Kein WM-Titel für Deutschland

Wer seit Monaten auf die WM hinfiebert, wird bitter enttäuscht sein: Denn Deutschland wird nicht Weltmeister. Das behaupten jedenfalls drei Studenten der TU Dortmund – sie wissen jetzt schon, wer den Titel holt.

Riesige Freude über den Erfolg der Deutschen Nationalmannschaft hat während der Weltmeisterschaft 2006 die Menschen des Landes vereint. Ob es die deutsche Elf auch in diesem Jahr wieder bis ins Halbfinale schafft, darüber wird in den Fußballkneipen Deutschlands schon seit Monaten diskutiert. Doch auf die Meinung der biertrinkenden Fußballexperten wollten sich drei Studenten der Wirtschaftsinformatik nicht verlassen. Anstatt vage Prognosen aufzustellen, die auf eigenen Fußballkenntnissen basieren, wollten Erik Frank, Jan Stickhinger und Philip Budeus die Wahrheit wissen. Lässt sich der Ausgang der Fußball-WM berechnen? Ja – sagen die Drei nach einem halben Jahr Arbeit.

Fußball als Wirtschaftsfaktor

Jan, Erik und Philip wissen jetzt schon, wie die WM ausgeht / Foto: C.Hahn

Jan, Erik und Philip wissen jetzt schon, wie die WM ausgeht / Foto: C.Hahn

„Fußball ist ein milliardenschweres Geschäft. Vereine nehmen hohe Schulden wegen Spielertransfers in Kauf. Ein regionales Beispiel ist Borussia Dortmund“, sagt Philip Budeus. Viele Arbeitsplätze hängen im Profi-Fußball vom Erfolg einer Mannschaft ab.

Um Schulden und Risiko zu minimieren, wäre es daher vorteilhaft, bereits vor der Saison zu wissen, wie die Mannschaft mit, aber auch ohne die teure Neuverpflichtung abschneiden wird. Erik, Jan und Philip haben sich des Themas angenommen. Es galt herauszufinden, inwiefern sich ein Saisonverlauf wissenschaftlich vorhersagen lässt.

Weil die WM momentan das Fußballthema Nr.1 ist, haben die Studenten der TU Dortmund ihre Berechnungen auf das Weltereignis ausgelegt und eine Prognose für die nächsten Wochen aufgestellt.

Das Finale: Italien gegen …

Das Resultat: Deutschland wird mit nur 18 Prozent Wahrscheinlichkeit Weltmeister oder Zweiter. Das ist nicht gerade viel. Wahrscheinlicher ist ein Déjà-vu: Deutschland wird Dritter, Italien spielt gegen Frankreich im Finale.

Um zu diesem  Ergebnis zu gelangen, haben Jan , Philip und Erik, der gerade promoviert, ein System aus neuronalen Netzen entwickelt. Neuronale Netze sind ein Bestandteil der künstlichen Intelligenz: Sie berücksichtigen zusammenhängende Daten besser als die gewöhnliche Statistik. Das neuronale Netz lernt, Zusammenhänge zwischen verschiedenen Eingabedaten zu verstehen und zu berücksichtigen.

So nehmen unter anderem der FIFA-Rang, die Spielstärke der Mannschaft und der Austragungsort Einfluss auf das Endergebnis. Welches Verhältnis zwischen den einzelnen Faktoren besteht, weiß dabei nur das neuronale Netzwerk. Es verändert die Ausgabedaten, also die Prognose, zum Beispiel auch nach der Kader-Homogenität: Dieses Jahr besteht die Deutsche Nationalmannschaft zu einem großen Teil aus Spielern des FC Bayern München. Da sich die Bayern dementsprechend kennen und eine Gruppendynamik haben, wertet das neuronale Netz den Faktor „Block-Bildung“ als positiv. Die Mannschaft ist aufeinander eingespielt und wird das auch auf dem Feld zeigen – so die Theorie.

Prof. Dr. Richard Lackes ist von der Prognose überzeugt

Prof. Dr. Richard Lackes ist von der Prognose überzeugt / Foto: C.Hahn

Einfach gesagt heißt das: Das Ergebnis jedes einzelnen Spiels wird durch viele Faktoren bestimmt. Geht die eine Mannschaft mit einem Sieg aus der Begegnung hervor, so wertet das neuronale Netz die Faktoren als positiv. Es findet ein Lernprozess statt: Das System versteht, bei welchen Bedingungen eine Mannschaft einen Sieg, eine Niederlage oder ein Unentschieden erzielt. Darauf baut es seine Prognose auf. Jeder noch so kleine Faktor hat Einfluss auf das Resultat. „Das sind Zusammenhänge, die selbst Experten nicht bekannt sind“, sagen Jan, Erik und Philip.

Neuronales Netz lässt Fangefühle außer Acht

Die beiden Studenten und der Promotionsstudent haben bei ihrer Recherche über 1.200 Spielpaarungen ausgewertet: Daten aus diversen Meisterschaften seit 1994 wurden akribisch in das neuronale Netz eingespeist, um festzustellen: Dieses Jahr wird das nichts mit dem Titel. Der große Vorteil ihrer Herangehensweise an die Forschung um die Weltmeisterschaft sei die Objektivität des neuronalen Netzes, sagen die drei. „Das Vorgehen ist emotionslos, da bleibt jeglicher Fan-Touch außen vor“, so Erik Frank. Schließlich lernt das System aus den Fakten der Vergangenheit und lässt sich nicht beeinflussen.

Wer wird denn nun Weltmeister?

Wer wird Weltmeister?

Wer wird Weltmeister? / Grafik: C.Hahn

„Frankreich wird die WM für sich entscheiden. Mit 36 Prozent liegt die Mannschaft nach unseren Berechnungen auf Platz eins“, sagt Erik. Mit 48-prozentiger Wahrscheinlichkeit trifft die Prognose der drei TU-Studenten zu. Die Drei sind von ihrer Arbeit überzeugt. Auch wenn Deutschland vielleicht nicht den Titel holt, freuen sie sich auf die WM: „Für uns wird die WM noch spannender. Wir werden sehen, ob wir Recht behalten.“

Betreut wurde das Projekt von Prof. Dr. Richard Lackes, der ebenfalls zum fußballbegeisterten Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik gehört. „Wir schließen im kleinen Kreis natürlich auch Wetten ab. Und ich setze auf jeden Fall auf unsere Prognose“, sagt Lackes.

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