Kino-Tipp: „Fasten auf Italienisch“

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Manche Nationalitäten sind irgendwie immer besser angesehen als andere. Einem Italiener dürfte es vermutlich leichter fallen einen Job im Ausland zu finden als einem Araber. Das macht das Leben für Letzteren natürlich nicht leichter. Und so verwundert es auch nicht, wenn jemand mal auf die Idee kommt, sich für einen ganz anderen auszugeben. Das dachte sich auch die Hauptfigur in der neuen Komödie „Fasten auf Italienisch“, die heute (13. Januar 2010) in die deutschen Kinos kommt.

Es ist ein herrlich sonniger Tag in Südfrankreich. Durch die malerische Landschaft fährt ein schicker Sportwagen. Darin sitzt Dino Fabrizzi (Kad Merad) im edlen Anzug. Er hat es geschafft: Er hat einen guten Job als Sportwagenverkäufer, eine hübsche Freundin und eine tolle Wohnung. Als Italiener ist er mit seinem „Ciao Bella“-Charme bei allen beliebt. Die Sache hat nur einen winzig kleinen Haken: Er ist gar kein Italiener. Dino Fabrizzi heißt eigentlich Mourad Ben Saoud und kommt aus Algerien. Zusammen mit seiner Familie lebt er schon lange in Frankreich. Doch als Algerier hat er weder eine Arbeit, noch eine Wohnung gefunden.

Mourad sucht Rat beim Imam (Foto: Arsenal Filmverleih)

Mourad sucht Rat beim Imam. Foto: Arsenal

Erst als er auf die Idee kommt sich als Italiener auszugeben, klappt plötzlich alles reibungslos. Nur seinen Eltern hat er das natürlich nicht erzählt. Ihnen hat er gesagt, er würde seit fünf Jahren in Italien leben. Auch das klappt reibungslos. Doch gerade als er gute Aussichten auf den Chefposten hat, wird sein Vater mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert. Da er zu schwach ist den nahenden Ramadan selbst zu begehen, bittet er Mourad darum, an seiner Stelle zu fasten.

Lasset das Fasten beginnen

Diesen Wunsch kann er seinem kranken Vater kaum abschlagen und so stimmt er zu. Doch Mourad war noch nie sehr religiös, von seinem Alter-Ego Dino ganz zu schweigen. Trotzdem muss er einen Weg finden, den Ramadan zu begehen, ohne dass es jemand merkt. Wie schwierig das wird, merkt er erst nachdem er einen Imam um Rat gefragt hat: Fünf mal täglich beten, von Sonnenauf bis -untergang nichts essen und trinken und vor allem keine intimen Stunden mit seiner Freundin Hélène (Valérie Benguigui) für einen Monat. Denn die beiden sind nicht verheiratet.

Es beginnt eine Zeit, die Mourad alles abverlangt. Er muss sehr früh aufstehen, um zu beten. Er verlagert das obligatorische Frühstücksmeeting auf fünf Uhr morgens vor und muss sich immer neue aberwitzige Erklärungen für sein merkwürdiges Verhalten einfallen lassen. Das ist auch für den Zuschauer ein Wechselbad der Gefühle. Viele witzige Szenen wechseln sich mit sehr ruhigen und andächtigen Momenten ab. Es sieht so aus, als würde Mourad es wirklich durchhalten, als würde sein Plan aufgehen. Bis ihn eines Tages sein Kollege beim Beten im Büro erwischt. Die Lüge platzt und mit ihr das Leben, das er sich aufgebaut hat. Mourad versucht verzweifelt zu retten, was noch zu retten ist…

Mourad alias Dinos Familie. Foto: Arsenal Filmverleih

"Mourad" alias "Dino"s Familie. (Foto: Arsenal)

„Fasten auf Italienisch“ (im Originaltitel: L’Italien) ist eine liebevoll erzählte, französische Komödie, die mitten aus dem Leben gegriffen ist. Trotzdem kommt sie nicht als schwerer sozialkritischer Streifen mit erhobenem Zeigefinger daher. Im Vordergrund steht die Komik. Grund dafür ist wohl auch die enge Zusammenarbeit mit Kad Merad. Der Schauspieler ist aus Produktionen wie „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ und „Willkommen bei den Sch’tis“ bekannt. Mit viel Charme und einem natürlichen Gespür für Komik spielt er liebevoll seine Rolle, die ihm gar nicht so fremd ist. Denn Kad Merads Vater Mohamed kommt aus Algerien und war in seinem neuen Land Frankreich nur unter dem Namen „Rémi“ bekannt. Und so verwundert es nicht, dass der Film bei allem Humor den nötigen Tiefgang nicht vermissen lässt.

Eine witzige Komödie mit Tiefgang

Regisseur Olivier Baroux gelingt es dem Publikum auf galante Art etwas zum Nachdenken mit auf den Weg zu geben, ohne dass es dem Witz des Films im Wege steht. Da verzeiht man als Zuschauer gern, dass die Story bei genauerem Hinsehen an der ein oder anderen Stelle nicht ganz schlüssig ist. Alles in allem ist „Fasten auf Italienisch“ ein wundervoller Film mit subtiler Erkenntnis und noch mehr Witz. Ein Besuch lohnt sich also allemal.

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2 Comments

  • Renata sagt:

    Super Geschichte, freue mich auf den Film. Ein Thema, das mir immer wieder begegnet, z. B. in Pizzerien, wo die Inhaber z. B. Türken sind und doch ein paar Worte italienisch für die Gäste sprechen … damit die das „Italien-feeling“ haben.

  • Matilde sagt:

    Eine lustige Komödie, die ein ernstes Thema der Nationalität und religiösen Stereotypen anspricht. Auf eine leichte und humorvolle Weise wird in diesem Film mit diesen schwierigen Themen umgegangen. Es ist eine gelungene Komödie.

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