Mit Gerechtigkeit Gehör verschaffen

Der Informationsstand der Amnesty International Hochschulgruppe leuchtet gelb und auffällig im Mensafoyer, auf einem Banner steht „Bitte Eintreten für die Menschenrechte“. Viel Aufmerksamkeit von den Studenten, die in die Mensa strömen, bekommen Leonard Kleinschmidt und seine Mitstreiter allerdings nicht. 

„Entschuldigung, gibt’s hier auch Karten für die Sportlerparty?“ Das Mädchen am Infostand der Hochschulgruppe von Amnesty International guckt irritiert. „Nein, aber mit eurer Unterschrift auf der Petition könnt ihr euch für die Menschenrechte einsetzen.“ „Äh, nein danke“ die Antwort.

Für Sandra Gimbel ist die Unterschrift selbstverständlich: "Man kann nicht in einem demokratischen Land leben, ohne dich für andere Staaten zu engagieren." Foto: Jennifer Bühsing

Für Sandra Gimbel ist die Unterschrift selbstverständlich: "Man kann nicht in einem demokratischen Land leben, ohne dich für andere Staaten zu engagieren." Foto: Jennifer Bühsing

„Die Studenten haben ihre Scheuklappen aufgesetzt“

Das passiere immer wieder sagt Leonard Kleinschmidt, Sprecher der Gruppe. „Wir kämpfen hier den Kampf gegen den Kommerz.“ Zwischen der ganzen Werbung und den Leuten, die hier aktiv auf Studenten zugehen, um ihnen etwas zu verkaufen, könne man sich kaum durchsetzen. „Die Studenten haben ihre Scheuklappen aufgesetzt und wollen sich nicht ansprechen lassen.“ „Nee danke, hab ich schon“, oder “ Nein interessiert mich nicht“, höre man immer wieder. „Das ist schon ganz schön frustrierend“, gibt Leonard Kleinschmidt zu.

Die Hochschulgruppe gibt es mehr oder weniger aktiv schon seit den 70 er Jahren, doch kaum jemand nimmt sie wahr. Momentan hat sie 15 aktive Mitglieder, die sich in der Regel alle drei Wochen treffen, um über aktuelle Veranstaltungen zu sprechen. „Wenn gerade etwas ansteht, treffen wir uns natürlich auch mal öfter“, sagt Leonard Kleinschmidt. Die Gruppe ist eine Untergruppe der Amnesty International Bezirksgruppe Dortmund.

„Die Hochschulkultur muss sich ändern“

Leonard Kleinschmidt ist jetzt seit zweieinhalb Jahren aktives Mitglied und seit einem Jahr der Sprecher der Gruppe, die sich aktiv gegen politische Verfolgung und Folter einsetzt. Seitdem versucht sie vor allem mehr Präsenz zu zeigen, versucht zum Beispiel beim Campusfest aktiv auf die Studenten zuzugehen. Der Erfolg ist aber gering. „Man muss sich ehrenamtlich engagieren und dafür fehlt den meisten einfach die Zeit“, erklärt er. „Viele wissen auch gar nicht, dass es eine Hochschulgruppe gibt und deshalb ist es sehr wichtig, dass sich etwas an der Hochschulkultur ändert.“

Leonard Kleinschmidt erklärt, dass Amnesty eben kein Teil dieser Hochschulkultur ist, weil die Studenten die Gruppe überhaupt nicht wahrnehmen. Deshalb planen sie mehr Veranstaltungen zu organisieren, um Amnesty in den Köpfen der Studenten zu manifestieren. Wie immer soll es beim Campusfest und bei Campus Total einen Info-Stand geben, in diesem Semester wollen sie zum Beispiel auch beim Campuslauf mitlaufen. „Dieses Semester wird es schwierig, regionale Veranstaltungen zu organisieren, denn Amnesty International wird 50 und da sind eine Menge überregionale Veranstaltungen geplant.“ Die Gruppe sucht dringend neue Mitglieder, um mehr Veranstaltungen organisieren zu können.

Leonard Kleinschmidt und seine Mitstreiter am Info-Stand

Leonard Kleinschmidt und seine Mitstreiter am Info-Stand. Foto: Jennifer Bühsing

„Mittlerweile wird Amnesty sogar als renommierte Quelle in den Nachrichten genannt“

Ein Punkt, der Leonard Kleinschmidt besonders wichtig ist, ist das konkrete Eintreten für die Menschenrechte. Auf die Frage, warum er sich bei Amnesty International engagiert, sagt er: „Amnesty ist das Menschenrechtsorgan, welches international am meisten Einfluss hat. Mittlerweile wird Amnesty sogar als renommierte Quelle in den Nachrichten genannt.“ Er hat das Gefühl hier am effektivsten mitarbeiten zu können. Die Hochschulgruppe finanziert sich durch Spenden, die zum Beispiel beim Campusfest gesammelt werden und wird zusätzlich durch Mitgliedsbeiträge gefördert.

Mit persönlichen Briefen erreicht man oft mehr

Die Arbeit der Gruppe besteht zum großen Teil aus dem Sammeln von Unterschriften auf Petitionen, die an Behörden gesendet werden und aktiv die Freilassung oder Begnadigung von politischen Häftlingen fordern. Diese Aktionen nennen sich „Urgent Actions“. Es gibt auch noch die „Briefe gegen das Vergessen“, die ein weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit sind. Die Gruppe verfasst persönliche Briefe an Politiker und Behörden, in denen sie ohne das Amnesty Logo für die Freilassung von Gefangenen kämpft. „Das ist oft effektiver als die Petitionen, weil ein persönlicher Brief ohne das Amnesty Logo in den meisten Fällen auch tatsächlich geöffnet und oft auch gelesen wird“, erklärt Leonard Kleinschmidt

Der Tisch ist nur klein und krag ausgestattet, Foto: Jennifer Bühsing

Der Präsentationstisch ist nur klein und karg ausgestattet. Foto: Jennifer Bühsing

Betroffene können auch ganz direkt Hilfe in Anspruch nehmen

Ein weiterer Punkt, den Leonard nennt und der ihm persönlich sehr wichtig ist, sind die konkreten Hilfestellungen, die sie zu den Öffnungszeiten des Dortmunder Büros in der Grisarstraße geben können. Vor allem Betroffene können sich an das Büro wenden und zum Beispiel prüfen lassen, ob eine drohende Abschiebung rechtens ist oder nicht. „Es kommt schon vor, dass die Betroffenen in ihren Ländern politisch verfolgt werden und bei einer Abschiebung Folter oder sogar die Todesstrafe erwarten. In solchen Fällen haben wir Experten, die das prüfen können und den Betroffenen mit ganz konkreter Hilfe zur Seite stehen können.“