Der Bildungsstreik als Schülerstreik

„Bildung für alle und zwar umsonst!“ Laut tönt die Parole aus dem Megafon. Banner werden gereckt und Fahnen geschwenkt. Ein weißes Plakat ragt über der Menge, „Freie Bildung für alle“ steht darauf.  In der bundesweiten Bildungsstreikwoche wurde auch in den Städten im Ruhrgebiet wieder für ein besseres Bildungssystem demonstriert.  Doch während die Proteste letztes Jahr noch von Studenten mitgetragen wurden, fehlten sie diesmal auf den Demonstrationen fast vollständig.

Schüler protestieren in Essen gegen das Abitur nach zwölf Jahren.

Schüler protestieren in Essen gegen das Abitur nach zwölf Jahren ("G8").

Tristan Heling, 17 Jahre, fällt auf in seinem gelben Bildungsstreik-T-Shirt. Er ist einer von knapp 1.000 Schülern, die in Essen für eine bessere Bildungspolitik auf die Straße gegangen sind. „Selbstverständlich mache ich beim Bildungsstreik mit, weil ich für ein Recht auf freie Bildung für alle Menschen eintreten will“, sagt er.

So selbstverständlich scheint der Bildungsstreik für Studenten jedoch nicht mehr zu sein. Nachdem Essener Studenten im letzten Jahr aus Protest gegen das Bachelor-Master-System mit Schafsmasken zur Uni gekommen waren, nahmen diesmal kaum welche an der Demonstration teil. Patrick Bögele, Anmelder der Demo, glaubt trotzdem, dass die Proteste etwas bewegen. “ Wer sich nicht wehrt, hat schon verloren. Wir müssen unseren Protest ausdrücken!“

Auch in Bochum sind knapp 300 Schüler dem Aufruf zum Bildungsstreik gefolgt. Von der Polizei begleitet zogen sie ab 11 Uhr vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt. Geplant oder angemeldet wurde die Demonstration allerdings nicht. „Es sollte alles ganz spontan ablaufen“, sagt Denise Welz vom AStA Bochum. Wie in Essen wurde auch in Bochum die Demonstration hauptsächlich von den Schülern getragen.

In Bochum zogen knapp 300 Schüler für ihre Bildung durch die Stadt.

In Bochum zogen knapp 300 Schüler für ihre Bildung durch die Stadt.

Schon vor der Demonstration wurde kaum mit einer Teilnahme der Studenten gerechnet. „Das Interesse hat leider stark abgenommen. Viele wollen das Bildungsstreiklabel einfach nicht mehr unterstützen“, erklärt Denise Welz.  Die Schüler waren enttäuscht über das geringe Interesse der Studenten an dieser Bildungsstreikwoche. “ Ich finde es schade, dass die Studenten nicht teilnehmen. Es geht ja auch im ihre Interessen“, sagt Linda, eine Schülerin.

Mit annähernd 3.500 Teilnehmern fand in Dortmund die größte Demonstration im Ruhrgebiet statt. Mit Plakaten und Bannern zogen die Protestler von der Katharinentreppe durch die Innenstadt zur Reinoldikirche. Organisiert wurde die Aktion vom Dortmunder Bildungsstreikbündnis. Wie an den anderen Ruhruniversitäten hat auch in Dortmund das Interesse der Studierenden am Bildungsstreik stark abgenommen, hauptsächlich Schüler und Auszubildene nahmen an der Demonstration teil.

Philipp und Christopher, Maschinenbau 2. Semester, haben keine Zeit für den Bildungsstreik.

Philipp und Christopher, Maschinenbau im zweiten Semester, haben keine Zeit für den Bildungsstreik.

Viele Studenten sind von den Protesten des letzten Jahres enttäuscht und glauben nicht mehr an den Erfolg des Bildungsstreiks.  “ Ich finde den Bildungsstreik eigentlich gut, aber es ist schade, dass da nicht wirklich etwas bewirkt wird“, sagt Sandra, 22,  Studentin der Germanistik an der TU Dortmund. Sie habe sich bei den Demonstrationen  im letzten Jahr für die Germanistik eingesetzt, aber das habe nichts bewirkt, erklärt sie.

Jana Petzold, achtes Semester Rehabilitationspädagogik, hat ebenfalls nicht an den Protesten teilgenommen. „Ich glaube, die meisten Studenten nehmen nicht teil, weil sie wie ich glauben, dass die Proteste nichts helfen.“

Aus Sicht von Lars Koppers vom AStA Dortmund ist es problematisch, dass bei den Demonstrationen Forderungen aufgestellt werden, die keine Mehrheit unter den Studenten fänden. Dadurch ließen sich viele Studierende von den Streiks abschrecken, sagt er. Auch der Zeitdruck hält viele Studenten von den Bildungsstreiks fern. Die Anwesenheitspflicht macht es ihnen nicht leicht, sich für die Demonstration und gegen die Übung oder das Seminar zu entscheiden.

„Vielleicht ist das Bachelor-System schuld, dass die Studenten nicht protestieren“, meint Studentin Jana Petzold. „Man darf eben nicht immer in den Vorlesungen fehlen, sonst verpasst man wichtige Inhalte.“ Auch für Christopher, Maschinenbaustudent im zweiten Semster, kosten die Demonstrationen zu viel Zeit. „Wenn man studiert, sollte man auch mal in die Vorlesung gehen.“

3 Comments

  • Elisabeth Thobe sagt:

    Auch von mir nochmal eine Entschuldigung, es tut mir wirklich leid!! Die Liste ist übrigens eine gute Idee, vielleicht kann man das dann gleich mit den Bildern verknüpfen. Dann sollte wirklich nichts mehr schiefgehen ;-).

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  • Sarah Keller sagt:

    Lieber Lars, entschuldige bitte den Fehler. Wir haben ihn gleich korrigiert. Versöhnt dich, dass dich jedes Mal wenigstens ein anderer Autor falsch geschrieben hat? 🙂 Kommt hoffentlich nicht wieder vor.

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  • Lars Koppers sagt:

    Ich würde gerne mal Kontakt zu diesem Jens Kopper aufnehmen. Ich glaube der hat inhaltlich viele Übereinstimmungen mit mir. Und da er offensichtlich genau wie ich im AStA der TU Dortmund arbeitet, sollte man sich mal gegenseitig bekannt machen 😉

    Alternativvorschlag:
    Ersetzt mal Jens Kopper mit Lars Koppers, das könnte es eher treffen (oder wurde der Name aus Personenschutzgründen geändert?)

    Vorschlag für die Zukunft:
    Stellt doch einfach mal von jedem aktuellen AStA (bzw. insbesondere den Personen die ihr öfter mal befragt) ein Namensverzeichnis auf. Ihr habt es jetzt geschafft innerhalb einer Legislaturperiode allein von meinem Namen mindestens drei Abwandlungen zu kreieren ^^

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