarm ist das nicht – Es läuft ein Großangriff auf ihre Stadt. Aus den umliegenden Städten wird Verstärkung für die Brandbekämpfung angefordert.

2.10 Uhr Nach einer Stunde und zehn Minuten endet der Luftangriff. Zentraler Ziel- und Orientierungspunkt war der Turm der Reinoldikirche – trotzdem bleibt er stehen. Für weite Teile der Innenstadt und vor allem den Norden, damals das Arbeiterviertel der Stadt, gilt das nicht: Zahlreiche Häuser liegen in rauchenden Trümmern.

Mehr als 600 Menschen sind tot. Die meisten sind ausländische Zwangsarbeiter und sowjetische Kriegsgefangene, Juden aus dem sogenannten Dortmunder Ghetto und Arbeiter aus dem Nordviertel. Menschen, die sich nicht in schützende Bunker retten konnten. Andere wurden in den Kellern ihrer eigenen Häuser von Trümmern begraben. Luise von Winterfeld beendet den Eintrag in die Kriegschronik: „Wenn auch der Einsatz vieler helfender Hände viel Leid verhinderte, so ist doch in der Zeit von 1 Stunde 10 Minuten unendlich viel Schaden angerichtet worden.“ 

Gut zwei Wochen später, vom 23. auf den 24. Mai 1943, folgte ein zweiter nächtlicher Luftangriff auf Dortmund – mit mehr als 800 Flugzeugbombern noch verheerender als der erste. Wieder kamen hunderte Menschen ums Leben. Viele Gebäude, die nach der ersten Bombennacht noch hätten wiedererrichtet werden, wurden endgültig zerstört.

Teaserfoto: Josh Sudweeks/flickr.com