Tanze Zumba mit mir

Zumba ist der Trend-Sport aus den USA. Zu lateinamerikanischer Musik wird getanzt und nach der Zumba-Philosophie sollen die Schritte einfach zu erlernen sein. Seit dem Wintersemester 2011/12 bietet nun auch die TU, neben anderen Kursen wie BOP oder Aerobic, einen Zumbakurs im Rahmen des Hochschulsport an. Aber wie kommt es dazu, dass Zumba bei vielen Leuten solche Beliebtheit hat; was macht dieses Fitnessprogramm so besonders? Wir haben Zumba einmal ausprobiert.

Ich binde mir die Schuhe zu und bereite mich schon mental auf den Zumbakurs vor.

Ich bereite mich in der Umkleidekabine schon mental auf den Zumbakurs vor. Fotos: Judith Schröder

Zumba wird als sogenanntes „Partyworkout“ deklariert. Ich bin skeptisch. Seit 13 Jahren tanze ich selbst schon. Jazz Dance, Hip Hop, einiges war schon dabei. Aber noch kein Zumba. Also wage ich den Selbstversuch.

Wirkliche Freude kommt bei mir bei dem Gedanken an die Tanzstunde nicht auf. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Zumba wirklich Spaß macht und dazu auch effektiv sein soll. Vorab habe ich mich mit YouTube-Videos auf den Kurs vorbereitet; mentales Rüsten für wüstes Rumgezappel mit sämtlichen Gliedmaßen. Zumindest sieht es so in den Videos aus.

Der Kurs ist gut besucht

Jeden Donnerstag um halb vier beginnt der erste von zwei Zumbakursen an der TU. In der Umkleidekabine ist es stickig und warm. In zehn Minuten geht der Zumbakurs in der großen Sporthalle los. Etliche Mädchen wuseln in der Kabine umher, unterhalten sich miteinander. Der Kurs scheint gleich ziemlich gut besucht zu sein. Aber es kostet auch nur 20 Euro für Studenten der TU für ein ganzes Semester. Hinzu kommen die fünfzehn Euro, die für die Sportkarte gezahlt werden müssen. Immer noch günstig, verglichen mit Zumbakursen in Tanzschulen. Da kostet der Kurs pro Monat teilweise schon 25 Euro.

Die Schuhe sind zugebunden, Haare hochgesteckt, damit ich gleich freie Sicht beim Tanzen habe. Jetzt kann die „Party“ beginnen. Jedenfalls wenn es nach der Zumba-Philosophie geht. Die Halle ist ausgesprochen groß; genügend Platz für die rund 30 Mädchen, die ihre Sporttaschen und Getränkeflaschen am Hallenrand abstellen und gespannt auf den Holzbänken Platz nehmen. Ich flüchte mehr oder minder in die hinterste Ecke der Halle, um einen besseren Überblick zu bekommen. Unsere Zumbatrainerin Ute Wiengarn (45) ist bereits in der Halle. Von Kopf bis Fuß im Zeichen von Zumba. Und das sprichwörtlich: Schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „Feel the music“ und passend dazu eine blaue Hose mit Zumbaaufschrift. Es besteht kein Zweifel: Diese Frau lebt den Sport.

„Zumba soll vor allem Spaß machen!“

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Mädchen allein unter sich. Eigentlich schade für die nicht-anwesenden Jungs.

Zu Beginn der Stunde gibt sie uns eine kurze Einführung. Es ist die erste Zumbastunde dieses Semesters. Auffällig ist, dass der Kurs nur aus Mädchen besteht. Vom männlichen Geschlecht weit und breit nichts zu sehen: “Wo sind denn meine Männer, die sich angemeldet hatten?“, fragt sie und schaut sich um. Auch wir Anwesenden blicken noch mal umher, ob sich unter der Schar von Mädchen nicht doch ein Paar Herren der Schöpfung versteckt haben. „Dann kommen die wohl in der anschließenden Stunde“, fährt Wiengarn fort und führt weiter aus „Zumba soll vor allem Spaß machen! Es geht hier nicht so sehr um die Technik. Wenn ihr nicht alle Schritte mittanzen könnt, ist das nicht schlimm. Wir wiederholen die Schritte immer wieder. Ich konnte die Schritte am Anfang auch nicht. Also macht euch keine Sorgen“. Mal sehen, ob es mir auch so gehen wird. Zumindest klingt es beruhigend, dass unsere Tanzlehrerin wohl zu Beginn auch nicht alle Schritte beherrscht hat.

Von lateinamerikanischen Klängen und Wäschefalten

Es ist halb vier, der Kurs beginnt. Zum warm-up wummert Flo Ridas „I´ve got a hangover“ durch die Boxen. Wiengarn hat sich passend zu dem Tanz eine kleine Choreo ausgedacht. Ich zeige also bei Textpassagen wie „I`ve been drinking too much“ in einen imaginären Becher und versuche nicht, mir total blöd dabei vorzukommen. Das warm-up ist noch ganz locker, ohne Zumbaeinflüsse. Die Gelenke und Muskeln sollen zunächst warm werden und die Herzfrequenz wird erhöht.

Dann der musikalische Stilwechsel: lateinamerikanische Klänge kommen aus den Boxen und lassen den Hallenboden vibrieren. Zur Musik, die die verschiedensten Einflüsse von Raggea über Rumba hat, machen wir kleine Choreografien. Dabei fließen unterschiedliche Tanzstile mit ein: beispielsweise Samba, Merengue, Cha Cha. Ich schwinge die Hüften von links nach rechts. Wie der gute Peter Fox schon sang „Schüttel deinen Speck“. Wiengarn animiert uns wirklich alles zu schütteln, was wir so haben. Also kreise ich meine Hüften, lasse meine Arme durch die Luft rotieren und tanze von links nach rechts.

Der Schweiß läuft mir runter. Der Mund ist trocken. Zumba schafft mich ganz schön.

Der Schweiß läuft mir runter. Der Mund ist trocken. Zumba schafft mich ganz schön.

Besonders interessant wird es, als wir uns leicht nach vorne beugen und die Arme wie Flugzeugpropeller durch die Luft schwirren lassen sollen. Dabei sind meine Füße immer in Bewegung. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Auch nicht an der Stelle, als wir eine Armbewegung machen sollen, die mich sehr stark an das Falten von Wäsche erinnert; von links nach rechts falte ich also Wäsche. Mein Grinsen wird immer breiter. Gefällt mir Zumba etwa? So langsam komme ich auch aus der Puste und der Schweiß läuft mir runter. Glücklicherweise können auch die anderen Kursteilnehmer einen Schluck Wasser vertragen. So eile ich nicht als Einzige zu meiner Trinkflasche. Zeit für eine Trinkpause.

Einfach mal loslassen können

Zur Mitte der Stunde stellen wir uns alle in einem Kreis auf und gucken uns dadurch die ganze Zeit beim Tanzen an. Wiengarn ist in extatischer Bewegung. Es ist unglaublich, wie Wiengarn, die rund 20 Jahre älter ist als ich, immer noch top fit aussieht, jedes Lied inbrünstig mitsingt, während ich allmähnlich jeden Muskel in meinem Körper spüre und Schnappatmung bekomme. Trotzdem wird weiter gepowert.

Die Lieder gehen nahtlos ineinander über, der Beat ist durchgängig schnell. Am meisten Spaß machen die Cha-Cha- und Sambabewegungen. Hier kann ich einfach tanzen, muss nicht darauf achten,wie exakt meine Ausführungen sind. Was zählt sind Rhythmus- und Körpergefühl. Jetzt verstehe ich auch den Reiz, den Zumba für viele ausmacht. Zumba lädt dazu ein, einmal so richtig „abzuspacken“, um es ganz umgangsprachlich zu sagen. Wann kann man schon mal im Alltag wild mit den Armen umherwedeln, die Hüften so richtig kreisen lassen und auf und ab springen, wie ein Gummiball? Mein anfängliches Gefühl, mir wie ein Vollidiot vorzukommen, ist einer unbeschwerten Gleichgültigkeit gewichen.

Ute Wiengarn

Ute Wiengarn ist in ihrem Element. Vier mal die Woche macht sie Zumba.

Ist doch egal, ob der Schritt gerade komisch aussieht oder ich Bewegungen wie beim Wäschefalten mache. Ich habe Spaß und komme ordentlich ins Schwitzen. Ich muss erkennen, dass Zumba anstrengender ist als ich anfänglich dachte.

Zum Ende der Stunde erfolgt ein abschließendes „Cool-down“. Wir sollen wieder zur Ruhe kommen, dehnen die Arme und Beine noch einmal, um dem Muskelkater entgegen zu wirken. Obwohl ich mir schon sicher bin, dass mir das Treppensteigen morgen schwerfallen wird.

Für Zwischendurch ok, aber nicht regelmäßig

Die Stunde ist nach genau 60 Minuten beendet. Alle Teilnehmer klatschen. Ich sehe mich um und stelle erleichtert fest, dass auch die anderen Teilnehmer hochrote Köpfe haben und sichtlich zerknautscht aussehen. Ute Wiengarn ist immer noch fit. Muss sie auch sein, denn die nächste Zumbastunde beginnt in fünf Minuten. Da tauchen auch die von ihr angekündigten Männer auf. Ich ärgere mich kurz, dass ich nicht noch länger bleiben kann. Selbst wenn ich eine zweite Stunde wohl rein konditionell nicht mehr geschafft hätte. Aber Spaß gemacht hat es; das selbsternannte „Partyworkout“. Denn wie sang Farin Urlaub schon: „Wie Joe Cocker auf Speed, immer neben dem Beat, ich wackel mit den Füßen und weiß nicht wie mir geschieht“.

Lateinamerikanische Musik könnte ich zwar nicht regelmäßig beim Sport hören (besonders wenn ein Lied nur aus dem Wort „Caipirinha, Caipirinha“ besteht), aber wenn man selbst nicht weiß, wie man mal den Kopf freikriegen und ordentlich ins Schwitzen kommen soll, ist so eine Zumbastunde definitiv eine Option.

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