So fair sind faire Klamotten

Gerade bei  Klamotten ist schwer erkennbar, unter welchen Bedingungen sie produziert wurden: Die Verkäufer im Laden haben meist keine Ahnung, es gibt kein Label oder keine Institution, die das fertige Kleidungsstück zertifiziert. Will der Verbraucher guten Gewissens shoppen, kann er sich aber auf verschiedene  Qualitätszeichen verlassen, beispielsweise das Fairtrade-Siegel oder die Fair Wear Foundation.

Bis das T-Shirt fertig im Laden hängt, braucht es viele Arbeitsschritte: Die Baumwolle muss erst angebaut und verarbeitet, das Produkt in verschiedenen Fabriken genäht werden. Die lange Produktionskette lässt viel Spielraum für die verschiedenen
Ausbeutungsprozesse: Beispielsweise für Zwangs- und Kinderarbeit oder  unzureichende Gesundheits- und Sicherheitsstandards.

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Teaserfoto: Jorgbrinckheger / pixelio.de, Foto: Dieter Schulz / pixelio.de

Das macht ein verlässliches und einheitliches Zertifikat für das fertige Kleidungsstück schwierig, welches der  verantwortungsbewusste Verbraucher doch dringend bräuchte. Denn ob das T-Shirt fair hergestellt wurde, steht nicht auf dem Preis- oder Herkunftsschild. Auch bei den anerkannten Qualitätszeichen muss der Konsument genauer hinschauen, was genau sie überhaupt garantieren.

Denn „fair“ ist kein rechtlich geschützter Begriff. Er bleibt der Interpretation der Unternehmen offen. Auch „bio“ oder Ähnliches greift bei Kleidung zu kurz, beschränkt sich der rechtliche Schutz in der Europäischen Union doch auf landwirtschaftliche Rohprodukte und nicht das fertige Shirt.

„Fair“ ist auch nicht gleich „bio“. Das Wort hat eine soziale und eine ökologische Bedeutung; die meisten Zertifikate garantieren das eine oder andere,  andere wie das Siegel des Global Organic Textile Standard beides. Dabei hängen die sozialen und ökologischen Dimensionen doch eng zusammen: Viele Pestizide beispielsweise schaden der Gesundheit der Arbeiter langfristig ebenso wie der Umwelt. Verlassen kann sich der Verbraucher beispielsweise auf das Fairtrade-Zeichen, die Fair Wear Foundation (FWF) und das Siegel des Global Organic Textile Standard (GOTS).

Ohne Gewissensbisse shoppen: Die Siegel

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Foto: Joujou / pixelio.de

Das Fairtrade-Siegel kennen die meisten wohl vom Kaffee oder Tee. Es garantiert, dass bestimmte Sozialstandards eingehalten, dass weder Kinder noch Erwachsene für das Produkt ausgebeutet wurden. In der Textilbranche zeichnet die Organisation Kleidung aus fair gehandelter Baumwolle aus. Dabei müssen die Unternehmen auch darauf achten, dass die Spinnereien und Nähereien die Mindeststandards der internationalen Arbeitsorganisation ILO erfüllen. Doch in der Regel wird nur die Baumwolle durch die Kontrollinstanz FLO-CERT zertifiziert –  und damit nur die erste Stufe der Produktionskette. Ein Fairtrade-Siegel für das fertige Kleidungsstück gibt es nicht.

Die Fair Wear Foundation (FWF) dagegen setzt nicht beim Baumwollbauern an, sondern konzentriert sich auf die weiteren Stationen der Produktions- und Lieferkette und ergänzt so das Fairtrade-Siegel. Die Mitgliedsunternehmen setzen sich freiwillig für eine faire Produktion ein und lassen das auch unabhängig vom FWF prüfen. Die Normen für die Produktion orientieren sich an verschiedenen ILO-Standards und dem Kodex der Clean Clothes Campaign. Er ist einer der strengsten in der Textilindustrie.

Auch der Global Organic Textile Standard (GOTS) setzt bei der Weiterverarbeitung an. Im Gegensatz zu Fairtrade und FWF überprüft er aber nicht nur soziale Mindeststandards, sondern auch ökologische. Dabei ist beispielsweise genau geregelt, welche Chemikalien verwendet werden dürfen und wie hoch der Anteil an Biofasern sein muss –  nämlich mindestens 70 Prozent.

Foto: Aka / pixelio.de

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Von den weltweit etwa 400.000 Betrieben in der Textilindustrie lassen nur vergleichsweise wenige Firmen ihre Produktionsbedingungen kontrollieren. Doch auch Unternehmen mit Verhaltenskodex halten die Mindeststandards, beispielsweise der ILO, nicht immer ein.

Auch, wenn die Unternehmen darauf achten, fair zu produzieren, erschwert die lange Handelskette eine umfassende  Kontrolle enorm – und macht es unmöglich, die Einhaltung der Standards in allen Produktionsstufen endgültig zu garantieren. Das Shirt haben vielleicht trotzdem Kinder genäht. Doch die anerkannten Siegel und Qualitätszeichen bieten eine gute Orientierung für den Verbraucher und garantieren Bemühungen und zumindest teilweise Kontrolle.

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