Finanzstriptease, besser früh als spät

Rund 5.000 Studienanfänger hat die TU Dortmund im Wintersemester 2012/13 aufgenommen. Im Herbst dieses Jahres wird, zusätzlich zur ausbleibenden Wehrpflicht, ein weiterer Faktor für Hochschulansturm sorgen: Der doppelte Abiturjahrgang in NRW. Doch mehr Studierende bedeuten mehr Arbeit für das BAföG-Amt. Wie lange müssen die Studierenden nun auf ihr Geld warten?

Bei der Beantragung des BAföG stößt TU Studentin Jana Marquet regelmäßig auf Hürden. Foto/ Teaserbild: Lena Beneke

Bei der BAföG-Beantragung stößt TU-Studentin Jana Marquet auf Hürden. Foto/ Teaserbild: Lena Beneke

Jana Marquet studiert seit fünf Semestern Angewandte Sprachwissenschaften an der TU Dortmund. BAföG beantragt sie seit ihrem ersten Semester. „Die Probleme sind immer die gleichen“, erzählt Jana und zählt an ihren Fingern ab: „Das BAföG-Amt arbeitet unglaublich langsam und oft sind die Mitarbeiter sehr unhöflich gewesen.“

Gegen mangelnde Höflichkeit der Sachbearbeiter ist das Studentenwerk bereits vorgegangen. Die Mitarbeiter mussten im vergangenen Jahr an einem Training für mehr Kundenorientierung teilnehmen. Die Bearbeitungsdauer, nach AStA-Angaben bis zu drei Monate, ist jedoch ein andauerndes Problem: Sie bringt einige Studierende in finanzielle Not. „Ein Antrag sollte nach vier Wochen bearbeitet sein“, fordert Johannes Blömeke vom Dortmunder AStA. Das BAföG-Amt gibt sechs bis acht Wochen Bearbeitungszeit an, das sei ein landesweit durchschnittlicher Wert, so Wilfried Blattgerste, Abteilungsleiter des Dortmunder BAföG-Amtes.

Nebenjob als Rettungsreifen

Auch Jana wartet noch auf ihr Geld. Rund 280 Euro hat sie 2011 an BAföG erhalten. Die fehlen nun, deswegen arbeitet Jana neben dem Studium auf 400-Euro-Basis bei einem Telefonunternehmen. Zweimal pro Woche. Bei über 20 Semesterwochenstunden ist Janas Woche mit Studium und Nebenjob gut gefüllt.

Für ihr WG-Zimmer zahlt die 21-Jährige 180 Euro Miete, die wird durch das Kindergeld gedeckt, das sie von ihren Eltern bekommt. In der ersten Zeit ohne BAföG fehlt Jana das Geld nicht: „Ich lebe derzeit vom Nebenjob und meinen Ersparnissen.“ Das Angesparte ist jedoch irgendwann erschöpft. Ein Sommerurlaub ist dann nicht mehr drin. „Ich wäre echt zufrieden, wenn ich wüsste, dass ich das Geld noch kriege“, sagt sie.

Bafög-Amt: „Wir sind gut gerüstet“

Winfried Blattgerste sieht das Dortmunder BAföG-Amt gut gewappnet. Foto: Studentenwerk Dortmund

Winfried Blattgerste sieht das Dortmunder BAföG-Amt gut gewappnet. Foto: Studentenwerk Dortmund

Rund 14.200 Anträge gingen beim Dortmunder BAföG-Amt 2012 ein, bis zu 120 Anträge pro Tag im Wintersemester 2012/13. 13.687 davon hat das Amt bearbeitet, der Rest steht noch aus. „Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 24 Prozent“, sagt Wilfried Blattgerste.

Erst im Sommer 2012 hat das Studentenwerk im BAföG-Amt drei neue Stellen besetzt. Des Weiteren baut es das Mensafoyer um und erweitert die Räume des BAföG-Amts. Der Umbau soll noch in der ersten Jahreshälfte 2013 fertig sein. „Die Berater erhalten Einzelbüros. So können parallel mehr Beratungsgespräche geführt werden“, sagt Blattgerste. Auch, wenn dem Studentenwerk nach eigenen Angaben keine verlässlichen Angaben über die Entwicklung der Studierendenzahlen vorliegen, sieht der Abteilungsleiter das BAföG-Amt gut gewappnet.

Antrag schon früh stellen

Am besten sei es, den BAföG-Antrag möglichst früh zu stellen, rät Johannes Blömeke: „Gerade bereits eingeschriebene Studierende sollten den Antrag schon im Frühsommer stellen.“ Das helfe, die Antragswelle im Herbst zu entzerren. Diese sorgt in jedem Jahr für einen BAföG-Stau.

Jana muss die Bafög-Unterlagen also möglichste früh und vollständig einreichen, will sie ihr Geld rechtzeitig bekommen. Das weiß sie. Trotzdem klappt das meist nicht. Der Grund in diesem Semester? Jana hat nicht alle Unterlagen fristgerecht eingereicht.

Zeit ist Geld

„Das ist zum Teil auch meine Schuld“, gibt sie zu und fährt fort: „Ab dem fünften Semester muss ich auf einem gewissen Leistungsstand sein, um BAföG zu erhalten ­- und die Leistungen auch nachweisen.“ Für Jana bedeutet das: Scheine auftreiben und im Prüfungsamt einreichen. Außerdem muss sie herausfinden, wer genau den Leistungsnachweis unterschreiben muss, das bedeutet, dass Jana Sprechstunden besuchen muss. „Das hat sich bis in den Januar gezogen“, sagt sie und macht sich auf dem Weg, die letzte Unterschrift einzuholen.

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