Kommentar: Mindestlohn auch für Deutschland!

Mindestlohn Frankreich Deutschland (Pierre Pauma)

Zeichner: Pierre Pauma.

Als unverbesserlicher Franzose muss ich sagen: Der Mindeslohn wäre nicht nur ein sozialer Fortschritt für Deutschland. Er wäre noch mehr, er wäre auch die Gelegenheit, die geschäftlichen Beziehungen in einem kranken Europa wieder auszugleichen!

In Frankreich gibt es zwei Kategorien von Menschen. Die einen, die den SMIC (den französischen Mindestlohn) als  eine unerschütterliche Errungenschaft betrachten. Und die anderen, die schreien, er töte unsere Wettbewerbfähigkeit. Im Jahre 1950 gehörte der sogenannte SMIC zu den ersten sozialen Maßnahmen, die nach dem Krieg entschieden wurden. Der Premier führte diesen Mindestlohn ein, der von den Lebenskosten abhängig war. Ab 1952 wurde  der SMIG an die Inflation gebunden (siehe Info-Kasten). Dieser allgemeine Mindestlohn hindert Arbeitgeber und Arbeitnehmer aber nicht daran, sich auf einen höheren Lohn zu einigen.

Der Anteil der Löhne in der Wertschöpfung ist stabil

Geht es nach seinen Kritikern, ist der Mindestlohn keine Korrektur der Ungleichheit, sondern eine der Quellen unserer fehlenden Wettbewerbsfähigkeit. Unsinn. Es stimmt, dass die Summe der Löhne schneller gestiegen ist als die Gewinne der Unternehmen. Trotzdem ist die Aufteilung zwischen Löhnen und der Summe, die die Aktionäre ausgezahlt bekommen, ziemlich gleich geblieben. Und wissen Sie was? Das finde ich prima!



Mit einem SMIC in Paris leben? Da ist es leichter, einen Marathon mit einem Holzbein zu laufen

Es ist prima, weil ein Arbeiter keinen Hungerlohn annehmen muss –  aus Angst vor der Arbeitslosigkeit. Die Liberalen wiederholen, mit der Hand auf dem Herzen, nur Angebot und Nachfrage von Arbeit sollten die Höhe des Lohns bestimmen (natürlich wäre dieser Lohn dann meist unter den heutigen SMIC). Und dann würde die Arbeitslosigkeit sinken. Aber gerade in Städten wie Paris ist das Leben mit dem SMIC heute schon so leicht, wie einen Marathonen mit einem Holzbein zu laufen. Müssen die Löhne also wirklich noch tiefer sinken?

Ein weiterer Vorteil des Mindestlohns:  Das Prinzip  Mindestlohn gilt auch für Praktika. Einigen wir uns auf eine Definition von „Praktikum“: Das heißt nicht „kopieren und Kaffee machen“, sondern zum Betriebsleben beitragen und echte Arbeit leisten (wenn auch selten die wertvollste, zugegeben). Und persönlich bin ich sehr froh, zumindest 436 Euro zu verdienen und versichert zu sein – durch den Mindestlohn in Frankreich. In Deutschland ist das oft anders – viele Studierende machen unbezahlte Praktika. Aber was soll diese Argumentation? Weil ich jung bin, darf ich mein Geld nicht durch Arbeit verdienen, sondern soll für eine „wertvolle Erfahrung“ in meinem Lebenslauf draufzahlen?

Deutsche, kauft französische Matrosenhemden, wir kaufen dann VWs

Der Mindestlohn ist also sinnvoll. Und hat noch einen Nebeneffekt: Er stärkt die Kaufkraft und vertstärkt die Importe. Er wäre ein Glücksfall für alle europäischen Länder, die mit Deutschland handeln. Der französische Mindestlohn zum Beispiel finanziert seit Jahren den deutschen Handelsüberschuss. Das französische Handelsdefizit hat sich nämlich verstärkt, seit der damalige Präsident François Mitterrand im Jahr 1981 den SMIC um 10 Prozent erhöhte. Damals ein echter Vorteil für Deutschland, das Haupt-Handelspartner von Frankreich war. Heute ist Deutschland der Exportmeister in Europa und hat einen Handelsüberschuss von 17,5 Milliarden Euro gegenüber Frankreich. Das gilt ähnlich auch für Italien, Spanien und in einem gerigeren Maße, für Griechenland. Alle würden von einem deutschen Mindestlohn – und der damit verbundenen Steigerung der Kaufkraft – profitieren.

Also, Deutsche: Seid nett, führt einen Mindestlohn ein – und probiert dann damit die „made in france“-Produkte. Wir stellen sehr schöne Matrosentrikots her (das kann unser Industrieminister bezeugen) und französiche Autos sind auch nicht so schlecht! Gebt ein bisschen der deutschen Wettbewerbsfähigkeit auf. Und freut euch darauf, wie viele VWs und BMWs sich die Franzosen dank der Erhöhung des französischen Imports leisten können werden.


2 Comments

  • Marjorie sagt:

    Hallo an euch!
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    Hier ist seine e-Mail: marjo.ballut@hotmail.com

  • Sabine sagt:

    Ein sehr schöner Artikel. wirklich toll geschrieben.
    Allerdings halte ich das Thema Mindestlohn für nicht ganz so einfach…
    Natürlich sollen Arbeitnehmer von ihrem Vollzeitjob gut leben können ohne noch zusätzliche Hilfe vom Staat in Anspruch nehmen zu müssen. Natürlich ist der Mindestlohn an für sich eine „gute Sache“.
    Jedoch ist das nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite muss man die Unternehmen betrachten. Die Einführung des Mindestlohns bedeutet für viele unserer kleinen und mittelständischen Unternehmen, dass sie Arbeitsplätze abschaffen müssen. Können sie sich heute 3 Mitarbeiter leisten, so würde diese Zahl bei Einführung des Mindestlohns auf 0-1 sinken.
    Ich bin mir sicher, dass es einige Unternehmen gibt, die ihren Mitarbeitern gerne mehr zahlen würden, jedoch ist es einfach aus Mangel an Geld nicht machbar.

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