Nordstadt: Kriminalität auf dem Rückzug?

kriminalitatdortmund

Die Nordstadt gilt als einer der kriminellsten Orte in Dortmund. Gewalt, Drogenhandel, Diebstahl – dafür ist die Nordstadt bekannt. Nach einer neuen Statistik der Polizei allerdings sinkt die Zahl der Straftaten, besonders wenn es um Straßenraub oder Taschendiebstahl geht.

Um etwas mehr als zehn Prozent sank 2016 die Gesamtkriminalität im Zuständigkeitsbereich der Polizeiwache Nord im Vergleich zum Vorjahr. Betrachtet wurde dabei die Anzahl der polizeilich erfassten Straftatbestände von Januar bis November. Die Polizeiwache Nord ist allerdings nicht nur für die Nordstadt zuständig, sondern auch für angrenzende Bezirke. 

Den größten Rückgang gab es beim Straßenraub. 2015 wurden 277 Delikte registriert, in diesem Jahr nur 171. Das sind fast 40 Prozent weniger. Die Zahl der Taschendiebstähle sank um 28 Prozent auf 573 Fälle. Die Statistik der Polizei zeigt aber auch, bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen auf öffentlichen Wegen und Plätzen gab es kaum Veränderungen. Gerade einmal um knapp zwei Prozent sank die Zahl von 488 auf 479 Delikte. Dennoch ist es die niedrigste Kriminalitätsrate in den vergangenen drei Jahren.

 

Warum sind die Werte gesunken?

In der letzten Zeit war die Polizei sehr aktiv in der Nordstadt, erklärt der Pressesprecher Oliver Peiler auf Nachfrage der pflichtlektüre. Bei den 50 Schwerpunkteinsätzen 2016 wurden großräumig Kontrollen durchgeführt. Dabei sollten nicht nur Täter verhaftet und Rauschgift beschlagnahmt werden, sondern es sollte auch ein Zeichen gesetzt werden. „Mit den Einsätzen wollen wir auch zeigen, dass die Polizei da ist. Wir glauben, dass das auch wirkt“, so Peiler. 

Dieses Bewusstsein schrecke vermutlich einige Räuber ab, was den Rückgang an Delikten wie Straßenraub und Taschendiebstahl erklären könnte. „Wenn man weiß, dass die Polizei oft präsent ist, dann lässt man eher ab oder geht vielleicht in andere Bereiche. Allerdings gingen die Straftaten überall in Dortmund zurück, weshalb vermutlich auch Präventionsmaßnahmen, wie das Tragen wertvoller Dinge in den Innentaschen, mit für den Rückgang gesorgt haben könnten“, so Peiler weiter. 

Ein neues Lebensgefühl in der Nordstadt?

Nicht bei allen Dortmundern in der Nordstadt sind die Veränderungen bisher angekommen. Klick dich mit den Pfeiltasten durch die Bildergalerie.

  • Jakob (32) glaubt, dass die Kriminalität eher zugenommen hat. „Wenn man Zeitung liest, denkt man schon, dass es mehr geworden ist. Ich habe aber keine Hemmungen davor, abends allein draußen zu sein“, erklärt Jakob.

Wie geht es weiter?

Mit den aktuellen Zahlen hat die Polizei ein „kleines Ziel“ erreicht. „Unsere Aufgabe ist es, Straftaten vorzubeugen und Straftäter zur Rechenschaft zu ziehen und so zu einem verbesserten Sicherheitsgefühl der Menschen beizutragen. Deshalb ist diese eindeutig positive Entwicklung überhaupt kein Grund nachzulassen. Im Gegenteil: Wir bleiben am Ball!“, teilte der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange in einer Pressemitteilung mit.

Seit wenigen Tagen gibt es so auch die Ermittlungskommission „Nordstadt“, die sich durch wenige Spezialisten auszeichnen soll, die sich ausschließlich um die Nordstadt kümmern werden. Die Staatsanwaltschaft setzt ab sofort drei Dezernenten für die „Nordstadt-Kriminalität“ ein, die damit feste Ansprechpartner werden sollen. Insgesamt erhoffen sich Staatsanwaltschaft und Polizei durch diesen gemeinsamen Schritt eine bessere Kommunikation und die Möglichkeit, Zusammenhänge zwischen einzelnen Taten besser zu erkennen. So könnten zum Beispiel Banden, die bei den Taten ähnlich vorgehen, schneller identifiziert werden. 

Nordstadt nie ganz frei von Kriminalität

„Zur Wahrheit gehört aber auch, dass soziale Schieflagen, Bildungsdefizite und fehlende Perspektiven die Ursachen für ein Multiproblemviertel wie die Nordstadt darstellen“, erklärte der Polizeipräsident weiter. Die Polizei bekäme dann immer nur die Ergebnisse geliefert und müsse die Leute bestrafen. „Aber so bekommen wir sie nicht von der schiefen Bahn weg. Die Perspektivlosigkeit bleibt weiter bestehen. Deshalb wird die Nordstadt nie ganz frei von Kriminalität sein, aber sie ist bei Weitem keine No-Go-Area!“, betont Pressesprecher Oliver Peiler.

Bilder im Slider: Christina Teupen
Beitragsbild: Langwald/Teupen