Jung, dynamisch, Unternehmer

„Beeper“ und „Keeper“, nennen sich ihre unscheinbaren Geräte. Wenn sich das eine Teil dem anderen nähert, ertönt ein lautes Piepsignal. Drei Jahre haben Andreas Lewandowski und sein Team gebraucht, um ihre Idee auf den Markt zu bringen: Ein elektronisches System für Baumaschinen und Gabelstapler, das hilft, Kollisionen zwischen Maschine und Mensch zu vermeiden. Jetzt wollen sie damit Geld verdienen. Und die Chancen dafür stehen gut: Gestern hat die Gründungsinitiative tu>startup ihnen den Award für die besten Unternehmensgründer der TU Dortmund in 2013 verliehen. 

Andreas Lewandowski, Volker Köster und Dominik Gerstel studierten Elektrotechnik an der TU, machten ihr Diplom und wurden wissenschaftliche Mitarbeiter an der Uni. Bis ihnen und ihrem Professor Christian Wietfeld die Idee für ihr Produkt kam. Andreas Lewandowski spricht mit pflichtlektüre-Autorin Clara Bergström über den langen Weg von der ersten Idee bis zum eigenen Unternehmen.

Volker Köster und Andreas Lewandowski wurden für ihr neu gegründetes Unternehmen jetzt sogar ausgezeichnet. (Foto und Teaserfote: )

Volker Köster und Andreas Lewandowski wurden für ihr neu gegründetes Unternehmen jetzt sogar ausgezeichnet. (Fotos: Clara Bergström)

Wie kommt man auf die Idee, so einen Unfallvermeider für Baumaschinen zu entwickeln?

Andreas Lewandowski: Wir waren alle wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kommunikationstechnik und haben uns mit Funktechnik und Distanzmessung auseinandergesetzt. Also: Wie kann ich über ein Funksignal messen, wie weit zwei Objekte voneinander entfernt sind? Wir wollten das am Lehrstuhl zuerst für die Sicherheit von Schulkindern einsetzen. Das System war aber relativ rudimentär. Ein Sicherheitsingenieur ist darauf aufmerksam geworden und hat uns auf die Idee gebracht, das System für Baumaschinen weiterzuentwickeln. So war die Idee geboren – wir mussten die Technik, die wir hatten, quasi nur noch produktisieren.

„Nur noch“ klingt simpel. Wie lange hat es denn gedauert?

Andreas Lewandowski: Drei Jahre von der ersten Idee bis zur Unternehmensgründung. So viel Zeit muss man schon veranschlagen, würde ich sagen. Wir hatten das Glück, dass wir als diplomierte wissenschaftliche Mitarbeiter schon eine Plattform an der Uni hatten, um das Unternehmen zu entwickeln. Und als studierte Ingenieure mit dem nötigen Know-How ausgestattet waren, was wirtschaftliche Grundkenntnisse anbelangt.

Reicht das, oder braucht es auch Glück, damit die Gründung erfolgreich wird?

Andreas Lewandowski: Naja, ich sage immer, das Glück ist mit den Tüchtigen. Es gehört immer viel Arbeit dazu, wenn man erfolgreich sein will. Und natürlich eine große Portion Enthusiasmus. Man muss von seiner Idee überzeugt sein, wenn man anfängt, ein Konzept zu entwickeln.

Welche Hürden gab es denn am Anfang zu überwinden?

Andreas Lewandowski: So eine Unternehmensgründung hat viele Facetten. Zum einen mussten wir uns Wissen im Bereich Infrastruktur aneignen, also wie überhaupt in einem Unternehmen gearbeitet wird. Und die Finanzierung ist natürlich auch ein großer Punkt. Für uns als technologieorientiertes Startup persönlich war allerdings die Technik unserer Erfindung die größte Hürde, weil sie uns vor sehr komplexe Herausforderungen gestellt hat. Da brauchten und brauchen wir schon viel Geduld und Durchhaltevermögen. Aber wir waren ja ein Viererteam und haben uns gegenseitig immer wieder zurück in die Spur geholt, wenn es Probleme oder Zweifel gab. Es ist einfach ein langer Weg…

…auf dem Sie auch viel Unterstützung von außen hatten.

Andreas Lewandowski: Richtig. Was die Finanzen angeht, waren wir durch unser Stipendium vom Bundeswirtschaftsministerium auf der sicheren Seite. 450 000 Euro haben wir für die ersten 18 Monate bekommen, und jetzt, für die richtige Anlaufphase, gibt es auch nochmal eine Anschlussfinanzierung. Ansonsten hat uns die Uni viel Hilfe angeboten. Über sie haben wir unser Produkt letztes Jahr patentieren lassen. Außerdem ist man durch sie gut vernetzt mit Gründungsberatern in Dortmund, die natürlich eine große Hilfe sind, wenn es darum geht, schnell Probleme zu lösen. Bei uns am Lehrstuhl gab es ein Innovationslabor für technologieorientierte Startups, da wurden wir anfangs gecoacht. Und jetzt hilft vielen auch das Gründungsnetzwerk „tu Startup“.

Sind diese Gründungsnetzwerke eine Erfolgsgarantie?

Andreas Lewandowski: Natürlich braucht jedes Unternehmen erstmal eine frische Idee, damit es funktioniert. Aber wenn eine Grundvorstellung da ist, kann man bei so einem Netzwerk mal anklopfen und nachfragen, wie es weitergehen könnte, wie ein durchdachtes Unternehmenskonzept überhaupt aussieht. Erst dann lernt man die Stärken und Schwächen seines Modells kennen. Die Gründungsberater haben viel Erfahrung und erkennen schnell, was tragfähig ist.

 

Vom Professor einmal abgesehen sind Sie und Ihre Mitgründer alle Anfang 30. Ist es von Vorteil, möglichst im jungen Alter ein Unternehmen zu gründen?

Andreas Lewandowski: Durch unsere Arbeit am Lehrstuhl hatten wir alle schon ein bisschen Berufserfahrung, als wir die Firma gegründet haben. Und ich glaube, das ist extrem wichtig. Du wirst als Gründer direkt ins kalte Wasser geworfen. Wenn man eine Firma aufbaut, gibt es keine Strukturen, gar nichts. Alles muss man selbst erst schaffen. Auch die Organisation innerhalb des Gründerteams. Das geht nur, wenn man schon mal einen Einblick in fremde Unternehmensabläufe bekommen hat. Zumindest Praktika sollte man gemacht haben, bevor man Gründer wird.

Wussten Sie schon lange, dass Sie eines Tages ein Unternehmen gründen wollen?

Andreas Lewandowski: Nein, das hat sich erst durch die Idee ergeben. Ich denke, es ist wichtig, dass eine Idee da ist, aus der ein Unternehmen erwachsen kann. Eine Firma zu gründen nur um der Gründung willen, das macht keinen Sinn, würde ich sagen.

Das startup-Netzwerk gibt es seit zwei Jahren. Könnte sich Unternehmensgründung unter Hochschulabsolventen zum neuen Trend entwickeln?

Andreas Lewandowski: Solche Netzwerke tragen den Gedanken der Gründung in die Universitäten hinein. Ich fände es wünschenswert, dass es in Zukunft viele Startups gibt. Die deutsche Volkswirtschaft braucht Neugründungen. Im Vordergrund steht bei allem aber die gute Idee. Sie ist das Fundament für ein funktionierendes Unternehmen.

Die TU hat sie als beste Unternehmensgründer 2013 ausgezeichnet. Was machen Sie mit den 2500 Euro Preisgeld?

Andreas Lewandowski: Die werden natürlich direkt ins Unternehmen gesteckt. Wir steigen jetzt richtig ins Geschäft ein, da brauchen wir Geld für die Kunden-Akquise und natürlich für die Weiterentwicklung unseres Produkts. Die geht nicht mal eben so von der Hand. Neue Kunden haben auch neue Wünsche, denen wir natürlich gerecht werden wollen. Die Funktechnik ist unser Kern, aber damit können wir natürlich komplett neue Systeme entwickeln, die über die Baumaschinen-Beeper hinausgehen. Für die Zukunft sind wir sehr positiv gestimmt und haben auch schon Ideen für neue Produkte.

 

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