Duell am Donnerstag: Wer soll Polizeieinsätze bei Fußballspielen bezahlen?

Bald geht die Bundesliga-Saison 2016/2017 zu Ende. Mehr als 40.000 Zuschauer strömten bisher pro Spiel durchschnittlich in ein Stadion, unter ihnen auch immer wieder Gewalttäter. Große Polizeiaufgebote sind im Fußball Alltag, hohe Kosten dafür ebenfalls. Doch wer soll die Einsätze bezahlen?

„Die Vereine sollten sich an den Kosten beteiligen“,

findet Michelle Goddemeier.

Allein für die Saison 2015/2016 entfielen laut der „Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze“ (ZIS) der Polizei  2.089.601 Einsatzstunden alleine auf die Spiele der ersten bis dritten Liga. Das entspricht ganzen 1.600 Polizeibeamten, die sich ausschließlich um Fußballspiele kümmern. In Nordrhein-Westfalen sollen sogar ein Drittel aller Arbeitsstunden der Bereitschaftspolizei auf den Fußball fallen. Grund dafür sind die Spiele der zahlreichen Profivereine in NRW. Bezahlt werden diese Einsätze aus den Steuereinnahmen des Landes.

Die Liga kann es sich leisten

Ausschreitungen und Krawalle sind die unschönen Seiten des Fußballs. Natürlich möchte der „normale“ Fußballfan damit nichts zu tun haben. Dennoch sind diese Probleme nicht von der Hand zu weisen. Würden die vielen Fußballspiele nicht stattfinden, wäre es auch nicht nötig, Hundertschaften von Polizisten zu beauftragen – und zu bezahlen. Sie müssen Straßen sperren, Gästefans eskortieren und teilweise ganze Stadtteile abriegeln. Da ist es doch nur logisch, dass die Vereine als Veranstalter der Spiele für diese Kosten aufkommen.  

Es ist unfair, dass Fußballspiele von Steuerzahlern finanziert werden, die zum Großteil gar nicht zu den Spielen gehen. Die Vereine hingegen bekommen laut Tagesschau alleine 628 Millionen Euro für die Inlands-Übertragungsrechte und geben 37 Millionen Euro für einen einzigen Spieler aus. In der Saison 2017/2018 sollen die Einnahmen für Medienrechte sogar auf 4,6 Milliarden Euro ansteigen. Es ist nicht vertretbar, dass die Vereine bei solchen Beträgen sich nicht in der Lage fühlen, die Kosten für Polizeieinsätze zumindest teilweise zu übernehmen. Stattdessen muss die Staatskasse dafür aufkommen, deren Geld besser für andere „Baustellen“ ausgegeben werden könnte. Das Eingesparte könnte in eine bessere Polizeiausbildung oder in die Aufstockung von Personal fließen, sodass die Sicherheit in anderen gesellschaftlichen Bereichen verbessert würde. 

„Problemfans“ verfolgen und bestrafen

Das Verursacherprinzip ist ein gängiges Element des deutschen Rechtsstaats. In der Umweltpolitik müssen beispielsweise diejenigen die Kosten tragen, die eine Umweltverschmutzung herbeiführen. Dieses Prinzip sollte endlich im Fußball ankommen. Wenn die Vereine sich an den Zahlungen für Polizeieinsätze beteiligen müssten, würden sie die Kosten ernst nehmen. Das könnte dazu führen, dass sie „Problemfans“ künftig stärker bestrafen oder verfolgen würden und so eine höhere Sicherheit gewährleistet wäre. Dadurch wären auch weniger Polizeieinsätze gefordert. Eine Win-Win-Situation für fast alle Parteien.

Die Fußball-Lobby argumentiert, dass es schwierig sei, die Kosten zu ermitteln. Berechnen ließe sich das allerdings ohne Probleme: Denn in Deutschland stellt die eine Landesregierung der anderen regelmäßig die Kosten für ausgeliehene Polizisten bei Großeinsätzen in Rechnung. So schwer kann es beim Fußball also auch nicht sein. 

Andere Länder sind bereits erfolgreich

Dass das System der Kostenübernahme durch Vereine funktioniert, machen andere Länder vor. In der Schweiz, in England und in Frankreich existiert dieses Finanzierungsmodell bereits erfolgreich. Die Vereine können sich die Kosten für Polizeieinsätze leisten. Und wenn das nicht der Fall ist, gibt es zusätzlich eine Einigungsmöglichkeit der einzelnen Clubs mit dem Staat. So wird es beispielsweise in Frankreich mit finanzschwachen Vereinen gehandhabt.

Die Vereine sind die Veranstalter der Fußballspiele und sie haben deshalb die Pflicht, für Sicherheit zu sorgen. Die Fans sind ihre Kunden, die geschützt werden müssen – im Stadion und außerhalb des Stadions. Dafür sollten die Vereine aufkommen, nicht wir Bürger!

„Sicherheit geht immer auf Kosten des Staates“,

findet Thorben Lippert.

Stellt euch vor, ihr schmeißt eine Party. Und zwar eine richtig dicke Party. In der örtlichen Stadthalle, für alle Bewohner eurer Stadt. Und die Party wird richtig gut, es kommen eine Menge Leute. Ein Bruchteil dieser Leute macht aber schon auf dem Weg zur Party Ärger, prügelt und randaliert. Auch in der Stadthalle gibt es ein paar Auseinandersetzungen. Der Sicherheitsdienst ist etwas überfordert, also ruft ihr natürlich die Polizei. Die sorgt aber ziemlich schnell für Ordnung, die Party ist am Ende ein Gewinn für alle Besucher und auch die Stadt profitiert von eurer guten Veranstaltung. Klingt doch super, oder?

Gewalt und die Frage nach dem Geld

Jetzt stellt euch aber auch vor, dass ihr einige Tage später eine Rechnung bekommt. Von der Polizei, wegen der wenigen prügelnden Idioten. Klingt doch blöd, oder?

Eine ähnliche Situation gibt es bei Fußballspielen. Auch hier locken die Veranstalter – also die Vereine – etliche Zuschauer in die Stadien, auch hier gibt es oft Ausschreitungen. Für die Polizeieinsätze wird eine dicke Rechnung fällig, die letztlich vom Steuerzahler bezahlt werden muss. 

Zu Recht. Denn trotz aller Unkenrufe, die eine Kostenübernahme seitens der Vereine fordern: Die Wahrung der Sicherheit ist Sache des Staates. Das gilt für Demonstrationen, das gilt für Volksfeste und deswegen gilt es auch für den Fußball. Zwar wurde in Bremen schon versucht, die Deutsche Fußball Liga (DFL) an den Kosten für Risikospiele zu beteiligen, viel Erfolg wird diese Forderung aber wohl nicht haben. Denn nichts Geringeres als die deutsche Verfassung regelt die Polizeieinsätze und das macht den Bremer Vorstoß so aussichtslos.

Sicherheit ist Staatssache

DFL-Präsident Reinhard Rauball bringt es auf den Punkt: „Der Bremer Alleingang ist mit verfassungsrechtlichen Grundsätzen nicht vereinbar.“ Und solange sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht ändern, ist eine andere Verfahrensweise auch fern aller Realität.

Die Vereine beteiligen sich darüber hinaus auch schon an einer Reduktion von Gewalt im Fußball. Präventionsprojekte werden inzwischen von jedem Verein initiiert, auch die DFL arbeitet seit Jahren gemeinsam mit dem DFB an verschiedenen Aktionen. Sogar eine eigene Abteilung namens „Prävention und Sicherheit“ ist Teil des DFBs. Außerdem bezahlen die Vereine auch Ordner, mehrere Hundert sind es pro Spiel. Jeder Verein leistet also schon seinen Beitrag zu einem gewaltfreien Fußball.

Unternehmen und Steuerzahler profitieren von Vereinen

Und ein wichtiger Fakt wird in der Diskussion um Verantwortlichkeiten schnell vergessen: Der Fußball in Deutschland ist ein Riesengeschäft. Wenn die Vereine spielen, profitieren auch viele Unternehmen. Kneipen, Sicherheitsunternehmen, Fernsehanstalten und Ausrüster leben von der Popularität des Profifußballs. Und diese zahlen, genau wie die Vereine selbst, auch Steuern, und damit auch indirekt die Kosten für eventuelle Polizeieinsätze.

Es ist also wie mit der Party: Die Besucher kann man sich nicht immer aussuchen. Idioten kommen bei einem ordentlichen Turn-Up immer vorbei. Aber ihr könnt präventiv arbeiten, könnt Sicherheitsleute engagieren und vorbereitet sein. Gibt es Straftaten, ist das Sache der Polizei. Und die bezahlen wir alle – dafür können wir alle zu geilen Partys, aber auch zu Demonstrationen oder auf das Oktoberfest gehen. Und natürlich zum Fußball.

das-duell-feederFoto: stockxchng/bizior, S. Hofschlaeger/pixelio.de, Montage: Brinkmann/Schweigmann 

Teaserbild: flickr.com/photos unter Verwendung der CreativeCommons-Lizenz

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