Wie Norbert Lammert dem neuen Bundespräsidenten die Show stahl

Es musste nur noch offiziell besiegelt werden: Frank-Walter Steinmeier ist neuer Bundespräsident. Eine überraschende Nachricht ist das nicht, war er doch der gemeinsame Kandidat von Union und SPD. Wir haben die Reaktionen auf die 16. Bundesversammlung im Netz zusammengefasst.

Für das eigentliche Highlight am Sonntagmittag sorgte aber vor der Wahl Bundestagspräsident Norbert Lammert mit einer überzeugenden Rede, die auch gegen Trump, Putin, AfD und Höcke ausholte – ohne nur einen Namen zu nennen. Nicht wenige kamen zu dem Urteil, dass auch Lammert ein hervorragender Präsident geworden wäre.

Mit seiner Rede, in der er das aktuelle politische Geschehen nahezu sezierte, stahl er Steinmeier die Show. 

Als Lammert über historische deutsche Staatsoberhäupter sprach und Karl VII. erwähnte, betonte er auch, dass es bis Roman Herzog der letzte Bayer an der Spitze gewesen sei – also für mehrere hundert Jahre. Die TV-Kameras zeigten immer wieder CSU-Chef Horst Seehofer, der den Seitenhieb offenbar genau verstanden hatte. Wie auch der Großteil der Bundesversammlung.

Die Rede überzeugte zwar einen Großteil des Plenums, nur die AfD verweigerte Lammert den Applaus.

Die Wahl Steinmeiers zum Präsidenten war schließlich reine Formsache. Spannung kam an diesem Wahlsonntag deshalb nie wirklich auf. Das Netz nahm es ironisch.

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Bei der diesjährigen Wahl stand auch die Frage im Fokus, inwiefern eine Bundespräsidentenwahl Demokratie verkörpert, wenn der Wahlsieger im Vorfeld bereits quasi feststeht. 

Im ersten Wahlgang

Nichtsdestotrotz dauerte das Prozedere, bei dem jeder Wahlberechtigte einzeln, in alphabetischer Reihenfolge, zur Urne treten musste, mehr als zwei Stunden. Um 14.17 Uhr verkündete Norbert Lammert das Ergebnis: Frank-Walter Steinmeier erhielt 931 Stimmen und wird somit der zwölfte Präsident der Bundesrepublik Deutschland. Die absolute Mehrheit von 631 Stimmen erreichte er locker.

Frank-Walter Steinmeier sprach in seiner ersten Rede als frisch gewählter Präsident immer wieder von Mut. Ein Appell an Freiheit und Demokratie in turbulenten Zeiten.

Wenn das Fundament anderswo wackelt, dann müssen wir umso fester zu diesem Fundament stehen.

Praktisch chancenlos waren die anderen Kandidaten wie Engelbert Sonneborn, Vater von Satiriker Martin Sonneborn. Die Piraten nominierten den Rentner und erhielten dabei Unterstützung der Satire-Partei „Die Partei“. Er holte zehn Stimmen.

Albrecht Glaser ist seit März 2013 Mitglied der AfD. Der Partei war es wichtig, bei der 16. Bundesversammlung einen eigenen Kandidaten aufzustellen. 42 Vertreter entschieden sich für Glaser.

Der wohl bekannteste Mitbewerber: Alexander Hold. Der TV-Richter trat für die Freien Wähler an und holte 25 Stimmen. Er plädierte nicht nur vor der Wahl für eine Direktwahl des Bundespräsidenten.

Politikwissenschaftler und Armutsforscher Christoph Butterwegge war Anwärter der Partei Die Linke. Mit 128 Stimmen war er der zweiterfolgreichste Kandidat. Butterwegge hatte sich zuvor eine dreistellige Stimmenzahl als Ziel gesetzt, obwohl die linke Fraktion nur etwa 93 Stimmen in der Bundesversammlung hatte. Offenbar haben ihn also auch einige Delegierte der Grünen und der SPD gewählt.

Prominente wählen mit

Neben den 630 Abgeordneten aus dem Bundestag durften auch genauso viele Delegierte der Länderparlamente den Bundespräsidenten wählen. Unter ihnen nicht nur Politiker aus den Parlamenten selbst, sondern auch viele Prominente, die von den Länderfraktionen nominiert wurden, um das Volk näher an die Wahl zu bringen. Der wohl Bekannteste: Fußball-Bundestrainer Joachim Löw, den die Grünen aus Baden-Württemberg ausgewählt hatten.

Die FDP nominierte Frank Thelen, bekannt aus der TV-Show „Höhle der Löwen“, als Vertreter für Start-Ups und Digitales. Außerdem dabei: Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann und Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Die Piraten schickten den Kabarettisten Volker Pispers ins Rennen.

Auf die Hamburgerin Olivia Jones fiel die Wahl der Grünen aus Niedersachsen.

SPD Berlin sorgte im Vorfeld für Eklat

So richtig Fahrt nahm die Bundespräsidentenwahl schon am am Freitag auf. Die SPD Berlin sorgte für einen Eklat im Netz.

Eine der wichtigsten Prinzipien des Amtes ist nämlich die Überparteilichkeit, die die SPD an dieser Stelle nicht wirklich beachtete. Später entschuldigten sich die Berliner dafür. Traditionell lässt der Bundespräsident eine Parteimitgliedschaft während seiner Amtszeit ruhen, sofern er eine hat. Das hat auch Steinmeier angekündigt.

Ab dem 19. März wird Steinmeier die präsidialen Geschäfte vom Schloss Bellevue aus leiten. Dann tritt er offiziell die Nachfolge von Joachim Gauck an.

Beitragsbild: flickr.com/SPD in Niedersachsen unter Verwendung der Creative Commons License