Studienplatzvergabe: Probleme mit neuem Online-System

Kommt es? – Kommt es nicht? Diese Frage stellen sich nicht nur die Universitäten, sondern auch die Studienplatzbewerber des kommenden Wintersemesters. Das Dialogorientierte Serviceverfahren der Stiftung für Hochschulzulassung soll die Studienplatzvergabe vereinfachen, doch noch ist nicht hundertprozentig sicher, ob es überhaupt rechtzeitig fehlerfrei starten kann.

Mit dem neuen Dialogorientierten Serviceverfahren sollen die Chancen auf den Wunschstudienplatz steigen. Doch noch ist das System nicht fehlerfrei. Foto: scx.hu/datarec

Mit dem neuen Dialogorientierten Serviceverfahren sollen die Chancen auf den Wunschstudienplatz steigen. Doch noch ist das System nicht fehlerfrei. Foto: scx.hu/datarec

Die neue Bewerberplattform der Nachfolgeorganisation der ZVS (Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen) soll eigentlich am 15. Mai online gestellt werden und die Vergabe von örtlich zulassungsbeschränkten Studienplätzen übernehmen. Doch bei ersten Testläufen der 15 Mio. Euro teuren Entwicklung stellten sich laut einer Pressemitteilung von hochschulstart.de, dem Web-Portal der Hochschulstiftung, „Instabilitäten im Zusammenspiel aller Komponenten“ heraus.

Daher scheint fraglich, ob das System mit dem sperrigen Namen Dialogorientiertes Serviceverfahren schon für die Vergabe der Studienplätze zum Wintersemester 2011/2012 bereit ist. Aufgrund der Softwareprobleme werden zunächst nur Plätze für 1-Fach-Bachelorstudiengänge vergeben. Die Universitäten müssen deshalb die Vergabe für die anderen Studiengänge mit ihrem regulären System durchführen.

Die letzten Tests am Programm laufen noch

Bernhard Scheer, Pressesprecher von hochschulstart.de zeigt sich optimistisch, dass die neue Plattform rechtzeitig eingeführt wird: „Das System soll Mitte Mai für die Bewerber freigeschaltet werden, zur Zeit sind an 110 Hochschulen über 350 Mitarbeiter mit der Einpflege der Studiengänge beschäftigt.“ Laut seiner Aussage laufen noch einige Tests am Programm, die entscheidenden Ergebnisse werden nächste Woche erwartet.

„Problematisch sind die vielfältigen Schnittstellen zwischen den Bewerbungsprogrammen der einzelnen Hochschulen und der zentralen Software der Plattform“, sagt Scheer, „das muss alles koordiniert werden.“ Grundsätzlich seien aber alle Universitäten von dem Konzept der zentralen und koordinierten Vergabe von Studienplätzen überzeugt, führt Scheer weiter aus, „sie möchten jedoch nicht mit einem fehlerhaften System starten“.

Die Universitäten sind dennoch gut vorbereitet

Die Universität Duisburg-Essen bereitet sich auf die Bewerbungen zum nächsten Wintersemester vor. Falls das neue nicht funktioniert, bleibt sie beim universitätseigenen Vergabesystem. Foto: UDE

Die Universität Duisburg-Essen bereitet sich auf die Bewerbungen zum kommenden Wintersemester vor. Falls das neue Dialogorientierte Serviceverfahren nicht funktionieren sollte, bleibt die Hochschule beim universitätseigenen Vergabesystem. Foto: UDE

Dieser Meinung ist auch die Universität Duisburg-Essen. „Wenn die fehlerfreie Software im Mai eingeführt wird, dann beteiligt sich natürlich auch die Universität Duisburg-Essen an diesem Vergabeverfahren.“, sagt Beate Kostka, Leiterin der Pressestelle. Aber auch für den Fall, dass die Plattform nicht pünktlich freigeschaltet wird, sieht sich die Uni gerüstet: „Falls dieses Verfahren nicht eingeführt wird, führt die Universität die Vergabe mit der regulären hochschuleigenen Software durch. Auch darauf sind wir gut vorbereitet, den Bewerbern entstehen dadurch keinerlei Nachteile.“

Eigentlich erwarte man jedoch kaum Probleme, wie Kostka weiter berichtet, die Universität Duisburg-Essen habe bislang die wenigsten Schwierigkeiten mit dem neuen System, da auch  „die reguläre Software des Vergabesystems von einem der Entwickler des Hochschulstart-Programms stammt.“

Auch die Bochumer Ruhr-Universität hat sich vorbereitet. Laut einer Pressemitteilung habe sie die Vorbereitungen zur Teilnahme am Dialogorientierten Serviceverfahren intern bereits abgeschlossen und werde am Serviceverfahren teilnehmen, „wenn dessen fehlerfreier Start gewährleistet ist“. Für die 2-Fach-Studiengänge werde aber am 18. April bereits das universitätseigene Vergabeverfahren freigeschaltet. Dies könne dann auch auf die 1-Fach-Studiengänge erweitert werden, wenn das Dialogorientierte Serviceverfahren „nicht zeitgerecht an den Start gehen kann“.

Die Wünsche der Bewerber besser mit den Hochschulen vernetzen

Das neue Dialogorientierte Serviceverfahren soll Transparenz und Struktur in das Vergabesystem bringen. Bislang meldeten sich die Bewerber oftmals bei mehreren Universitäten an, um die Chancen auf die Zusicherung eines Studienplatzes zu erhöhen. Das führte jedoch meist zu mehreren Zusagen. Innerhalb der Einschreibefrist blieben deshalb Studienplatzangebote ungenutzt. Wurden diese Angebote nach Ende der Einschreibefrist wieder freigegeben, nahmen teilweise auch schon eingeschriebene Studenten diese Studienplätze an, wenn ihnen dieses Angebot besser gefiel.

Die neue Datenbank wird versuchen diese Probleme zu beseitigen: Sie vernetzt dann die Wünsche der Bewerber mit den Angeboten der Hochschulen. Der Bewerber meldet sich mit einem Konto bei der Datenbank an und trägt bis zu zwölf Wünsche über Studienort und -fach ein, anschließend werden ihm passende Studienplatzangebote gemacht. Das Dialogorientierte Serviceverfahren soll, wenn es ausgereift ist, alle örtlich zulassungsbeschränkten Studiengänge mit 1-Fach- und 2-Fachbachelor sowie die Lehramtsstudiengänge umfassen.

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