Smog around the clock

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„Alarmstufe Rot“ in Peking. Chinas Hauptstadt liegt unter einer dichten Smog-Wolke. Die Bedrohung war diesmal so groß, dass die Behörden die höchste Alarmstufe ausgerufen haben. Die ist zwar wieder aufgehoben, es gibt aber immer noch Einschränkungen.

Atemmasken sind zu ständigen Begleitern in Peking geworden, jeder trägt sie aus Schutz vor dem Gesicht. Ohne sie traut sich in der chinesischen Hauptstadt kaum noch jemand vor die eigene Haustür. Wieder einmal hängt eine dichte Smog-Wolke über Peking, in der Stadt selbst ist die Sicht schlecht. Doch nicht nur das: Auch für die Gesundheit stellt dies eine erhebliche Gefährdung dar. Aufgrund der Luftverschmutzung herrschte nun zum ersten Mal „Alarmstufe Rot“, verhängt durch die Umweltschutzbehörde.

Smog ist ein Kunstwort und setzt sich aus den englischen Begriffen fog (Nebel) und smoke (Rauch) zusammen. Setzen sich warme Luftschichten über Kalte, können Abgase von Autos, Fabriken oder gar Heizungen nicht wie üblich abziehen und bleiben wie unter einer Glocke vorhanden. Atmet man den Smog ungefiltert ein, kann dies mitunter schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben. Die Auswirkungen reichen von Reizung von Schleimhäuten, über Asthma, bis hin zu Herzinfarkten und Lungenkrebs – zu spaßen ist mit Smog also auf keinen Fall.

Die Stadtregierung gesteht das lange offene Problem mit dem Smog nun endlich ein. Noch nie hatte sie die höchste Warnstufe ausgerufen. Die besorgniserregende Situation hatte auch Folgen für die Menschen. Im Verkehr verhängte die Stadtregierung Peking für die Hälfte alle Fahrzeuge ein Fahrverbot: Abwechselnd durften nur Fahrzeuge mit einer geraden oder ungeraden letzten Ziffer im Nummernschild fahren – das jeweils andere musste stehen bleiben. Auch in der Produktion in Fabriken wurde zurückgefahren. Zudem blieben Kindergärten und Schulen geschlossen.

„Geht nicht raus!“

„Die Menschen sollten ihr Möglichstes tun, um Aktivitäten im Freien zu vermeiden“, hat die Pekinger Umweltschutzbehörde den Bewohnern Pekings empfohlen. Wer doch nach draußen geht, solle einen Mundschutz tragen. Wie schlimm die Auswirkungen tatsächlich sind, weiß Yesenia Lopez. Die 23-jährige gebürtige Amerikanerin unterrichtet in Shenyang, etwa sieben Stunden Fahrzeit entfernt von Peking, Englisch. Ihre Chinesisch-Lehrerin hat die Hauptstadt besucht und hat dabei nichts Positives berichtet.

Ein schwarz getränkter Mundschutz durch Ruß lässt schon ahnen, dass die Situation mehr als ernst ist. Yesenia berichtet zudem, dass sich die Menschen in Peking zunehmend Luftfilter und Pflanzen für die eigene Wohnung zulegen, damit die Luft in den eigenen vier Wänden zumindest einigermaßen erträglich bleibt. Die Luftverschmutzung ist in Peking, aber auch in anderen Großstädten Chinas, ein bekanntes Problem. Doch es ist ein Problem mit dramatischen Folgen für die Menschen. Johannes Lelieveld, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie, berichtet in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Nature“, dass 1,4 Millionen Menschen in jedem Jahr in China an den Folgen der Luftverschmutzung sterben.

Chinesen an Smog gewöhnt

Auch in China macht sich die Dunstglocke bemerkbar. Yesenia Lopez kennt einige Kollegen, die bereits an schwereren Erkältungen leiden. Eine Steigerung ist da nicht auszuschließen. Der Großteil der chinesischen Bevölkerung hat sich mittlerweile an den Smog gewöhnt, berichtet sie. „Meine Chinesisch-Lehrerin sagt, dass die Chinesen stark sind. Sie haben sich so an die ganze Sache gewöhnt, dass sie es beinahe gar nicht mehr wahrnehmen.“

Durch aufgezogenen Wind ist der Smog vertrieben worden, seit Donnerstag ist die „Alarmstufe Rot“ aufgehoben. Durch die Verbote sind die Schadstoffwerte gesenkt worden. Schulen und Kindergärten sind wieder geöffnet und auch im Straßenverkehr dürfen wieder alle Autos fahren.

Teaser- und Beitragsbild: Kevin Dooley/flickr

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