Studenten aus Krisenländern: „Wir hassen Merkel nicht!“

Lena, 20 (Spanien)

“Mein Name ist Lena Molina Moreno, ich bin 20 Jahre alt und studiere an der spanischen Fern-Uni UNED Psychologie. Ich bin zwar in Spanien geboren, lebe aber in Berlin.

Lena kritisiert, dass die Euro-Krise dazu geführt hat, dass sich die Länder gegenseitig ausspielen. Der Zusammenhalt in Europa sei gefährdet.

Lena kritisiert, dass die Euro-Krise dazu geführt hat, dass sich die Länder gegenseitig ausspielen. Der Zusammenhalt in Europa sei gefährdet.

In meinem Heimatland Spanien herrscht große Unzufriedenheit unter den Jugendlichen und noch stärkere Furcht vor Arbeitslosigkeit. Die Stimmung ist fast revolutionär, man will das gesamte System ändern. Meine Altersgenossen engagieren sich viel stärker, überall sehe ich Demos und die Politik ist viel präsenter.

Ich unterstütze den Gedanken noch einmal völlig neu anzufangen. Das gesamte System zu ändern ist der richtige Weg. Wir haben ja gesehen, wohin unser derzeitiges Denken uns bringt. In Krisenzeiten leiden die Menschen, da ist es doch verständlich, wenn sie wütend auf ihre Politiker sind. Die Nazi-Vergleiche halte ich aber für übertreiben. Man darf jedoch nicht die Probleme auf dem Rücken der einfachen Bürger austragen. Gleich die EU abzuschaffen, löst das Problem jedoch nicht. Wir müssen noch einmal neu anfangen und auf der gemeinsamen Stärke aufbauen. Früher haben schließlich auch alle von der Union profitiert.

Ich finde es schade, dass viele Deutsche denken, die Spanier könnten ihre Politiker, allen voran Angela Merkel, nicht leiden. Eigentlich halten Merkel viele Spanier für kompetent. Die Wut der Spanier richtet sich viel mehr auf ihre eigenen Politiker. Sie sind genug damit beschäftigt ihre eigene Regierung zu hassen. Ich persönlich würde mir jedoch einen Regierungswechsel in Deutschland wünschen. Allerdings nur, wenn wirklich jemand neues kommt und nicht immer die gleichen Ideen an der Macht sind.

Das schlimmste an der Krise ist doch, dass die Länder der EU so gegeneinander ausgespielt werden. Von manchen Deutschen musste ich mir schon Sprüche anhören, wie: ‘Wir finanzieren dein Land!’. Dabei sollten wir doch gemeinsam an einem Strand ziehen.

Für Spaniens Zukunft wünsche ich mir, dass man lernt langfristiger zu denken. Wir müssen unser Potenzial besser nutzen, dann können wir unsere Probleme lösen. Aber vielleicht haben wir auch immer noch mit den Auswirkungen der Franco-Diktatur zu kämpfen. Spanien muss schließlich erstmal aufholen und Mentalitäten ändern sich nicht allzu schnell.”

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.