Studis gegen Leukämie

Für manche Leukämie-Patienten ist eine Stammzellspende die letzte mögliche Therapie. Im günstigsten Fall haben sie eine Chance von Eins zu einigen Tausend auf einen passenden Spender. In vielen Fällen liegt die Chance jedoch bei eins zu mehreren Millionen. Um die Chancen zu erhöhen, die oder den Richtigen zu finden helfen Typisierungsaktionen, wie die an der Uni Bochum am Mittwoch, 13.6. von 10 bis 16 Uhr im Tutorienzentrum. Passen die Gewebemerkmale eines Spenders zu denen eines Leukämie-Patienten, besteht die Chance auf eine Stammzell-Transplantation. Beim Infoabend an der Ruhr Uni wurde deutlich: Das Risiko für Spender ist äußerst gering.

Kolja Alexander von der Bochumer Fachschaft Medizin ist Mitorganisator der Aktion und pflastert die Uni mit Werbeplakaten.

Kolja Alexander von der Bochumer Fachschaft Medizin ist Mitorganisator der Aktion und pflastert die Uni mit Werbeplakaten.

„Bei der letzten Typisierungsaktion vor zwei Jahren haben sich mehr als Tausend mögliche Spender registrieren lassen“, erzählt Kolja Alexander, Medizinstudent und Mitorganisator der Aktion, „von diesen konnten bereits zwölf als Stammzellspender tätig werden“. Das sei eine sehr gute Quote, fügt er hinzu. Ob das am Uni-Umfeld mit vielen jungen und daher gesunden Menschen liegt, kann er nicht genau sagen. Sicher ist jedoch: Die letzte Aktion war ein Erfolg. Damit das auch in diesem Jahr so wird, pflastern Kolja und seine Mitstudierenden die Uni mit Plakaten. „Wir ziehen momentan jeden morgen los und plakatieren, da die Wände hier an der Uni heiß umkämpft sind“, sagt Kolja.

Um den potentiellen Spendern die Angst zu nehmen, hat im Vorfeld der Aktion eine Info-Veranstaltung stattgefunden. Professor Albrecht Bufe erklärte, wie sich das Blut bei Leukämie-Patienten verändert: Weiße Blutkörperchen und deren Vorstufen breiten sich im Knochenmark und im Blutkreislauf aus – und das mit lebensbedrohlichen Folgen: Unter anderem entsteht ein Mangel an Sauerstoff transportierenden roten Blutkörperchen.

Beim Infoabend erklärt Professor Albrecht Bufe, warum die Suche nach einem kompatiblen Spender so mühsam ist.

Beim Infoabend erklärt Professor Albrecht Bufe, warum die Suche nach einem kompatiblen Spender so mühsam ist.

Die Chemotherapie, so Albrecht Bufe, sei eine sehr aggressive Therapie. Bei dieser Behandlung wird der Körper der Patienten wochenlang mit Giften behandelt um die schädlichen Zellen zu zerstören. Dabei kann das Knochenmark des Patienten so geschädigt werden, dass es keine gesunden Zellen mehr produzieren kann. In diesem Fall kann eine Stammzelltransplantation die letzte Hoffnung auf Heilung sein. Aus den Stammzellen des Spenders, können sich alle benötigten Zellen des Blutsystems entwickeln. Wann eine Stammzelltransplantation sinnvoll ist, so Bufe, sei genau durch die ärztlichen Leitlinien vorgegeben.

Die Entnahme der Stammzellen beim Spender kann auf zwei verschiedene Weisen erfolgen. In vielen Fällen wird heutzutage ein so genanntes peripheres Verfahren durchgeführt. Dazu wird dem Spender einige Tage vor der Entnahme ein Medikament gegeben, welches Stammzellen ins Blut befördert. Die Entnahme erfolgt dann ähnlich wie bei einer Blutspende. Einer solchen Entnahme hat Daniel Quast, ebenfalls Medizinstudent in Bochum, zugestimmt. Er wurde bei der letzten Aktion vor zwei Jahren registriert. Nach zwei Jahren wurde er nun als Spender angefragt und fährt kommende Woche nach Köln zu einer letzten Voruntersuchung. Die soll garantieren, dass er gesund ist und selbst kein Risiko durch die Spende hat. Er hätte der Entnahme auch dann zugestimmt, wenn sie direkt aus dem Hüftknochen hätte erfolgen müssen, sagt Daniel Quast. So sei es ihm aber etwas lieber, da für die periphere Entnahme keinerlei Narkose oder Betäubung nötig ist. Als Nebenwirkung treten schlimmstenfalls grippeähnliche Symptome wie Kopf- oder Gliederschmerzen auf.

In Bochum führen erfahrene Medizin-Studenten die Blutentnahme am Aktionstag durch. Foto: DKMS

In Bochum führen erfahrene Medizin-Studenten die Blutentnahme am Aktionstag durch. Foto: DKMS

Aber warum ist es so schwer einen Spender zu finden, der zum Patienten passt? „Das Immunsystem unterscheidet zwischen Selbst und Nicht-Selbst“, erklärt Albrecht Bufe. Das sei im Grunde sinnvoll, da fremde Substanzen im Körper sehr gefährlich sein können. Es gilt also das Immunsystem zu überlisten. Entscheidend dafür sind bestimmte Proteine, die in der Zellmembran verankert sind. Diese so genannten Human-Leukocyte-Antigene (HL-Antigene oder HLA-Merkmale) signalisieren dem Immunsystem, ob eine Zelle fremd ist. Jeder Mensch, der keinen eineiigen Zwilling hat, trägt seine ganz eigenen HL-Antigene in sich. Theoretisch sind davon 10 hoch 16 verschiedene Typen denkbar. Dass zwei Menschen annähernd gleiche HLA-Merkmale haben, ist also extrem unwahrscheinlich – und genau das macht die Suche nach dem Spender so schwierig. „Genau gleiche Merkmale gibt es sowieso nicht“, sagt Bufe. Man suche daher nach der bestmöglichen Übereinstimmung. Ein gesundes Immunsystem, so der Mediziner, akzeptiere auch ein etwas anderes HL-Antigen. Ein krankes, gestresstes Immunsystem hingegen, sei sehr wählerisch bei der Auswahl.

In etwa 30 Prozent der Fälle wird innerhalb der Familie des Erkrankten ein Spender gefunden. Für alle anderen Fälle, sind Typisierungsaktionen wie die in Bochum die einzige Chance.

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