Dortmund möchte leiser werden

Ein Beitrag von Timo Baudzus

Mehr Ruhe, weniger Lärm – das hat sich die Stadt Dortmund zur Aufgabe gemacht, um die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern. Trotzdem hat der neu entwickelte „Lärmaktionsplan“ einen schweren Stand. Zahlreiche Vertreter von Bürgerinitiativen und einzelnen Stadtteilen üben harsche Kritik an der Umsetzung des Projekts.

Umweltamtsleiter Dr. Jürgen Grote hat am frühen Donnerstag Abend im Rathaus vor rund 100 Gästen den neuen Lärmaktionsplan der Stadt präsentiert. Dieser sieht vor, den Lärm im Dortmunder Stadtgebiet zu reduzieren und somit die Lebens- und Wohnqualität der Bevölkerung zu verbessern. Mit dieser Maßnahme setzt die Stadt Dortmund die im Jahr 2002 in Kraft getretene EU-Umgebungslärmrichtlinie um, die 2004 in nationales Recht übergangen ist.

Unter Druck: Heinrich Bornkessel und Oliver Schneemelcher vom Dortmunder Umweltamt verteidigten das Lärmschutzkonzept. Foto: Timo Baudzus

Unter Druck: Heinrich Bornkessel und Oliver Schneemelcher vom Dortmunder Umweltamt verteidigten das Lärmschutzkonzept. Artikel-Fotos: Timo Baudzus, Teaserbild: matchka /pixelio.de

Heinrich Bornkessel und Oliver Schneemelcher aus der Abteilung Immissionschutz des Umweltamtes haben zu diesem Zweck die „Lärmsituation“ im Dortmunder Stadtgebiet ermittelt und in einer Lärmkarte graphisch darsgestellt. Ähnlich einer Googlemaps-Darstellung wird mit der Karte der Dortmunder Stadtplan angezeigt. Die markierten Stellen weisen besonders laute Gebiete aus, in denen viel Straßenverkehr oder hoher Lärm aufgrund von Zügen und Flugzeugen herrscht.

Bürgerbeteiligung im Internet

Um die Bevölkerung in den Verbesserungsprozess zu integrieren, hat das Umweltamt die Online-Plattform „Mach RUHIG mit!“ ins Leben gerufen. Ab sofort ist es im Internet möglich, sich sich mit Forenbeiträge und Verbesserungsvorschläge zu beteiligen. Bis zum 17. Februar ist dies möglich. Die zusätzlichen Hinweise, die aus der Bevölkerung kommen, sollen dann in den Lärmaktionsplan integriert werden, sagte Schneemelcher bei der Präsentation der Internetseite. Dennoch blies den drei Vertretern des Umweltamtes bei der Info-Veranstaltung ein rauher Wind entgegen. Zahlreiche Vertreter von Bürgerinitiativen und Dortmunder Stadtteilen kritisierten den angestoßenen Prozess. Ein Kritikpunkt war die verspätete Umsetzung des Lärmaktionsplans, der nach dem Willen des Bundes bereits im Jahr 2008 hätte vorgelegt werden müssen. Zum anderen verdiene das Konzept der Bügerbeteiligung seinen Namen nicht, da Bürgerinitiativen bzw. Umwelt -oder Mieterverbände zu wenig in den bisherigen Prozess involviert worden seien, hieß es in einem der Wortbeiträge.

Kritik an der Messmethode

Das Logo für den Lärmschutz: "Mach RUHIG mit!" heißt das Forum, bei dem Bürger online eintragen können, wo's ihnen zu laut ist Foto: Timo Baudzus

Das Logo für den Lärmschutz: "Mach RUHIG mit!" heißt das Forum, bei dem Bürger online eintragen können, wo's ihnen zu laut ist.

Auch die Ergebnisse der Lärmmessung wurden stark in Zweifel gezogen. Besonders verärgert zeigten sich diejenigen Bürger, die in Einflugschneisen zum Dortmunder Flughafen leben. Trotz der von ihnen wahrgenommenen Lärmbelästigung werde der Fluglärm mit Null bewertet. Bornkessel führte dazu aus, dass die Werte nicht gemessen, sondern berechnet werden. „Die Ergebnisse zeigen die durchschnittliche Lärmbelästigung an“, sagte Schneemelcher. Das einzelne Flugzeug könne ein störendes Einzeleregnis sein, jedoch zähle im Ergebnis der errechnete Durchschnitt. Die Berechnungsmethode sei von der EU vorgegeben.

Klare Forderungen der Bürger

Dies sorgte für Empörung, gerade bei jenen, die in der Nähe störender Lärmquellen wohnen und die errechneten Ergebisse als realitätsfern betrachten. Ursula Maria Wartmann zum Beispiel sieht sich täglich extremer Lärmbelastungen ausgestezt. Die freiberufliche Autorin hat mit der Geräuschkulisse des an ihrer Wohnung angrenzenden Zugverkehrs zu kämpfen. Besonders das Kreischen der Züge bei Kurvenfahrten sei für sie sehr nervenaufreibend. „Man hat das Gefühl, die Züge fahren einem direkt ins Gehirn“, erläutert sie die Belastung durch den Schienenverkehr. Dennoch möchte sie ihrem Stadtteil im Dortmunder Westen treu bleiben, da sie sich sehr wohlfühle. Sie setzte sich – wie viele andere auch – für höhere Geschwindigkeitsbegrenzungen ein, welche die Lärmbelastung reduzieren und forderte eine Überprüfung der Messergebnisse zu Schienen – und Fluglärm. Trotz der harschen Kritik zeigten sich die drei Vetreter des Umweltamtes mit dem Start der neu ins Leben gerufenen Online-Plattform zufrieden. Über 400 Personen haben sich bereits mit Beiträgen beteiligt und Verbesserungsvorschläge gegeben. Die Vorwürfe jedoch, der Lärmaktionsplan sei intransparent, wiesen sie zurück. Künftig solle es einen Lärmbeirat geben, der aus Vertretern verschiedener Interessengruppen bestehen werde. Bis dahin bleibe den Bürgern die Beteiligung im Internet. .