Eine Mauer, die in den Himmel steigt

Leuchten Ballons in Berlin und Menschen.

25 Jahre nach der Wiedervereinigung hat die Berliner Mauer die Stadt für ein Wochenende erneut geteilt: 8000 beleuchtete Luftballons haben am Wochenende den ehemaligen Grenzverlauf quer durch Berlin nachgebildet. Sonntagabend ist die Mauer diesmal jedoch nicht gefallen, sondern in den Berliner Nachthimmel aufgestiegen.

In der Hauptstadt herrschte am Sonntag große Feierstimmung. Stars wie Clueso und Udo Lindenberg feierten ein riesiges Volksfest vor dem Brandenburger Tor. Das ganze Wochenende stand im Zeichen der Wiedervereinigung. Beleuchtete Luftballons entlang der ehemaligen Grenze quer durch Berlin haben die geteilte Stadt wieder greifbar gemacht. Doch diesmal waren die Straßen entlang des ehemaligen Verlaufs der Mauer voller Spaziergänger aus aller Welt. Luftiger als die Mauer, aber genauso eindrucksvoll haben die Ballons gezeigt, wie die Grenze das Leben bestimmt hat. 

Die Berliner und ihre Mauer

Die Berliner und auch die Touristen waren von der Kunstinstallation begeistert. Für ein Wochenende hat sie die deutsche Teilung wieder ins Bewusstsein gerufen – an Stellen, an denen man 25 Jahre nach dem Mauerfall täglich von West nach Ost und von Ost nach West geht. 

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Am Abend hat die Lichtgrenze Berlin wiedervereint. Um 19:00 sind die Ballons in den bewölkten Himmel gestiegen. Zur gleichen Zeit war 1989 die Grenze geöffnet worden.

Eine historische Pressekonferenz

Am 9. November 1989 hatte Günter Schabowski um 18:00 zu einer Pressekonferenz eingeladen. Als Mitglied des SED-Politbüros stellte Schabowski eine neue Reiseregelung für DDR-Bürger vor, die es ermöglichen sollte, nach Westdeutschland zu reisen. Schabowski hatte nur wenige Infos zur Regelung, die Journalisten ließen aber nicht locker: „Ab wann gilt das?“, fragte der italienische Journalist Ricardo Ehrmann um 18:53. Die legendäre Antwort: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“ Um 19:02 meldete die Nachrichtenagentur Reuters: „Ausreise über alle DDR-Grenzübergänge ab sofort möglich – Schabowski“. Aus ganz Ost-Berlin stürmten die Menschen an die Grenze, die Grenztruppen konnten dem Andrang nicht Herr werden, die Grenze wurde geöffnet. Die aufsteigenden Ballons symbolisieren ein Vierteljahrhundert später diesen historischen Moment. 

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Ein ganz kleines bisschen wird die Euphorie jedoch getrübt: Am Brandenburger Tor wird die Veranstaltung wegen Überfüllung abgeriegelt, dadurch ist es im Rest Berlins umso voller. Auf der Oberbaumbrücke drängeln sich viel zu viele Menschen, es gibt keine Ordner, die die Menschenmassen leiten. Egal, in welche Richtung man sich durch die Massen zwängt, es wird nur immer voller und enger. Die Straßen waren trotzdem teilweise für den Autoverkehr freigegeben, sodass plötzlich mitten in der Menschenmasse Autos feststeckten. Die Polizei musste im Innenstadtbereich Bahnhöfe wegen Überfüllung abriegeln. In den Berliner Zeitungen spricht die Polizei dagegen von einem ruhigen Abend ohne Zwischenfälle. Besonders präsent wirkte die Polizei jedoch nicht: Auf der Oberbaumbrücke war kein Polizist zu sehen. Ein kleiner aber dennoch fahler Beigeschmack zum Jubiläum des Mauerfalls.

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