Duell: Abgabe der Hausarbeit schon im Semester?

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Schreiben oder nicht Schreiben? Das ist hier die Frage. Viele Studenten freuen sich schon auf die Semesterferien. Endlich Zeit für Freunde, Urlaub, einfach mal nichts tun. Oder doch lieber für’s Selbststudium? Das könnte sich jetzt ändern, denn einige Dozenten setzen mittlerweile Abgabefristen vor Ferienbeginn. Was spricht für die Abgabe von Hausarbeiten während des Semesters und was dagegen? Unsere beiden Autoren haben diese Frage diskutiert.

pro
contra

Der 30. September hat in meinem Leben eine ganz besondere Bedeutung. Nein, an diesem Tag hat nicht meine beste Freundin Geburtstag. Im Gegenteil: In jedem Semester sehe ich dem 30. September mit Schrecken und Freude zugleich entgegen. Denn an diesem Tag endet für die meisten Seminare die Abgabefrist der Hausarbeiten. Dann schlägt also das bekannte letzte Stündlein. Freude durchströmt mich jedes Mal, wenn diverse Hausarbeiten endlich abgegeben sind. Dennoch: die gesamten Semesterferien über sitzt mir der 30te im Nacken. Neun Wochen Zeit. Also denke ich: Ach, das ist ja noch ewig hin! Sechs Wochen. Dann noch vier Wochen bis Fristende. Ok, irgendwann sollte ich anfangen. Zwei Wochen vor Ablauf der Zeit stellt sich blanke Panik ein. Warum sollten Fristen für die Abgabe von Hausarbeiten also nicht im Semester liegen?

Ich sage der Prokrastination den Kampf an!

Gut, dann bekommt wohl ein anderes Datum eine negative Konnotation, aber zumindest bin ich während des Semesters schon im Arbeitsmodus. In den Ferien laufe ich arbeitstechnisch eher auf Standby. Semesterferien gleich Raum für Selbststudium? Ja, das ist auch eine gute Sache, aber bitte nicht ganze neun Wochen lang. Für mich wäre eine Fristsetzung im Semester wesentlich besser. Schon klar: Prokrastination ist die beliebteste aller Studentenkrankheiten. Auch ich bin zeitweise davon befallen. Trotzdem bin ich der Meinung: Hausarbeiten schon während des Semesters zu schreiben wirkt der Zeitaufschieberei entgegen.

Zu viel Zeit ist trügerisch

Während des Semesters bin ich eh schon an der Uni und auf dem Weg zum Seminar liegt die Unibibliothek. Warum nicht einfach mal reingehen? Der Prof hat noch regelmäßig Sprechstunde. Bei Fragen kann ich demnach schnell Rat einholen. Außerdem ist die Konzentration noch hoch, weil ich sowieso permanent mit Uniangelegenheiten beschäftigt bin. In den Semesterferien wird das schon wesentlich schwieriger. Da lasse ich auch gerne mal alle Fünfe gerade sein. Schließlich habe ich ja noch ewig Zeit in den Ferien. Doch der schöne Schein trügt. Ich betrüge mich quasi selbst! Mich bei gutem Wetter in die Bibliothek zu zwingen, die nicht um die Ecke liegt? Lieber sitze ich doch im Park. Und wie soll ich den Prof in den Ferien erreichen, da die Sprechzeiten jetzt nur noch unregelmäßig abgehalten werden? Da fängt das Dilemma schon an.

Entspannt in die Semesterferien

Stressiger könnte es zwar werden und gutes Zeitmanagement wird ein Muss. Aber wo, wenn nicht in der Uni, sollten wir gutes Planen lernen? Dann wäre Schluss mit panischer Hetze vor’m PC und anstatt in letzter Sekunde zur Uni zu rasen, um noch eine letzte Hausarbeit fristgerecht abzugeben, könnte ich den 30. September ganz entspannt mit Freunden verbringen.

Die vorlesungsfreie Zeit steht vor der Tür und die meisten Studenten sind gestresst: die Klausurenphase hat begonnen. Dann heißt es nur noch lernen, lernen, lernen. Das „Bulimie-Prinzip“ lässt grüßen. Derartige Probleme habe ich zum Glück nicht. Denn ich gehöre zum Studententyp „Hausarbeit“, und das Schreiben von Hausarbeiten ist nicht mit Zeitdruck verbunden. Hat man doch bis zum Ende der Semesterferien Zeit, sie zu schreiben. Ganz anders wäre das natürlich, wenn die Deadline für eine Hausarbeit bereits in der Vorlesungszeit läge.

Dauerstress im Semester?

Nein, danke. Die Vorlesungszeit ist doch schon stressig genug. Ich zum Beispiel jongliere zwischen Studium, Nebenjob und der geliebten Freizeit alias Privatleben. Referate, Essays, Seminarvorbereitung – das alles sind Dinge, die allein für die Uni erledigt werden wollen. Das hält auf Trapp. Wann ist dann bitte noch Zeit für Hausarbeiten? Eine Hausarbeit schreibt sich schließlich nicht einfach mal eben so nebenher. Vielleicht sehe ich das idealistisch, aber eine Hausarbeit sollte dazu dienen, sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen und eigene Ideen zu entwickeln.

Man braucht die Zeit

Schon allein die Themenfindung kann Tage oder gar Wochen dauern. Hätte man jetzt nur einige wenige Wochen Zeit, in denen auch andere Sachen anstehen, dann würde die Qualität der Hausarbeit doch darunter leiden. Da ist mir die vorlesungsfreie Zeit doch tausendmal lieber. Auf die Themenfindung folgt die ausgiebige Literatur-Recherche. Hier dürfen auch mal ganze Bücher gewälzt werden. Das macht im besten Fall Spaß, denn man hat ein Thema ja nicht nur gewählt, weil man es muss, sondern weil es interessiert.

Beliebt: Schleifen lassen

Klar! Es gibt dieses Phänomen, das man auch „Schleifen lassen“ nennt. Das ist besonders in den Sommer-Semesterferien beliebt, denn hier lockt das Wetter nach draußen und in den Urlaub. Gedanken an die Hausarbeit(en) kommen vielen dann meist erst kurz vor knapp in den Sinn. Aber mal ganz ehrlich: Wäre das anders, wenn die Deadline in der Vorlesungszeit läge? Deadline ist immer noch Deadline. Leute, die alles schludern lassen und dann auf den letzten Drücker ihre Arbeit erledigen, machen das erfahrungsgemäß nicht nur in den Semesterferien. Und in der Vorlesungszeit häufen sich die Deadlines. Auch Essays, Zwischentests und Portfolios haben schließlich Fristen.

Genug Ruhe in den Semesterferien

Da lob ich mir doch die vorlesungsfreie Zeit. Die ist in diesem Sommersemester übrigens elf Wochen lang. Da bleibt neben genügend Erholung sogar Zeit für die gefürchtete Schreib-Blockade bei der Hausarbeit.

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Teaserfoto: Simone Hainz /pixelio.de, Montage: Steinborn/Schweigmann

2 Comments

  • Leo78 sagt:

    Neben Referaten, Seminarvorbereitung und -Nachbereitung und Nebenjob auch noch Hausarbeiten schreiben? Ich glaub es geht los! Dass Hausarbeiten in der vorlesungsfreien Zeit geschrieben werden sollen, macht schon Sinn. Schließlich hat man da genügend Zeit und Muse, sich intensiv mit einem Thema zu beschäftigen. Was macht es für einen Sinn, wenn die Studenten noch mehr Stress im Semester haben und das Resultat dann lieblos hingeschluderte, oberflächliche Arbeiten sind! Klar ist es nicht immer leicht, sich in den Ferien zu motivieren, aber eigenverantwortliches Arbeiten ist ja das, was man an der Uni lernen sollte. Und bei 12 Wochen Semesterferien bleiben bei guter Einteilung auch noch locker 5-6 Wochen um wirklich frei zu haben.

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