Donnerstagmorgen, Audimax: Lorraine Brathwaite betritt den größten Hörsaal der Uni und sucht sich einen Platz weit hinten an der Treppe. Während die 20-Jährige ihre Unterlagen auf dem kleinen Tisch verteilt, trudeln aus allen Ecken lachende und quatschende Studentengrüppchen in die Vorlesung. Sie begrüßen sich, winken ihren Kommilitonen in den vorderen Reihen zu. Lorraine jedoch kennt die wenigsten. Denn sie studiert mit zwei Wochen Verspätung erst seit einigen Tagen an der Uni Dortmund.
Schon drei Wochen in einer Förderschule gearbeitet
“Ich hatte schon drei Wochen in meinem Freiwilligen Sozialen Jahr an einer Förderschule gearbeitet, als ich plötzlich Post von der Uni Dortmund mit dem Studienplatzbescheid im Briefkasten fand”, erzählt die 20-Jährige. Kurzerhand schickte sie ihre Einschreibungsunterlagen zur Uni und begann schon ein paar Tage später das Studium in ihrem Wunschfach “Bachelor fachwissenschaftliches Profil mit sonderpädagogischem Schwerpunkt”. Nicht ganz einfach für Lorraine: Zwar hat sie in den meisten Vorlesungen noch einen Platz bekommen, “in einer Veranstaltung war jedoch schon alles voll. Die muss ich jetzt im nächsten Semester nachholen”, erzählt sie und fügt hinzu: “Ohne meine Freunde, die hier schon länger studieren, hätte ich durch LSF und Co. überhaupt nicht durchgeblickt.”
Dass in den ersten Wochen nach Vorlesungsbeginn noch einige Studenten nachrücken, ist den Verantwortlichen an der Uni Dortmund schon aus den vergangenen Jahren bekannt. “Bei uns ist das ein laufender Prozess: Während unsere Mitarbeiter Zulassungsbescheide verschicken, kümmern sie sich gleichzeitig um die Studienplatzabsagen”, sagt der Dezernent des Dortmunder Studierendenservices, Abraham van Veen. Seit der letzten Woche ist das Nachrückverfahren an der Uni Dortmund abgeschlossen. An der Ruhr-Uni Bochum wurde in der vergangenen Woche eine weitere Nachrückrunde durchgeführt. “In den wenigen Fächern, die jetzt noch dabei sind, bekommen wir aber so gut wie keine Rückmeldungen mehr von den Bewerbern”, sagt Rita Pape, die für die Zulassungen an der Ruhr-Uni Bochum zuständig ist. Eine genaue Statistik über die Zahl der Nachrücker, die erst nach Vorlesungsbeginn eine Zusage bekommen, werde an der RUB nicht geführt. An der Uni Duisburg-Essen gab es in der vorletzten Woche ein zweites Losverfahren, bei dem noch Einzelplätze zu vergeben waren.
Lang andauerndes Hin und Her
Dieses lang andauernde Hin und Her ist auf die Mehrfachbewerbungen der potentiellen Studienanfänger zurückzuführen: Zwar ist laut Angaben des Innovationsministeriums die Zahl der zulassungsbeschränkten Studienfächer an den NRW-Hochschulen rückläufig, dennoch liegt ihr Anteil aktuell bei rund 31 Prozent.
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Wer also einen Studienplatz sicher haben möchte, bewirbt sich im Sommer vorsichtshalber für verschiedene Fächer und an mehreren Universitäten. Oft ergibt sich dann dieses Szenario: Im Hauptverfahren im August erhält der Student nur eine Zusage vom Alternativfach. Er nimmt den Platz an – besser ein ungeliebter Studienplatz als gar keiner. Bekommt er dann jedoch ein paar Wochen später im Nachrückverfahren die Zusage von seinem Wunschfach, lässt er sich in dem einen Studiengang exmatrikulieren und schreibt sich im anderen neu ein. Der frei gewordene Platz geht wiederum an andere Bewerber. Eine Kettenreaktion, die sich Nachrückrunde um Nachrückrunde fortsetzt. Manchmal bis Wochen nach Vorlesungsbeginn – wie bei Lorraine.
Sie lauscht im Hörsaal den Worten ihres Professors, der eine Einführung in die Psychologie gibt. Während er redet, schrickt Lorraine plötzlich zusammen und notiert sich hastig etwas in ihre Unterlagen. Hat der Professor wirklich gerade von einer Klausur gesprochen? “Eigentlich dachte ich, dass es hier am Ende keine Prüfung gibt”, sagt Lorraine.
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