TU Dortmund schließt „Raum der Stille“

Raumtrenner, Gebetsschriften wie der Koran, Teppiche und religiöse Flyer – im Fokus der Anschuldigungen stehen muslimische Studierende.  Sie haben sich nun mit einer Unterschriftensammlung gewehrt. Bisher ohne Erfolg. 

Von Riem Karsoua

„Nicht einmal die Pförtner des Physik Gebäudes wussten, warum die Schlösser ausgetauscht wurden“, erklärt Vildan, eine der Nutzerinnen des Raumes. Die Schließung des Raumes hat die gläubige Muslimin völlig überrascht. Mindestens zwei ihrer fünf Gebete habe sie sonst in den „Raum der Stille“ abgehalten – für jeweils zehn Minuten. „Dieser Raum bot mir die Gelegenheit ungestört zu beten, ohne von anderen gesehen zu werden. So habe ich weder mich, noch andere in eine unangenehme Situation gebracht.“ 

Direkt nach der Schließung hat sie sich nach einer Alternative umgesehen. Ihr sei nichts anderes übrig geblieben, als in den Treppenhäusern der Bibliothek zu beten. Dort sei sie allerdings vom Hausmeister weggeschickt worden.  Die Studentin weiß, dass viele andere sonst problemlos in den Treppenhäusern beten durften. „Aber  die Regeln wurden jetzt so sehr verschärft, dass sogar Namen notiert werden, wenn man sich unerlaubt im Treppenhaus aufhält.“

„Wir wissen nicht, wer den Nutzern Plätze zugewiesen hat.“

Den Vorwurf der Uni kann Büsra Yilmaz vom Autonomen Ausländerreferat nicht nachvollziehen: „Das Dezernat 6 hat die Trennwände brandschutztechnisch untersucht und sie anschließend zur Verfügung gestellt.“ Angeblich soll es für Frauen Platzverweise in kleinere Raumteile gegeben haben. „Es weiß aber niemand, wer das gemacht haben soll“, sagt Vildan. Hinzu kommt der Vorwurf, dass Flyer verteilt worden seien, auf denen Frauen verboten wurde Parfüm zu tragen.  „Dieses kurzweilige Flyerproblem geschah im Jahr 2012 und wurde vom AStA sofort gelöst“, sagt Büsra Yilmaz. 

Sie macht sich dafür stark, dass so ein „Raum der Stille“ wieder eingeführt wird. Eine Unterschriftensammlung ist bereits gelaufen. „Insgesamt wurden über 400 Unterschriften gesammelt. Dahinter stehen sehr viele Menschen, die täglich mehrere Male mühselig auf dem Campus nach einem ruhigen Ort für ihr Gebet suchen müssen“, sagt Büsra Yilmaz.  Ihr ist bewusst, dass dies weder für die muslimischen noch für die anderen Studierenden eine angenehme Situation ist. 

Unterschriftensammlung bleibt ohne Erfolg

Gemeinsam mit den Unterschriften hat sie mit anderen Nutzern einen Brief an den Kanzler der Uni geschrieben, in dem sie ein klärendes Gespräch forderten. „Darauf wurde aber leider nicht eingegangen“, erzählt die 21 jährige. Auch der Versuch durch den AStA und durch Dritte ein persönliches Gespräch mit dem Kanzler zu führen, sei erfolglos geblieben. Sie ist nun enttäuscht, dass man keinen Kompromiss finden konnte. 

Vildan ist zwar der Meinung, dass es nicht in Ordnung ist, sich gegen die Nutzungsordnung zu verhalten. Man dürfe dafür aber nicht alle Studierenden verantwortlich machen. „Wir sind alle sehr unglücklich darüber, wie die Debatte gelaufen ist“, bedauert sie. „Obwohl wir uns von der Universität zurückgewiesen fühlten und auch durchaus Anfragen von den verschiedensten Medien bekamen, bemühten wir uns aber das Problem intern zu klären, in der Hoffnung, Kompromisse zu finden die beide Seiten zufriedenstellen.“ Sie wünscht sich nun eine islamische Hochschulgruppe, die ihre Minderheit präsentiert, den Uni-Alltag mitgestaltet und eine Lösung herbeiführt.

Die Wiederöffnung des Raumes ist  im Moment aber eher unwahrscheinlich: Der Versuch „einen neutralen und allen Glaubensrichtungen in gleicher Weise zur Verfügung stehenden ‚Raum der Stille‘ zu schaffen ist gescheitert“, teilte die Uni-Leitung mit. 

3 Comments

  • Peter Pauli sagt:

    „Eine Trennung im Gebet und der Wunsch nach Rückzugsorten ist erst einmal so wertfrei zu beurteilen wie die Trennung von Toiletten nach Geschlechtern, solange diese aus freien Stücken praktiziert wird.“

    So mag das im Islam sein. Aber der Raum war nunmal religionsNEUTRAL und nicht Islam-only. Und damit haben diese dämlichen Raumtrenner da nichts zu suchen, Punkt.

  • William Weismann sagt:

    Denke die größten Probleme hier sind das die Gesamtheit der Muslime als homogenes Gebilde angesehen wird. Hier ist ein gravierendes Missverständnis zu finden eine Minderheit unter den Muslimen begeht blinden Aktionismus und versucht sich als Musterfromm zu präsentieren komme was da wolle. Dann gibt es die Mehrheit aller Muslime die in Lethargie und Lustlosigkeit den anderen nichts mehr entgegen zu bringen haben in sich gekehrt nichts mehr richtig wahrnehmen was die Hitzköpfe fabrizieren. Dem Rektorat möchte ich zu gute halten das es auf seine vorliegenden Beschwerden so reagiert hat wie sein Wissenshorizont ging. Trotzdem offensichtlich Reaktionär. Tatsächlich aber hat die Ausrichtung des Raumes ohne einen Verantwortlichen zu benennen es geradezu heraufbeschwört den Raum von einzelnen Individuen zu missbrauchen. Wie an fasst jeder Universität in Deutschland gibt es organisierte muslimische Studierenden Gemeinden, die von den Studierenden gewählt werden und die sehr gut vom Rektorat oder vom AStA bei auftauchenden Problemen mit einzelnen zumindest zu rate gezogen werden könnten. Das wird immer wieder Versäumt. Man kann letzenendes religiöse Praxis nicht verbieten und die Pflicht zu 5täglichen Gebeten im Islam ist ein Bedürfnis dem man nicht Einhaltung Gebieten kann in dem man dieses auf den gesamten Campus verlagert. Die Beschwerden werden sich sicher noch häufen weil betende Menschen die es in Treppenhäusern, Bibliotheken und auf Freiflächen verrichten für viele in der Uni viel größeres Hindernis als das beten in einem dafür ausgerichteten Raum. Würdevoll sollten wir jeden Menschen behandeln und jeder Mensch sollte dazu animiert werden auch alle so würdevoll zu behandeln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.