Dual – aber bitte ohne Qual

Im Rahmen der bundesweiten Infotour „Berufliche Bildung – praktisch unschlagbar“ wollen die Bundesministerien für Bildung und Forschung sowie für Wirtschaft und Technik mehr Klarheit in den Aus- und Weiterbildungsdschungel bringen. In Zusammenarbeit mit der Tageszeitung „Ruhr Nachrichten“ informierten an diesem Montag Experten in einer Telefonaktion rund um die Themen Ausbildung und Studium. Unter ihnen: Dirk Vohwinkel, Leiter der Ausbildungsberatung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Dortmund und Spezialist in Sachen duales Studium.

Pflichtlektüre: Wen hatten Sie bei der Telefonaktion am Hörer?

Vohwinkel: Es haben Schulabgänger angerufen, die noch einen freien Ausbildungsplatz suchen. Dann gab es Anfragen von Studenten zu Praktikumsstellen, die wissen wollten, wie man an gute Stellen kommen kann. Und es gab Fragen zum dualen Studium von Abiturienten, die gerne die Ausbildung mit dem Studium verbinden wollen.

P: Wie lautet denn die häufigste Frage zum dualen Studium?

V: Die häufigste Frage ist, was man zuerst haben muss, den Ausbildungsplatz oder den Studienplatz. Meine Erfahrung zeigt, dass man eigentlich den Ausbildungsplatz zuerst haben sollte, weil das meistens die Grundvoraussetzung ist, um sich dann für einen Studienplatz einzuschreiben.

P: Was bedeutet duales Studium eigentlich genau?

V: Unter den Begriff fallen im Grunde drei verschiedene Ausbildungswege:

Dirk Vohwinkel von der IHK berät in Sachen duales Studium und Ausbildung. Bild: Mira Fricke

Dirk Vohwinkel von der IHK berät in Sachen duales Studium und Ausbildung. Bild: Mira Fricke

1.  Das duale Studium, bei dem sich einfach Studien- und Praxisphasen in einem Betrieb abwechseln, es aber keinen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb gibt. Das ist also ein reines Studium, das sich einfach nur dual nennt, weil auch der Betrieb als Lernort mit integriert ist.

2. Es gibt das berufsbegleitende Studium, bei dem ganz regulär eine Ausbildung in einem Betrieb absolviert wird – mit Besuchen in der Berufsschule und begleitend. Zusätzlich abends und an Wochenenden studiert der Auszubildende.

3. Dann gibt es das ausbildungsintegrierte Studium, bei dem von vornherein die Ausbildungs- und Studieninhalte aufeinander abgestimmt sind, damit sich die Lerninhalte nicht doppeln. Das ist eine reguläre Ausbildung, die mit einem Studium verzahnt ist.

P: Und wann sollte ich mich dafür bewerben?

V: Am Besten gut ein Jahr vorher. Die Plätze sind sehr beliebt und das Angebot ist immer kleiner als die Nachfrage. Es wurden zwar im Rahmen eines Projekts die dualen Studienplätze noch ausgeweitet, auch hier an der FH in Dortmund, sodass es jetzt vier Studiengänge in verschiedenen Bereichen gibt, trotzdem reicht das Angebot noch nicht für alle Bewerber.

P: Muss man für ein duales Studium ein bestimmter Typ sein?

V: Ich kann nur sagen, dass derjenige, der ein duales Studium aufnimmt, wirklich sehr zielstrebig sein sollte, weil er in kürzester Zeit zwei Dinge absolvieren muss. Das ist sicher auch mal mit ein bisschen Blut, Schweiß und Tränen verbunden. Ein duales Studium ist anstrengend aber die Absolventen zeigen damit eine hohe Leistungsbereitschaft und werden dementsprechend anschließend sehr gerne von Unternehmen eingestellt.

P: Gibt es Bereiche in denen sich ein duales Studium besonders lohnt?

V: Eigentlich gibt es keine Einschränkungen, solange es zu einem Ausbildungsberuf auch einen passenden Studiengang gibt. Beliebt ist der kaufmännische Bereich aber auch in den gewerblich-technischen Bereichen wie Elektrotechnik gibt es duale Angebote.

P: Und wie sieht es mit einem dualen Master aus?

V: Einen dualen Master im Sinne von Ausbildung und Master-Studium gibt es nicht. Gut möglich ist aber eine berufsbegleitende duale Weiterbildung. Das wird auch von Unternehmen vielfach angeboten. Wenn jemand zum Beispiel schon seinen Bachelor dual erworben hat und anschließend in diesem Unternehmen weiter angestellt ist, kann er sich mit einem berufsbegleitenden Master noch weiter spezialisieren.

P: Können Sie einen Tipp geben, in welchem Fall man nach dem Bachelor noch den Master machen sollte?

V: Das ist sehr individuell und kann pauschal nicht genau festgelegt werden. Manche Unternehmen fordern für bestimmte Positionen mindestens einen Master, bei anderen kann man auch gut mit einem Bachelor Karriere machen. Ich habe gelesen, Steve Jobs habe auch nicht zu Ende studiert. Trotzdem ist er ein großer Firmenlenker geworden.

P: Das stimmt, aber darauf sollte man sich lieber nicht verlassen. Wo kann ich mich denn über verschiedene Angebote informieren?

V: Entweder bei der Agentur für Arbeit oder auch bei der IHK. Auf der Lehrstellenbörse der IHK im Internet findet man aktuelle freie Ausbildungsplätze noch für 2012 und auch Informationen zu Betrieben, die duale Plätze anbieten. Wer schon genau weiß, dass er in einem bestimmten Bereich ein duales Studium machen möchte, kann auch zu einer persönlichen Beratung in die IHK kommen. Da werfen wir gerne auch einen Blick auf Bewerbungsunterlagen und helfen somit beim Bewerbungsverfahren weiter.

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