Flexible Verhütung für Studentinnen

Wie verhüten?

Schwere Entscheidung: Welche Verhütung ist die beste? Foto: Ulrike Hendan

Ring, Stäbchen oder Pflaster: Sie machen Sex fast immer und überall möglich. Vorbei sind die Zeiten, in denen hochdosierte Tabletten den einzigen hormonellen Verhütungsschutz boten. Seit es die erste Pille 1961 in Europa gab, hat sich viel getan. Darum gibt Euch pflichtlektüre online einen Überblick über aktuelle Hormon-Mittel und liefert Empfehlungen von Frauenärztin Dr. Renate Velser vom Marien-Hospital Witten.

Der Klassiker: Die Mikropille

Die älteste hormonelle Verhütungsmethode ist die kombinierte Pille. Ihre Hormone Östrogen und Gestagen hemmen den Eisprung. Es bildet sich ein Schleimpfropf im Gebärmutterhals, so dass es Spermien schwerer haben. Die Hormone verhindern auch, dass sich eine Schleimhaut in der Gebärmutter aufbaut, in die sich befruchtete Eizelle einnisten. Die Pille muss täglich zur gleichen Zeit eingenommen werden. Nach drei Wochen wird pausiert und eine Blutung setzt ein, der Schutz vor Schwangerschaften bleibt aber.
Manchmal verursacht die Pille Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Depressionen, Gewichtszunahme, Spannungen in den Brüsten, Ausbleiben der Regel oder weniger Lust auf Sex. Seltene, gefährliche Nebenwirkungen sind Thrombosen, Gelbsucht und plötzlich auftretender hoher Blutdruck. Alle hormonellen Verhütungsmittel können diese Symptome auslösen. „Die Antibabypille sorgt nicht für einen Anstieg des Brustkrebsrisikos, aber sie senkt das Eierstockkrebsrisiko. Denn sie unterdrückt den Eisprung und stellt die Eierstöcke ruhig. Wer mit Pille verhütet und keine Kondome benutzt, erkrankt öfter an Virusinfektionen, die das Gebärmutterhalskrebsrisiko steigern“, erklärt die Oberärztin für Frauenheilkunde vom Marien-Hospital Witten, Dr. Renate Velser. Die Pille bietet auch Vorteile: Sie lindert Regelschmerzen und Hautunreinheiten. Drospirenon-Pillen helfen auch bei Leiden, die Frauen vor der Menstruation plagen: Brustspannen, Völlegefühl oder Ziehen im Unterleib.

Nuvaring

Drei Wochen nicht über Verhütung nachdenken. Foto: PR

Aus dem Kühlschrank: Der Vaginalring

Die Wirkung ist die gleiche wie bei der Pille. Der Ring hat aber einen niedrigeren Östrogenanteil, ist verträglicher – und das tägliche Tabletteschlucken entfällt. Ein Gummiring mit einem Durchmesser von 5,4 cm wird in die Scheide eingeführt und bleibt dort für drei Wochen. Die übrigen Ringe müssen im Kühlschrank lagern. Der Körper nimmt die Hormone über die Scheiden-Schleimhäute auf. So ist der Verhütungsschutz nicht wie beim Pillen-Klassiker von Durchfall oder Erbrechen beeinträchtigt. Die Hormone gelangen gleichmäßig und konstant ins Blut.
In der Woche ohne Ring setzt wie bei der Einnahmepause der Pille die Blutung ein. Beim Sex bemerken laut Hersteller acht von zehn Frauen und sieben von zehn Männern den Ring nicht. Sollte er mal rausrutschen, einfach mit warmem Wasser abspülen und innerhalb von drei Stunden wieder einsetzen – sonst ist die verhütende Wirkung nicht mehr sicher. Velser hält diese Methode für Studentinnen geeignet, die nicht jeden Tag eine Pille einnehmen möchten. „Ein weiterer Vorteil ist die geringe Hormondosierung und der konstante Hormonspiegel im Blutkreislauf“, sagt sie.

Verhütungspflaster

Verhütungspflaster Foto: PR

Nichts einnehmen, nur aufkleben: Das Hormonpflaster

Das Hormonpflaster wirkt wie die klassische Pille. Das Pflaster ist 4,5 x 4,5 cm groß und klebt auf Bauch, Oberschenkel, Po oder der Außenseite des Oberarms. Die Hormone gelangen gleichmäßig über die Haut in den Körper, so setzen Erbrechen oder Durchfall die Wirksamkeit nicht herab. Das Pflaster muss einmal pro Woche gewechselt werden, nach drei Wochen hat die Haut dann Pause. Manchmal treten juckende Reizungen auf. Viele empfinden es als störend, dass das Pflaster sichtbar ist. „Die Methode bewirkt wie der Vaginalring einen konstanten Hormonspiegel im Blut. Das führt dazu, dass sich Anwenderinnen besser an die Hormone gewöhnen“, erläutert die Frauenärztin einen Vorteil des Verhütungs-Aufklebers.

Drei Jahre Verhütung: Das Stäbchen

Das Implanon ist ein vier Zentimeter langes und zwei Millimeter dünnes Stäbchen. Die Frauenärztin setzt es für drei Jahre unter die Haut des Oberarms. Täglich gibt das biegsame Stäbchen das Gestagen Etonogestrel ab. Es wirkt wie die Pille, obwohl es kein Östrogen enthält. Die Entfernung des Stäbchens dauert drei Minuten, danach ist die Empfängnisbereitschaft wieder so hoch wie zuvor. Da beim Verhütungsstäbchen keine Pause eingelegt wird, kann die Regel ausbleiben. Velser rät Studentinnen vom eher Implanon ab, denn es zählt zu den Langzeitmethoden. Oft stelle sich bei jungen Frauen eben doch ein Kinderwunsch ein. Velser: „Möchte eine junge Frau aber gerne mit dieser Methode verhüten, testet man zuvor mit einer Minipille oder Dreimonatsspritze die Verträglichkeit“.

Eher nichts für Studentinnen: Die Dreimonatsspritze

Ein Gynäkologe spritzt alle drei Monate ein Gestagen-Depot in den Po- oder Oberarmmuskel der Frau. So kommt es gar nicht erst zum Eisprung, und Veränderungen an Eileitern und der Gebärmutter-Schleimhaut verhindern das Eindringen von Samenzellen. Die Spritze ist nur etwas für Frauen, die andere Mittel nicht vertragen. Nach einer Anwendung dauert es manchmal mehr als ein Jahr, bis sich der natürliche Zyklus wieder einspielt. Daher ist die Spritze nicht zur kurzfristigen Verhütung gedacht. Die möglichen Nebenwirkungen: unregelmäßige oder starke Monatsblutungen sowie Depressionen. Velser rät Studentinnen aus den gleichen Gründen wie beim Stäbchen ab.

Barriere gegen unerwünschte Schwangerschaft: Die Hormonspirale

Die Hormonspirale aus elastischem Kunststoff liegt direkt in der Gebärmutter, wo sie eine Barriere bildet und das Einnisten einer Eizelle verhindert. Die Spirale gibt ständig geringe Mengen des Gestagens Levonorgestrel ab. Der Eisprung findet statt, die Spirale wirkt nur auf die Gebärmutterschleimhaut ein. Es bildet sich um den Gebärmutterhals vermehrt Schleim, der den Samenzellen den Weg erschwert. Das Gestagen hemmt auch deren Beweglichkeit. Die Spirale bietet Empfängnisschutz für fünf Jahre, kann aber Entzündungen auslösen. „Die Spirale wird in der Regel nicht bei kinderlosen Frauen eingesetzt, da die Gebärmutter zu klein dafür sein kann“, erklärt die Ärztin. Deshalb sei auch diese Methode nichts für Studentinnen.

Östrogenfreie Alternative: Die Minipille

Minipillen enthalten nur das Gestagen Levonorgestrel und dieses in geringerer Konzentration als Mikropillen. Sie haben nur ein dreistündiges Einnahmefenster, kombinierte Pillen ein zwölfstündiges: Falls eine Minipille vergessen wurde, kann sie nur innerhalb von drei Stunden nachgenommen werden, ohne den Verhütungsschutz zu gefährden. Minipillen machen den Schleim im Gebärmutterhals für Samenzellen undurchlässig. Eine neue Minipille mit Desogestrel hat auch ein zwölfstündiges Einnahmefenster. Sie wirkt wie die kombinierte Pille, ist aber östrogenfrei. Einwöchige Pausen sind bei der Minipillen-Einnahme unnötig. „Primär sind für Studentinnen kombinierte Pillenpräparate geeignet. Nur bei Krankheiten wie Endometriose, einer oft schmerzhaften Wucherung der Gebärmutterschleimhaut, verschreiben Ärzte östrogenfreie Pillen“, erklärt die Oberärztin.

Und wie sicher sind die einzelnen Methoden?


Eine Antwort liefert der Pearl-Index: Wenden 100 Frauen ein Jahr lang das gleiche Verhütungsmittel an und treten in diesem Zeitraum drei Schwangerschaften auf, so beträgt der Pearl-Index 3.

Pearl-Index der einzelnen hormonellen Verhütungsmethoden:
• Hormonspirale: 0,16
• Pille: 0,1 – 0,9
• Depotspritze: 0,3 – 0,88
• Minipille: 0,5 – 3
• Vaginalring: 0,4 – 0,65
• Verhütungspflaster: 0,72 – 0,9
• Hormonimplantat: 0 – 0,08
Quelle: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe Juli 2004, pro familia

Text: Sandra Finster

Der Erfinder der Antibabypille über seine literarische Karriere: Carl Djerassi im Interview

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