Wissenswert: Geschichte der Intimrasur

Foto: Marco Barnebeck  / pixelio.de

Die Temperaturen steigen, die Kleider werden knapper und überall nackte Haut: Bei wem aber Haarstoppeln an den Beinen oder unter den Achseln zu sehen sind oder sich gar ein dunkler Flaum am Rande der Bikini- oder Badehose abzeichnet, erntet meist schiefe Blicke. Glatt rasiert gehört seit Jahren zum guten Ton – aber warum eigentlich?

Tatsächlich ist die Entfernung der Körper- und insbesondere der Schamhaare kein neuer Trend: Bereits in den antiken Hochkulturen wussten die Menschen haarlose Haut zu schätzen. Dabei war nicht immer nur der ästhetische Aspekt entscheidend, auch hygienische und religiöse Aspekte spielten eine Rolle.

Wer sich die Haare im Intimbereich entfernte, konnte so zum Beispiel einem Befall durch Läuse oder anderer Parasiten vorbeugen. In Gegenden mit raren Wasservorkommen war dies ein nicht zu unterschätzender Hygiene-Vorteil.

Im alten Ägypten
Im alten Ägypten entsprach ein haarloser Körper dem gängigen Schönheitsideal. Insbesondere Frauen enthaarten sich – auch im Intimbereich – und benutzten dazu Bronzemesser oder Bienenwachs. Auch die arabische Enthaarungspaste „Halawa“ soll ihren Ursprung im Land der Pharaonen haben.

Bart zu tragen, war bei Männern indes verpönt. Deshalb rasierten sich viele auch im Gesicht vollständig. Nur der Pharao trug zu besonderen Anlässen einen künstlichen Zeremonialbart.

Im antiken Griechenland
Im antiken Griechenland war die Schamhaarentfernung zumindest teilweise verbreitet. Viele Abbildungen und Skulpturen aus dieser Epoche zeigen nackte, rasierte Menschen. Manche Quellen berichten, dass Männer eine regelrechte Abscheu gegen Schamhaare bei Frauen entwickelt hätten und diese als barbarisch empfänden.

Die Körperhaare wurden vermutlich durch Epilation entfernt. Dazu benutzten die Griechen unter anderem sogenanntes Orpiment, ein arsenhaltiges Mittel, das die Härchen wegätzte.

Im alten Rom
Überbleibsel der römischen Bade- und Körperkultur sind noch heute zu sehen: Therme und Badehäuser stellten die Zentren der Körperpflege dar. Eine glatte, haarlose Haut gehörte zum römischen Schönheitsideal: Männer rasierten sich den Bart bis zu Zeiten von Kaiser Hadrian im ersten Jahrhundert nach Christus. Frauen zupften sich die Augenbrauen und rieben ihre Körperhaare unter anderem mit Bimsstein ab oder entfernten sie mit arsenhaltigen Substanzen, ähnlich dem Orpiment. Das war natürlich gesundheitsschädlich, doch für manche lohnte es sich: Prostituierte konnten wohl mehr Geld verlangen, wenn sie eine haarlose Scham besaßen.

Durch die römischen Eroberungszüge verbreitete sich ihre Bade- und Körperkultur auch ins nördliche Europa und Afrika sowie Teile des Orients.

Im Mittelalter
Ob sich die Menschen im Mittelalter ihre Körperhaare entfernten, ist nicht genau bekannt. Buchmalereien und Abbildungen nackter Körper zeigen diese jedoch meist unbehaart. Auf einem mailändischen Relief aus dem Jahr 1185 ist eine Frau zu sehen, die ihre Schamhaare mit einer Schere stutzt – die Rasur im Intimbereich war also zumindest bekannt.

Eine Frau schneidet sich mit einer Schere die Schamhaare. Mailändisches Relief von 1185. Foto: G. Dall'Orto via Wikimedia Commons

Eine Frau schneidet sich mit einer Schere die Schamhaare. Mailändisches Relief von 1185. Foto: G. Dall’Orto via Wikimedia Commons

Rezepte zur Herstellung von Haarentfernungsmitteln aus dieser Zeit muten teilweise sehr abenteuerlich an: Beliebte Zutaten waren unter anderem Fledermausblut, Kalbsurin und Schwalbengalle.

Zu Zeiten der Hexenverfolgung wurden als Hexen verdächtigte Frauen zwangsweise rasiert, um Teufelszeichen auf dem Körper zu finden. Seltsam geformte Narben oder Leberflecken, die unter dem Körperhaar zum Vorschein kamen, wurden zum Todesurteil für die Betroffene.

Im Islam
Im Islam ist das Entfernen der Scham- und Achselhaare offiziell im Koran durch die „Fitra“ vorgeschrieben. In der Fitra werden Aussagen über die natürliche Beschaffenheit des Menschen getroffen. Neben der Haarentfernung sind die männliche Beschneidung sowie das Schneiden der Nägel und des Schnurrbartes dort als Gebote festgehalten.

Sowohl männliche als auch weibliche Muslime sollen sich demnach mindestens alle 40 Tage enthaaren. Zur Haarentfernung gibt es traditionell zwei populäre Methoden: Mittels „Halawa“ – einer Paste aus Zucker und Zitronensaft –, die auf den Körper gegossen und dann abgezogen wird oder mittels Fädeln. Beide Techniken sind auch heute noch weit verbreitet, insbesondere im türkischen Raum.

Der Islam entstand im frühen siebten Jahrhundert. Man kann davon ausgehen, dass sich parallel zu seiner Ausbreitung in der Welt auch seine Reinheitsgebote verbreiteten – was die Intimrasur einschließt.

Die Intim- und Körperrasur, wie sie heute in Europa üblich ist, stammt aus den USA. Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte die Haarentfernung einen Aufschwung: Röcke und Kleider wurden kürzer – und mit ihnen die Achsel- und Beinhaare. Der erste Trockenrasierer wurde 1915 von Johann Bruecker, einem Donauschwaben, erfunden. Seine Maschine arbeitete mit einem kleinen Aufziehmotor und rotierenden Klingen, die fortan das Rasieren erleichtern sollten.

Wildwuchs in den wilden 70ern

Während der NS-Zeit geriet die Intimrasur insbesondere in Deutschland wieder in Verruf: Propagiert wurde das Bild der „deutschen Frau“, die ihr Schamhaar mit Stolz und Würde – lang – zu tragen hat.

Auch nach Ende des zweiten Weltkriegs konnte sich die Rasur des Intimbereichs nicht wirklich durchsetzen. In den 70er und 80er Jahren kam es stattdessen zum anderen Extrem: Mit der Hippie-Bewegung und deren Hang zur Natürlichkeit kam der „Busch“ zwischen den Beinen wieder in Mode.

Rasieren für Jüngere ganz normal

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Unter jungen Menschen ist die Intimrasur mittlerweile Standard. Foto: Jerzy / pixelio.de

Erst seit den 90ern wurde die Intimrasur wieder ein Trend, der sich heutzutage in westlichen Kulturkreisen fest etabliert hat. Laut einer repräsentativen Studie der Universität Leipzig aus dem Jahr 2009 entfernen sich etwa 55 Prozent aller Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren ihre Schamhaare ganz oder teilweise. Bei den Männern waren dies nur rund 22 Prozent. Eine ähnliche Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Uni Hamburg aus demselben Jahr ergab sogar, dass unter Jugendlichen (16 bis 19 Jahre) 94 Prozent der Mädchen und 81 Prozent der Jungen ihre Intimzonen enthaaren. Für die „junge“ Generation scheint das Entfernen der Körperhaare also etwas ganz natürliches zu sein.

Für die Ästhetik und das sexuelle Wohlbefinden

Hygienische Gründe spielen heutzutage bei der Intimrasur faktisch eigentlich keine Rolle mehr: Durch die hohen Hygienestandards haben sich Probleme wie Parasiten erübrigt.

Viel wichtiger scheinen die ästhetischen Aspekte eines glatten, haarlosen Körpers und das sexuelle Wohlbefinden, das damit einhergehen mag.

Ein Blick in die Medien zeigt, der komplett enthaarte Körper scheint mittlerweile die gesellschaftliche Norm zu sein. Die Zahlen der Leipziger Forscher sagen jedoch etwas anderes: In den Altersgruppen ab 31 Jahren nahmen die Werte der rasierten Frauen und Männer stark ab.

Ein sehr intimer Körperschmuck

Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahrhunderte, birgt diese Tatsache wahrhaftig keine Überraschungen. Denn die ursprünglich schützende und wärmende Funktion der Scham- und Körperhaare hat mit der Zivilisierung der Menschen zusehends an Bedeutung verloren.

Haare sind Körperschmuck, der ebenso wie Mode zeitgenössischen Trends und Entwicklungen unterliegt. Ob kurz oder lang, gestutzt, mit Dreieck oder „Landing-Strip“ – im Endeffekt ist es eine Frage des Geschmacks und der persönlichen Motivation.

Beitrags- und Titelfoto: Marco Barnebeck / pixelio.de

 

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