„RUB-Geist“ für die Extraschicht

„Werdet forscher“, „Lysogsäure-Diethylamid“, „die eckigste Ecke der Ecke“.  So klingt er für Studenten der Ruhr-Universität Bochum, der „Geist des Reviers“, als ein einzelnes Wort, ein Satz oder auch ein Gedicht. Alles was den Studenten zum „Geist des Reviers“ einfällt, wie sie ihn verstehen und erleben, fängt die Hamburger Künstlerin Sigrid Sandmann auf dem Campus der RUB ein. Die Sammelaktion ist Teil eines Kunstprojekts im Rahmen der „ExtraSchicht 2012“.

"Ich versuche immer, die Menschen zu Mitakteuren meiner Kunst zu machen", sagt Sigrid Sandmann. Foto: Pressestelle der RUB

"Ich versuche immer, die Menschen zu Mitakteuren meiner Kunst zu machen", sagt Sigrid Sandmann. Foto: Pressestelle der RUB

„Es klingt vielleicht etwas mystisch“, sagt Sandmann. „Aber als ich das erste Mal an die RUB kam, habe ich sofort gedacht, hier schwebt und schwirrt ein Geist über der Uni.“ Damit meint die Künstlerin aber nicht nur den üblichen Geist einer Universität, der Wissen und Denken zum Ausdruck bringt. Für Sandmann ist es mehr. „Es ist ein Geist, der die Geschichten des Ruhrgebiets mit sich trägt. Die Geschichten, Wünsche und Ideen, die die verschiedenen Menschen an diesen Ort bringen.“ So kam Sandmann die Idee für das Kunstprojekt „Geist des Reviers“. Wenn am 30. Juni in den Ruhrgebietsstädten die „ExtraSchicht“, die Nacht der Industriekultur, stattfindet, werden die Gedanken der Studenten mit Hilfe einer Lichtinstallation auf die Gebäude des Musischen Zentrums und der Bibliothek projiziert.

Wörter und Sprache sind lebendig

Studentin Isabelle (24) hat sich spontan entschieden, bei dem Projekt mitzumachen. Ihr Beitrag: Das Wort "Ich-Findung".

Studentin Isabelle (24) hat sich spontan entschieden, bei dem Projekt mitzumachen. Ihr Beitrag: Das Wort "Ich-Findung". Fotos: Anne Wunsch

Ursprünglich hatte Sandmann im wahrsten Sinne mit „geistreichen Wörtern“ gerechnet. Ideen, die sich eher auf theoretische Weise mit dem Wort „Geist“ beschäftigen. Doch es kam etwas anders. „Gestern hat mir ein türkischer Student das Wort Gastarbeiter gesagt. Sein Großvater war Gastarbeiter und für ihn war die Uni ein verschlossener Ort. Über die Geschichte musste ich erst mal nachdenken. Dann war ich fasziniert. Dieser Student bringt eine eigene Geschichte an die Uni, die den Geist mitprägt.“

Solche Reaktionen wünscht sich Sandmann auch, wenn die Besucher der Extraschicht die Lichtinstallation sehen. „Ich möchte die Menschen und den Ort in mein Projekt einbeziehen. Verbindungen schaffen und zum Nachdenken anregen.“ Dafür hat Sandmann Sprachimpressionen in verschiedenen Sprachen gesammelt: auf Türkisch, Koreanisch, Russisch, Deutsch. Der Lichtkünstlerin ist bewusst, dass nicht jeder sofort etwas mit dem Projekt anfangen kann. „Aber das ist doch auch das Spannende. Für mich haben Wörter und Sprache etwas Lebendiges. Sie sind für jeden anders, rufen verschiedene Assoziationen hervor. Es ist am schönsten, wenn wieder neue Geschichten in den Köpfen entstehen.“

Tim Oliver Hinz sagt Sandmann seine Gedanken zum "Geist des Reviers" ins Mikrofon.

Tim Oliver Hinz sagt Sandmann seine Gedanken zum "Geist des Reviers" ins Mikrofon.

Die Organisatoren der Extraschicht haben bei Sandmann angefragt, ob sie sich eine Beteiligung an dem Kulturprojekt vorstellen könne. Als sie dann für ihr Projekt tatsächlich den Zuschlag bekam, hat sie sich die Hamburgerin besonders auf die Arbeit im Ruhrgebiet gefreut. „Ich habe ein Gefühl zum Ruhrgebiet. Irgendwie denke ich manchmal, ich gehöre hierher.“ Während manche Besucher der RUB den „50er Jahre Betonklotz“ auf den ersten Blick wohl nicht sehr einladend finden, war Sandmann sofort fasziniert. „Außerdem mag ich die Arbeit mit den Menschen hier. Das soll nicht klischeehaft klingen, aber in Hamburg muss ich die Leute oft ansprechen, hier werde ich angesprochen. Man kommt schnell ins Gespräch.“

Geflüster auf der Unibrücke

An der Bibliothek wird das Kunstprojekt in der Nacht der Industriekultur musikalisch durch das DJ-Duo „Klangbausteine“ unterstützt. Und auch die Gedanken der Studenten sollen nicht nur zu lesen, sondern auch zu hören sein. Dafür werden entlang der Unibrücke, die von der U-Bahnstation zur Bibliothek führt, Lautsprecher installiert. „Als ich hier ankam, hat das Sprechen der Studenten den Lärm der Autos übertönt. Es war ein Gemurmel aus verschiedenen Sprachen.“ So kam Sandmann die Idee die Besucher der Extraschicht ebenso zu empfangen.

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