Duell am Donnerstag: Virtual Reality – Zukunft oder Gefahr?

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In einer Realität leben, die nicht echt ist, sich aber dennoch so anfühlt – dank Virtual Reality (VR) ist das möglich. Wer eine VR-Brille trägt, kann plötzlich das Unmögliche. Der Spieler taucht in eine Welt ein, die ganz woanders liegt, und rührt sich doch nicht von der Stelle. Mit der Präsentation der ersten Version von „Oculus Rift“, der ersten VR-Brille im Jahr 2013, wurde der Hype um die virtuelle Realität entfacht. Doch lohnt es sich tatsächlich, eine VR-Brille zu kaufen?

„VR-Brillen sind die neue Revolution in der Medizin“,

findet Christian Burg.

VR-Brillen waren auf der Gamescom 2016 der Megatrend. Besucher bestaunten und probierten Spiele aus, die in andere Welten entführten. Noch schrecken vielleicht die hohen Preise vor dem Kauf ab, aber welche technische Innovation hatte dieses Problem nicht. Das große Potenzial sollte unterstützt werden. Pioniere besitzen eine VR-Brille und investieren so in eine erstaunliche Zukunftstechnologie.

Neue Welten entdecken 

Die Anzahl der Spiele für VR-Brillen hält sich bisher zwar in Grenzen, das hat aber keineswegs etwas mit der Qualität der Spiele zu tun. Das Spiel „Robinson: The Journey“ lässt dich eine Welt entdecken, die von Dinosauriern bevölkert wird und eine apokalyptische Atmosphäre bietet. Wer kann nicht von sich behaupten, er wollte nicht schon immer mal einen Tyrannosaurus in voller Größe vor sich sehen. Dieser Traum geht jetzt in Erfüllung. Ganz ohne sich den Gefahren wie im Film „Jurassic Park“ auszusetzen. Auch alte Spielreihen erhalten ihre VR-Version. „Resident Evil“ ist eine dieser Spielreihen, in denen der Akteur immer wieder in ein Horrorszenario geworfen wird und überleben muss. Der siebte Teil des Spiels ist laut einigen Testern gruseliger denn je.

Revolution in der Medizin

Ein weiteres Feld, in dem VR-Brillen ihre Bestimmung finden könnten, ist die Medizin. Ärzte oder Krankenschwestern haben die Möglichkeit, an virtuellen Patienten zu üben.  So können auch lebensgefährliche Situationen simuliert werden, die bisher nur theoretisch durchgespielt werden konnten. Spinnt man diesen Faden weiter, ist es nicht weit bis zur Behandlung von Patienten. Sich seiner Höhenangst zu stellen, klingt viel einfacher und vor allem sicherer, wenn man sich nicht wirklich auf das Dach eines Hochhauses stellen muss. Am King’s College in London werden virtuelle Therapien gegen solche Ängste und Phobien bereits erforscht.

Noch mag die VR-Brille nicht ausgereift sein – aber eine Technologie mit so viel Potenzial muss unterstützt werden. 

„Eine visuelle Droge, die gefährlich werden kann“,

findet Felicitas Fehrer.

Eben sitze ich noch gemütlich im Wohnzimmersessel. Keine zwei Sekunden später befinde ich mich auf einem kleinen Felsvorsprung des Mount Everest und bestaune die atemberaubende, neblige Aussicht. Das klingt erst einmal ganz spannend, ist aber eben nicht die Realität, sondern nur ein Streich, den uns unser Gehirn und die neueste Technik spielen. 

Die Welt mit allen Sinnen wahrnehmen

Keine Technik, und möge sie noch so modern und ausgeklügelt sein, könnte je genau dieselben Gefühle in uns auslösen, wie reale Erlebnisse es können. Im wahren Leben gibt es eben nicht nur das, was wir mit unseren Augen sehen, nicht nur den 360-Grad-Panoramablick. Es gibt die Wärme und die Kälte, die wir spüren. Den Wind, das Klima und Gerüche. Dinge, die wir anfassen können und echte Gefahren, die auf uns warten. Das kann keine Brille und kein billiger Soundeffekt ersetzen.

Die Flucht in ein Pseudo-Leben

Für manche mag Virtual Reality eine Möglichkeit sein, um einfach mal abzuschalten und eine Pause vom Alltag zu bekommen. Für einige ist das Ganze aber mehr: Ein Spaß, der aufgrund seines extrem hohen Suchtpotenzials zu bitterem Ernst werden kann. Eine visuelle Droge. Wie der Name Virtual Reality schon sagt: Es handelt sich hier um eine virtuelle Realität, die wir nicht zu unserer eigenen machen sollten. 
Gerade, wenn es im Leben einmal nicht so rund läuft, können Virtual Reality Spiele eine Art Zufluchtsort sein. Eine schöne, heile Pseudo-Welt. Die Gefahr, sich dadurch immer mehr von der Außenwelt abzuschotten, ist groß. Denn sind wir mal ehrlich: Diese Spiele animieren nicht gerade dazu, aus dem Haus zu gehen und sich mit anderen Menschen zu treffen. 

Nichts hören und nichts sehen

Ganz davon abgesehen, dass ausnahmslos jeder mit so einer VR-Brille ziemlich dämlich aussieht – nämlich wie ein wild gewordenes Känguru, das wahllos in die Leere boxt und dabei eine Skibrille trägt – gibt es auch ein hohes Verletzungsrisiko. Denn wer eine VR-Brille trägt, sieht nichts mehr. Zumindest nicht das, was um ihn herum passiert. Wer dann noch zwei Stöpsel im Ohr hat, kann auch den Hörsinn nicht mehr nutzen. Das Ganze ist also im wahrsten Sinne des Wortes völlig sinnlos. 

Also: Koffer packen und auf nach Nepal, um den Mount Everest in „Real Reality“ zu sehen! Und jetzt kommt nicht mit „Das ist zu teuer“ – Flüge nach Nepal gibt es ab 300 Euro, für eine VR-Brille müsst ihr mindestens 700 Euro ausgeben.

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Beitragsbild: Flickr/Virtual Reality Demonstrations,  Montage: Brinkmann/Schweigmann 

 

 

 

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