Studenten aus Krisenländern: „Wir hassen Merkel nicht!“

Vicentz, 33 J. (Spanien)

„Mein Name ist Vicentz Carmona Ruiz und ich bin 33 Jahre alt. Ich komme aus der südspanischen Stadt Cardiz und studiere dort Sprachen. Seit zwei Semestern bin ich nun in Dortmund.

Vicentz hat eine Utopie von einer besseren Welt. Sie soll frei von ökonomischen Zwängen sein und die Menschen nicht mehr unter Krisen leiden lassen.

Vicentz hat eine Utopie von einer besseren Welt. Sie soll frei von ökonomischen Zwängen sein und die Menschen nicht mehr unter Krisen leiden lassen.

Spanien ist in einer tiefen Krise. Nicht nur wirtschaftlich. Das Land ist gespalten in konservative und linke Kräfte. Spanien bleibt in diesem Konflikt stecken und niemand sucht nach Lösungen. Auch die Medien nehmen nur die Haltung ihrer jeweiligen Zielgruppe ein und verschärfen noch die Vorurteile. Ich glaube, dass die Zeit in der wir Fernsehen gucken, Zeit ist, in der wir nicht denken. Das bremst uns aus.

In meinem Heimatland gibt es zwei große Parteien und die kümmern sich nur um ihre eigenen Interessen. Immer geht es darum ihre Gruppe zu verteidigen. Dabei lebt die politische Klasse in einer Blase, die haben doch von den normalen Menschen keine Ahnung mehr. Außerdem ist es sehr schwer für Menschen mit neuen Ideen, die Aufmerksamkeit zu bekommen, die nötig wäre, um ihre Ideen zu verbreiten. Man kommt gar nicht durch. Sozialer Aufstieg ist sehr schwer.

Ich habe einen etwas anderen Blick auf die Lage, als vielleicht einige andere. Meiner Meinung nach ist die Lösung für Krise ganz einfach: Wir müssen das gesamte System ändern. Alle Maßnahmen, alles was getan wurde, dreht sich durch nur darum, das kaputte System irgendwie zu retten. Irgendwie soll die Wirtsschaft wieder laufen und alles wieder so sein wie vorher. Das ist doch Quatsch! Auch die Europäische Union ist nur dazu da, um die alte Ordnung zu halten.  Ich habe eine Utopie, man kann es auch Traum nennen und ich weiß, dass ich die Umsetzung dieser Utopie nicht mehr erleben werde, aber ich träume von einer anderen Welt. Einer Welt, in der es kein Geld mehr gibt, das Konflikte entzünden kann.

Die Welt muss sich basisdemokratisch regieren. In viel kleineren Systemen als Staaten. Diese Systeme sollen sich dann völlig selbstversorgen können, jeder leistet seinen Beitrag. Wir müssen dieser Globalisierung entgegen wirken und einen Schritt zurück treten. Die Frage, in welcher Welt wir leben wollen, können wir doch nicht mit Umweltzerstörung und Wirtschaftskrisen beantworten.

Viele kritisieren meine Idee als Schwachsinn und sagen, dass die Menschen zu schlecht für so ein System sind. Ich glaube aber nicht, dass die Menschen schlecht sind. Es ist das falsche System, dass sie schlecht macht.

Aus diesem Standpunkt heraus ergibt sich, dass ich die deutsche Politik gegenüber der Krise genauso schlecht finde, wie die spanische. Merkel schützt auch nur das bestehende System. Wenn die Deutschen im September wählen, haben sie aber keine richtige Wahl. Denn jeder andere Kandidat hat sich ja auch verpflichtet dieses, in meinen Augen, schlechte System aufrechtzuerhalten. Die Deutschen sollten sich auch für einen Systemwechsel entscheiden.

Ich wünsche mir für Spanien und für ganz Europa, dass die Wirtschaft wieder dem Menschen dient und nicht andersherum. Wir brauchen weniger Egoismus und die Menschen müssen bewusster leben. Kurzfristig ist es aber besonders wichtig, ihnen eine Perspektive zu geben, gerade für die Jugend.

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