Kettcar begeistern mit Streicherquartett

Am Samstag hat die Hamburger Band Kettcar das ausverkaufte Konzerthaus Dortmund gerockt. Und dabei musste Frontmann Marcus Wiebusch bei der Zugabe von der Zugabe etwas tun, das ihm nach eigenen Angaben zuletzt in den 80ern als Schulband passiert ist: Er musste Songs doppelt spielen. Vom Publikum bekam er dafür Standing-Ovations und tosenden Applaus.

Kettcar auf der Bühne des Konzerthaus

Kettcar am 17.11. auf der Bühne des Konzerthaus Dortmund / Foto: Sarah Heuser

Wippende Köpfe und Füße, nach jedem Song begeisterte Pfiffe und anhaltender Applaus – so ging’s zu beim Kettcar-Konzert im Dortmunder Konzerthaus. „Ich weiß schon nach dem ersten Song, warum wir unbedingt hier in Dortmund im Konzerthaus spielen wollten“, ruft Marcus Wiebusch dem Publikum durch’s Mikro entgegen. Das ausverkaufte Haus antwortet mit begeistertem Applaus.

Punk trifft Elektro und wird Pop

Kettcar, das sind fünf Hamburger Musiker um die vierzig, die deutschsprachigen Indie-Pop/Indie-Rock machen. Zusammengetan haben sich die Fünf 2001, nachdem sie entschieden hatten, sich jetzt der Popmusik zuzuwenden. Ihre Wurzeln haben Kettcar nämlich eher in der politischen Punkmusik. Vor der Bandgründung waren Frontmann Marcus Wiebusch und Drummer Frank Tirado-Rosales Teil der Punkrockband But Alive, die in ihren Texten noch wesentlich politischer war, als Kettcar es sind. Lars Wiebusch und Reimer Bustorff spielten bei Rantanplan, einer Ska-Punk-Band. „Das Beste vom Punk, ein bisschen Elektronik, verpackt als Pop und benannt nach deinem liebsten Spielzeug“ – so heißt es im Konzert-Flyer über die Band, die am Samstag das Dortmunder Publikum begeisterte.

Das Besondere an dem Konzert: Kettcar traten in eleganter Atmosphäre zusammen mit einem Streicherquartett der Neuen Philharmonie Frankfurt auf. Das ist sonst nicht unbedingt Kettcars Art. „Ich kenne Kettcar nur im typischen Indie-Rock-Stil in kleinen, stickigen Clubs“, erzählt Laura Borgs, Gewinnerin unserer pflichtlektüre-Kartenverlosung für das Konzert. „Die Band hat sich heute vollkommen anders präsentiert als sonst – aber das war echt eine tolle Ausnahme!“

Neues Projekt: Kettcar - live auf Kampnagel

Der neue Stil: Kettcar - live auf Kampnagel 5:43 A.M.

Das Konzerthaus als Auftritts-Ort, die besondere Kleidung und die extravagante Atmosphäre waren natürlich ganz bewusst gewählt. Die Idee zur „Live auf Kampnagel – 5:43 a.m.“-Tour sei letztes Jahr im Sommer entstanden, erzählt Kettcar-Manager Rainer Ott: „Wir haben beim Kampnagel-Sommerfestival ein Sonnenaufgangskonzert gespielt und wollten dazu etwas ganz Spezielles machen. Die Streicher waren einfach eine tolle Ergänzung.“

Laura hat das etwas andersartige Konzert sehr gut gefallen: „Die Atmosphäre, das Licht – alles hat gepasst. Und dann die Streicher und die abrupten Song-Enden… Das war einfach ein Wahnsinns-Gänsehaut-Feeling!“ Auch unser zweiter Kartengewinner, Fabian Feldhoff, zeigte sich nach dem Konzert begeistert: „Die Umsetzung war einfach klasse! Die Stücke waren genau auf die Streicher abgestimmt und das Konzerthaus war perfekt: Nicht zu groß, nicht zu klein und mit der richtigen Atmosphäre. Da haben sich die Stücke nicht im Publikum verloren, sondern es war eine Verbindung zwischen Band und Publikum da.“

„…keine Lady-Gaga-Alternativ-Mucke“

Normalerweise gehen die beiden Studenten nicht unbedingt ins Konzerthaus, aber dieser Abend hat ihnen gut gefallen. Das Kettcar-Konzert gehört zur Konzertreihe „Pop-Abo“, die jetzt bereits in der vierten Spielzeit läuft. Fünf Konzerte pro Jahr für ein junges Publikum – das ist die Idee vom „Pop-Abo“ im Konzerthauses Dortmund. „Manchmal ist es schwierig, solche Bands, die sonst eher in kleinen Clubs vor jungem Publikum spielen, davon zu überzeugen, dass es auch im Konzerthaus toll ist“, sagt Katharina Kierig, Pressesprecherin des Konzerthauses. „Die meisten Bands bereiten sich intensiv darauf vor, weil sie kein eingespieltes Akustikset haben und das einfach nicht gewöhnt sind. Danach sind die Meisten dann aber von den Möglichkeiten hier begeistert“, ergänzt sie.

Der Großteil des Kettcar-Publikums war zwischen 20 und 40 Jahren alt. „Kettcar machen halt keine Lady-Gaga-Alternativ-Mucke und das ist auch gut so. Man muss die Art der Texte mögen – unabhängig vom Alter“, findet Konzertbesucher Alexander Zschiedrich. Welcher Art die Texte sind? „Aus dem Leben gegriffen“, sagt Laura. „Tiefgehend. Es geht um Momente aus ihrem Leben, um Dinge, über die man mal nachdenken kann“, meint Fabian. „Zum Teil sehr politisch“, findet BWL-Studentin Sophia Brennecke. Eine Tendenz, die laut Manager Rainer Ott mit dem letzten Album sehr viel stärker geworden ist. „Von der zweiten zur dritten Platte ist eine deutliche Änderung zu erkennen. Die Band geht im dritten Album wohl wieder eher zu ihren politischen Wurzeln zurück.“

Am Samstag hat die Band passend zu Kronleuchterlicht und Streicherquartett eher nachdenklich-melancholische als politische Songs gespielt. Das Dortmunder Publikum war davon begeistert und brachte das mit Standing Ovations, anhaltendem Applaus und guter Stimmung zum Ausdruck.

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