Studenten aus Krisenländern: „Wir hassen Merkel nicht!“

Marta, 30 J. (Portugal)

“Ich heiße Marta de Oliveira. Ich bin in der Nähe von Porto in Portugal geboren und vor acht Jahren zum ersten Mal nach Deutschland gekommen. Damals habe ich bereits ein Auslandssemester während meines Produktdesign-Studiums in Dortmund gemacht. Momentan studiere ich hier den Master „Alternde Gesellschaften“.

Marta kommt zwar gebürtig aus Portugal, doch lebt sie schon sehr lange in Deutschland. Sie hat deshalb eine andere, viel positivere Meinung von Deutschland als viele ihrer Landsleute.

Marta kommt zwar gebürtig aus Portugal, doch lebt sie schon sehr lange in Deutschland. Sie hat deshalb eine andere, viel positivere Meinung von Deutschland als viele ihrer Landsleute.

Portugal wurde von der Wirtschaftskrise schwer getroffen. Die Mittelschicht wird immer weniger, die Leute verlieren ihre Arbeitsplätze. Natürlich sind deshalb viele Bürger sehr frustriert und wütend auf die Politik. In erster Linie werden schon die eigenen Politiker beschuldigt für die wirtschaftliche Lage Portugals. Die politische Klasse Portugals hat mit den normalen Menschen nichts mehr zu tun. Sie sind total abgehoben. Portugal ist eigentlich ein kleines Land. Trotzdem haben wir prozentual  viel mehr Politiker als Deutschland und diese verdienen auch deutlich mehr. Das stört immer mehr Menschen und die Frustration wächst. Gleichzeitig steigt seit der Krise aber auch das Interesse der Bürger an Politik. Sie wollen nun wissen, was vor sich geht, damit man nicht ständig über ihren Kopf hinweg entscheiden kann.

Trotzdem ist Merkel und ihre Europapolitik vielen Portugiesen ein Ärgernis. Ich glaube, sie suchen ein Ventil um ihre Wut herauszulassen und nehmen sich deshalb Angela Merkel vor. Außerdem sind die Portugiesen konservativer als die Deutschen. Die Katholische Kirche hat ja einen ziemlich großen Einfluss auf das Leben der Menschen. Deshalb haben manche auch Vorurteile gegenüber Merkel, weil sie eben eine Frau ist. Ich selbst sehe das ganz anders, ich bin ja selbst eine Frau. Manchmal habe ich das Gefühl, Merkel deshalb auf einer anderen Ebene viel besser zu verstehen. Vielleicht aber auch, weil ich schon so lange in Deutschland lebe, habe ich in vieler Hinsicht eine andere Einstellung als der typische Portugiese. Die finden halt, dass Merkel Portugal schadet und deshalb wünschen sich viele auch einen Regierungswechsel, wenn im September in Deutschland gewählt wird. Ich selbst bin zwar keine CDU-Wählerin, Merkel finde ich trotzdem gut.

Ein großes Problem in Portugal ist die Lücke zwischen dem eher geringen Einkommen der Menschen und den hohen Lebenshaltungskosten. Meine Schwester hat einen Master und verdient etwa 700 Euro. Das ist nicht viel mehr als der portugiesische Durchschnittslohn. Die Lebenshaltungskosten sind aber gar nicht so viel niedriger als in Deutschland, Energie kostet sogar deutlich mehr. Auch zahlen wir sehr hohe Steuern. Portugal muss für dieses und viele andere Probleme eine Lösung finden. Das geht aber nur, wenn endlich eine vernünftige Regierung an die Macht kommt, die die Probleme der Bürger ernst nimmt.”

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