Banane auf dem Hochofen

Die 3,5 Tonnen schwere gelbe Frucht soll ein Geschenk für die Region sein, finanziert durch Sponsoren. Nicht alle wollen sie haben. Besonders die lokale Künstlerszene bleibt kritisch. Doch schon die Tatsache, dass über das überdimensionale Obst auf dem Dach kontrovers diskutiert wird, sei für Thomas Baumgärtel ein Erfolg.

So könnte die Banane auf dem Dach des Hochofens aussehen. Eine Fotomontage von Thies Kiesewetter

So könnte die Banane auf dem Dach des Hochofens aussehen. Fotomontage: Thomas Baumgärtel

Weißer Schnee bedeckt das Gelände am ehemaligen Phoenixwerk in Dortmund-Hörde. Majestätisch ragt die Silhouette des ehemaligen Hochofens 5 in den Abendhimmel. Kaum vorstellbar, dass einmal eine riesige gelbe Stahlbanane auf der Industrieruine thronen soll. Genau das wollte der Künstler Thomas Baumgärtel aber unter dem Motto „Phoenix aus der Asche“ realisieren, möglichst noch im Kulturhauptstadtjahr. Doch mittlerweile haben wir 2011, und die Ruhr.2010 wurde mit großer Show verabschiedet, ohne dass wir bislang eine Riesenbanane auf dem Phoenixhochofen bewundern konnten.

Symbol für gute Kunst

Grund dafür ist die schwierige Finanzierung des bislang größten Projektes des Kölner Künstlers. Weder die Stadt Dortmund noch die Ruhr.2010 hatten Mittel für die Installation in Aussicht gestellt und so wollte Baumgärtel die Banane allein mithilfe von Spendern auf den ehemaligen Hochofen hieven. Rund 200.000€ konnte er dafür tatsächlich an Unterstützung einwerben. Weitere 100.000€ fehlen jedoch noch immer, um das Vorhaben zu realisieren.
Aber warum will Thomas Baumgärtel überhaupt eine riesige Banane aus Stahl auf einem stillgelegten Hochofen irgendwo in Dortmund installieren?
Die Banane ist das Markenzeichen des Künstlers. Seit er als Jugendlicher in einem katholischen Krankenhaus eine Banane an ein Kreuz heftete begleitet ihn die Frucht in seinen Werken. Mit ihr gelang ihm der Durchbruch und mittlerweile ist sie zu einem Merkmal für gute Kunst herangewachsen. Auf zahllose Museen weltweit hat er sie schon aufgesprüht, ein Symbol dafür, dass am markierten Ort gute Kunst zu finden sei. „Diese Banane“, sagt er, „erkennt man inzwischen auf dem ganzen Planeten als ein Zeichen für gute Kunst.“

Baumgärtel: Ein Geschenk für die Region

Der Künstler Thomas Baumgärtel hat die Banane zu seinem Markenzeichen gemacht. Foto: Thies Kiesewetter

Der Künstler Thomas Baumgärtel hat die Banane zu seinem Markenzeichen gemacht. Foto: Baumgärtel

Diese Auszeichnung möchte Baumgärtel nun auch dem ganzen Ruhrgebiet verleihen, für seinen beispielhaften Wandel vom Kohlenpott zur Kulturhauptstadt. Die Banane in ihrer Bedeutung für die Kunst und der Hochofen als Versinnbildlichung des Ruhrgebiets würden zum „Symbol für den kulturellen Wandel eines herausragenden Industriedenkmals zu einem neuen Kulturort“, wie es im Konzeptentwurf heißt. Stellvertretend für die ganze Region hätte die Industrieruine Phoenix-West für das Projekt daher hohen Symbolwert. „Die Banane ergäbe eine tolle Verbindung mit dem Hochofen“, so Baumgärtel. Die Installation sei ein Geschenk, „weil sich die Region kulturell so toll entwickelt hat.“

Es dürfte tatsächlich recht interessant aussehen, wenn eine Banane aus 3,5 Tonnen Stahl den Phoenixhochofen schmücken würde. Ob das Kunstwerk seinen Symbolwert jedoch an diesem Ort entfalten kann, an dem es außer den Hörder Anwohnern wohl kaum jemand sehen würde, ist fraglich. Außerdem will die Stadt die Aktion nur für ein halbes Jahr genehmigen. Danach müsste die 300.000€ teure Banane wieder abgebaut werden.

Vielleicht deshalb wurde Baumgärtels Geschenk nicht überall so euphorisch begrüßt, wie man es vielleicht hätte erwarten können. Einige Hörder Bürger, darunter auch zahlreiche lokale Künstler forderten öffentlich von der Stadt die Absetzung des Projektes. Einige sahen in der Banane eine Abwertung ihres Industriedenkmals, andere befürchteten vermutlich doch die Verschwendung öffentlicher Gelder. Baumgärtel hatte die Kritiker in sein Atelier eingeladen, wollte einen Vortrag in Hörde halten, um Zweifel und Irrtümer auszuräumen. Natürlich müsse „Aufklärungsarbeit“ geleistet werden. Doch die Gegner gingen nicht auf seine Angebote ein.

Banane bereits in den Köpfen

Auch solche Reaktionen seien aber normal, sagt Baumgärtel, schließlich habe es zum Beispiel bei der Reichstagsverhüllung in Berlin damals auch Proteste gegeben. Hinterher hätten jedoch alle gejubelt. Für den Künstler sind die Reaktionen, unter denen natürlich auch viele positive waren, aber auch ein Zeichen dafür, „dass die Kunst schon wirkt. Das Kunstwerk ist ja schon in den Köpfen der Leute. Es müsste gar nicht mehr da hoch, es findet schon statt.“

Negative Reaktionen können das Vorhaben aber auch gefährden. So will Baumgärtel erfahren haben, dass nachdem gerade die Hörder Künstler öffentlich ihren Unmut geäußert hatten, ein namhafter Sponsor wieder absprang, da negative Publicity gefürchtet wurde. Dieser wollte eigentlich den Stahl für das Kunstwerk stiften. Baumgärtel ärgert das sehr. Es sei doch ein „Riesenskandal“, wenn sich Künstler gegenseitig nur aus Neid in die Pfanne hauten.

Noch ist der Hochofen im stillgelegten Phoenixwerk obstfrei. Foto: Thies Kiesewetter

Noch ist der Hochofen im stillgelegten Phoenixwerk obstfrei. Foto: Thies Kiesewetter

Ausgang bleibt ungewiss

So fehlen Baumgärtel bislang immer noch Sponsoren, die eine Banane auf dem Hochofen fördern wollen. Etwas enttäuscht wirkt er, dass er das Projekt bislang nicht realisieren konnte, vor allem nicht mehr im Kulturhauptstadtjahr. Man kann die Enttäuschung des charismatischen Blondschopfes durchaus mitfühlen. Zwei Jahre lang hat er Geld und Arbeit investiert und beinahe hätte es auch geklappt. Aufgeben will der Künstler seinen Plan deshalb aber noch lange nicht. Zwar könne er nun nicht mehr soviel Zeit investieren, schließlich müsse er zwischendurch auch Geld verdienen. Doch er will weiter versuchen, die Banane auf den Hochofen zu bringen. Vielleicht nicht in diesem Jahr, „vielleicht auch erst in 10 Jahren“. Vielleicht bekommt auch eine andere Kommune die Banane, denn zuletzt war die Stadt Dortmund Baumgärtel gegenüber weniger kooperativ. Und vielleicht komme ja doch noch ein Sponsor, jetzt wo die Wirtschaft langsam wieder im Aufschwung sei, so hofft er.

Die Baugenehmigung für das Projekt wird jedenfalls noch einmal um ein halbes Jahr verlängert und vielleicht wird es ja doch noch etwas mit Thomas Baumgärtels Installation. Fest steht, es ist eine schöne Idee und eine solche Auszeichnung würde der Region als Kulturmetropole sicher nicht schaden. Es wäre aber auch nicht schlimm, wenn es nichts mehr würde, mit der Banane auf dem Hochofen.

Ein Beitrag von Thies Kiesewetter.