Auf den Spuren Detroits

Eigentlich ist die Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und Detroit gar nicht so abwegig: Beide haben eine starke industrialisierte Vergangenheit. So dominieren nun die Überbleibsel alter Tage unser Landschaftsbild in beiden Gebieten. Genau das wollten die Studenten der Amerikanistik herauszustellen – mit eigenen Fotografien. Ruhr ruin porn“ heißt ihre Ausstellung offiziell.

Fasziniert von der heimischen Vergangenheit: Sandra Flasche (links) und Carina Ziebarth vor ihren Fotos von der Dortmunder Industrie-Landschaft. Fotos: Mareike Fangmann. Teaserbild: Mareike Fangmann

Fasziniert von der heimischen Vergangenheit: Sandra Flasche (links) und Carina Ziebarth vor ihren Fotos von der Dortmunder Industrie-Landschaft. Fotos und Teaserbild: Mareike Fangmann.

Industriegeschichte und Kultur, Kunst und Pornografie… Wie hängt all das zusammen? „Die Darstellungen sind nackt, denn sie offenbaren Dinge, die sonst eher im Versteckten bleiben. Außerdem sind sie warnend, sensationell und man kann einfach nicht wegsehen“, gibt Projektleiterin Julia Sattler Hilfestellung. Amerikanistik-Professor Walter Grünzweig beschreibt die Absicht der Ausstellung so: „Es geht vor allem darum, einen regionalen Bezug herzustellen und diesen dann auch transatlantisch auszudehnen.“ So zeigen Fotografien aus Dortmund und Umgebung die industrielle Vergangenheit. Sie lehnen an Darstellungen aus Detroit an.

Die beiden Lehramtsstudentinnen Sandra Flasche und Carina Ziebarth sind fasziniert. Beide haben haben am Projekt mitgewirkt und durch das Fotografieren und Entdecken der Locations Spaß an der Spurensuche nach der heimischen Vergangenheit gefunden: „Auf jeden Fall hat das Projekt unser Interesse geweckt! Man fragt sich: Was ist eigentlich mal hier gewesen? Die Geschichten dahinter scheinen wirklich spannend zu sein“, zeigen sich die beiden 25jährigen Frauen begeistert. So haben sie beispielsweise stillgelegte Schienen entdeckt, über die sich ein Wald gelegt hat. Die lange Zeit, in der sich dort nichts getan hat, hat die Studentinnen stutzig gemacht. Auch Gebäude, in denen einfach alles stehen und liegen gelassen wurde, lässt sie über Vergangenes nachdenken. „Wir wollen jetzt natürlich auch weiterforschen“, geben sie sich motiviert. „Schließlich sind die Bilder ja nur in Dortmund entstanden. Demnächst wollen wir nach Duisburg oder Essen, dort gibt’s sicherlich noch einiges zu entdecken.“

Abenteuerliche Spurensuche

Die Spurensuche sei auch sehr spannend und abenteuerlich gewesen. Es gab beispielsweise stillgelegte Orte, die bewohnt zu sein schienen. „Es hingen sogar Regale dort“, beschreiben die Fotografinnen das Gesehene. „Manchmal hatten wir auch schon etwas Schiss, weil wir ja nicht wussten, was um die Ecke auf uns wartet“, gibt Sandra zu. Neben dem Ruhrgebiet interessiert sie aber eines noch mehr: „Natürlich wollen wir jetzt unbedingt mal nach Detroit!“, sagt Carina. Dort wollen sie dann das Gesehene vergleichen und gucken, welches Gebiet denn nach außen den stärkeren industriell-geprägten Eindruck macht.

Ein Vergleich der Gedichte „Im Schacht“ von Heinrich Kämpchen und an „Abandoned Factory Detroit“ von Philip Levine sollen Gemeinsamkeiten der entfernten industrialisierten Gebiete offenbaren.Vor allem solle aber die positive Seite vergangener Industrietage hervorgehoben werden. So sieht man auf den Bildern, wie sich sich mittlerweile wieder Natur und technisch geprägte Schauplätze verbinden: eine Metamorphose der Industrie. Spannend ist es zu erkennen, dass die Orte nicht verlassen sind. Durch Graffiti zum Beispiel sollen Betonleichen wiederbelebt werden. Zudem zeigen die Bilder, wie schön das Ruhrgebiet trotz stählernen Überresten der Industrie-Vergangenheit sein kann – oder gerade dadurch.

Stahlkonstrukte - liebevoll in Szene gesetzt von den Amerikanistik-Studenten.

Stahlkonstrukte - liebevoll in Szene gesetzt von den Amerikanistik-Studenten.

Finissage am 27. Oktober

Die Bilder der Kursteilnehmer ‟Ruhr Detroit“ hängen im Amerikanistik-Foyer im Emil-Figge 50-Gebäude. Die Ausstellung kann noch bis zum 27. Oktober besucht werden.

Es ist das erste Mal, dass ein solcher Kurs im Rahmen des Hochschulprogramms angeboten wurde. Es soll aber nicht das letzte Mal gewesen sein.

Die Studentinnen Sandra und Carina haben neben ihren Fotos aus der Ausstellung ihre eigene Präsentation angefertigt. Hier die schönsten Bilder zum Durchklicken:

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