Ruhrpott: Radlerhölle oder Drahteselparadies?

Im Frühling mit dem Rad zur Uni – das wär’s. Nur sieht die Radler-Realität an den Ruhr-Unis ein bisschen anders aus. Zwar gibt es durchaus Möglichkeiten, mit dem Rad zur Uni zu fahren, sich ein günstiges Rad zuzulegen oder eine schöne Drahtesel-Tour durch die Region zu machen – allerdings auch genauso viele Zweifel und Probleme mit dem Radfahren im Pott.

Laura und Nora radeln gerne gemeinsam zur Uni. Foto: Julia Bömer

Laura und Nora radeln gerne gemeinsam zur Uni. Foto: Julia Bömer

Gerne in die Pedalen treten Nora (21) und Laura (21), Studentinnen an der TU Dortmund. Zur ihren Vorlesungen in Rehabilitationspädagogik radeln die beiden Mitbewohnerinnen oft gemeinsam.  „Die S-Bahn kommt sowieso nie, wenn ich sie brauche“, sagt Laura, außerdem sei das Fahrradfahren ihr täglicher kleiner Sport. Und ihre Mitbewohnerin Nora pflichtet ihr bei: „Weil’s schneller geht als mit dem öffentlichen Nahverkehr, fahre ich lieber mit dem Fahrrad.“ Schnell wieder auf das Rad und schon sind die die beiden wieder weg.

Fahrradangst in Duisburg-Essen

Die zwei TU-Studentinnen – sie sind beinahe eine Rarität im Ruhrgebiet. Eine Projektgruppe zum Thema Mobilität an der RUB hat herausgefunden, dass gerade einmal zwei Prozent der Studenten und Hochschulmitarbeiter in Bochum mit dem Rad zum Campus kommen.

An der UDE kämpft Brunhilde Böhls von der Initiative FAHR RAD UDE für die Drahtesel-Kultur an der Uni. Gemeinsam mit Kollegen macht sie sich stark für das Radfahren zur Uni, weil im Ruhrgebiet nur wenige Studenten und Hochschulmitarbeiter per pedalo zur Uni kommen.

Brunhilde Böhls von der UDE nennt gleich mehrere Gründe dafür, dass es nur wenige Uni-Radler um Ruhrgebiet gibt: Die Abstellanlagen an den Unis sind in schlechtem Zustand, zu viele Diebstähle und Vandalismus und die Unsicherheit vieler Radfahrer. „Ich habe von vielen Studenten gehört, dass sie sogar Angst haben, mit dem Rad zu fahren“, sagt Brunhilde Böhls.

Vielen würden auch gar keinen grünen, ruhigen und trotzdem schnellen Radweg zur Uni kennen. Das will sie gemeinsam mit Unterstützung des Hochschulsports ändern. Im April werden gleich mehrere Radtouren an der Uni Duisburg-Essen unter dem Motto „Strampeln und Staunen“ angeboten: „Wir wollen allen Studenten und Uni-Mitarbeitern die Schleichwege zur Uni zeigen und nicht nur den Erstis“, wirbt Brunhilde Böhls für das Angebot.

Informatik-Student Kevin (21)  ist einer der fahrradfaulen Studenten an der TU Dortmund. Er  fährt bisher noch mit der S-Bahn zum Campus und will in Sachen Radfahren zur Uni lieber auf den Sommer warten. Ob die Infrastruktur für Fahrradfahrer gut sei rund um Dortmund, das könne er nicht wirklich beurteilen, denn er habe sein Rad nach dem Winter noch nicht aus dem Keller gekramt.

Keine Fahrradfreaks im Pott? Für das Radeln zum Campus muss an den Ruhr-Unis geworben werden. Foto: Julia Bömer

Keine Fahrradfreaks im Pott? Für das Radeln zum Campus muss an den Ruhr-Unis geworben werden. Foto: Julia Bömer

Wie aber wird das Rad fit für die neue Saison? Christoph Krach, Inhaber einer Fahrradwerkstatt im Dortmunder Kreuzviertel, empfiehlt für das Rad einen Frühjahrscheck: „Meistens kommen die Kunden mit einem platten Reifen nach dem Winter“, sagt er. Aber das sei nicht das einzige Problem.

Vor allem müssten Radler darauf achten, dass Beleuchtung, Reflektoren und Bremsen in Ordnung seien – erst dann sei das Fahrradfahren sicher.
Was aber, wenn ich gar kein Rad habe? Wer sich in diesem Frühling für einen Radkauf entscheidet, muss nicht tief in die Tasche greifen. Neben Versteigerungsaktionen der Städte, Flohmärkten und ebay gibt es auch bei speziellen Sozialprojekten in allen Uni-Städten günstige Räder. In den Projekten sind oft Arbeitssuchende beschäftigt, die Gebrauchträder aufmöbeln.

Folgende soziale Fahrradprojekte gibt’s im Ruhrpott:

  • Dortmund: dobeq GmbH der AWO-Werkstätten, Lindenhorster Strasse 38, Tel. (0231) 28 66 28 38
  • Bochum: Fahrradwerkstatt des Vereins für Integrative Arbeit Bochum, Harpener Feld 14, Tel. (0234) 9 55 41 50
  • Essen: Fahrradwerkstatt Freilauf, Gerlingstr. 14, Tel. (0201) 22 35 45
    Radfahren und Ruhrgebiet – das muss also kein Gegensatz sein. Ein Blick auf Angebote der Unis, Städte und Sozialprojekte zeigt: Es gibt viele Fahrradrouten im Pott, sogar spezielle zu den Universitäten und wer ein günstiges Rad braucht, der wird im Pott ebenfalls gut bedient. Also: Rauf auf’s Fahrrad, der Frühling kann kommen!