Großer Andrang auf neue Gesundheitsstudienplätze

An der Bochumer Hochschule für Gesundheit laufen seit zwei Wochen die Bewerbungsverfahren für die fünf neuen Studienplätze Ergotherapie, Logopädie, Hebammenkunde, Pflege und Physiotherapie (die pflichtlektüre berichtete). Die Resonanz auf die Studiengänge ist groß, betont jetzt der Vizepräsident der Hochschule, Werner Brüning: „Die Zahl der Bewerber ist sehr hoch. Allerdings stehen uns leider nur 200 Studienplätze für alle fünf Studiengänge zur Verfügung, in den nächsten zwei bis drei Jahren sollen diese aber auf 1500 Plätze aufgestockt werden.“ Allein beim Studiengang Physiotherapie gab es binnen zwei Tagen 150 Bewerbungen auf die 50 Plätze. Die große Nachfrage ist kein Wunder, denn ansonsten ist die Ausbildung im Fachbereich Gesundheit fast ausschließlich an teuren Privatschulen und an wenigen staatlichen Schulen möglich.

Teure Privatschulen

Rebecca Menzner, 23, Logopädin

Rebecca Menzner, 23, Logopädin

Dieses Problem kennt auch die 23-jährige Rebecca Menzner. Als Anfang 2004 für sie die Entscheidung feststand, dass sie als Ergotherapeutin arbeiten möchte, gab es für sie kaum eine Alternative zur Privatschule. „ Es gibt nur sehr wenige staatliche, aber jede Menge private Schulen, es blieb mir also kaum eine andere Möglichkeit als mich für die private Schulform zu entscheiden.“

Die Bochumer Hochschule für Gesundheit bietet nun ein umfassendes Studium an, das den Bachelor als akademischen Abschluss und die staatliche Prüfung im sechsten Semester umfasst. Diese Doppelqualifikation ist in Deutschland an einer staatlichen Hochschule bisher einzigartig. Außerdem wirbt die Hochschule mit einem sehr praxisnahen Studium. Im Bereich Ergotherapie bestehen beispielsweise Kooperationen mit Gesundheitseinrichtungen. Durch diese Kooperationen kann das Studium im Wechsel sowohl in der Hochschule als auch in den Gesundheitseinrichtungen stattfinden,  so dass theoretische und praktische Studienphasen durchlaufen werden können. Diesen Aspekt findet Rebecca Menzner sehr wichtig „ Die Gesundheitshochschule kann sicherlich eine interessante Alternative zur teureren Privatschule sein, wenn der Praxisanteil genauso hoch ist, wie bei den Privatschulen. Die 23-jährige besuchte eine Privatschule in Münster, dort durchlief sie eine dreijährige Ausbildung zur Ergotherapeutin, die mit dem Examen abschloss. „Das Studium war sehr praxisorientiert, aber eben auch sehr teuer. Wir absolvierten viele Praktika, was auch sehr gut war, bekamen aber für die Praktika natürlich kein Geld, mussten aber  auch während der Praktika weiterhin die monatlichen Kosten von damals noch 320 Euro zahlen“, so Menzner. Heute betragen die monatlichen Kosten an ihrer alten Schule bereits 420 Euro, dazu kommen im ersten Ausbildungsjahr ein zusätzlicher Beitrag von 35 Euro für Verbrauchsmaterialien und am Ende wird eine Prüfungsgebühr von 215 Euro erhoben. Die Gesundheitsschule in Bochum erhebt Studiengebühren von ca. 500 Euro – pro Semester.

Interprofessionelles Studium

Werner Brüning, Vizepräsident der Hochschule für Gesundheit in Bochum

Werner Brüning, Vizepräsident der Hochschule für Gesundheit in Bochum

Eine weitere Neuheit, die die Hochschule für Gesundheit anbietet, ist laut Vizepräsident Werner Brüning das interprofessionelle Studium. „Die Studenten können über die Studienganggrenzen hinweg Arbeiten und Handeln und die Gemeinsamkeiten der Gesundheitsberufe erfahren. Etwa bei der Betreuung von Schlaganfallpatienten findet der Vizepräsident der Hochschule, Werner Brüning, die Lehre unter einem Dach sehr sinnvoll: Der Schlaganfallpatient muss in den Bereichen Logopädie, Ergotherapie, Pflege und Physiotherapie behandelt werden. Nur die Hebammenkunde ist in diesem Fall außen vor“, so Brüning.

Rebecca Menzner arbeitet mittlerweile als Ergotherapeutin in einer Schule für körperliche und motorische Entwicklung in Olpe. Die 32-Jährige ist sehr zuversichtlich, was die neuen Studiengänge der Gesundheitshochschule angeht: „Ich finde, dass es eine sehr spannende Sache ist und bin gespannt, wie die Studiengänge sich entwickeln, wenn sie zum Wintersemester an den Start gehen.“
Fest steht, dass den Privatschulen die Schüler aber sicher trotzdem nicht ausgehen werden, da die vorerst nur 200 Studienplätze der Gesundheitshochschule nur einen Bruchteil der Bewerber aufnehmen können.

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