Professoren fordern Comeback fürs Diplom

Acht der insgesamt 16 Dortmunder Dekane fordern das Diplom zurück. Parallel zum Bachelor und Master soll in einigen Studiengängen, in denen eine Umstellung problemlos möglich ist, wieder das Diplom eingeführt werden – inklusive der alten Diplomstudienordnungen.

Kann seit zwei Jahren nicht mehr studiert werden, wird aber schon schwer vermisst: Dortmunder Dekane wollen das Diplom zurück.

Kann seit zwei Jahren nicht mehr studiert werden und wird schwer vermisst: Dortmunder Dekane wollen das Diplom zurück. Foto: Gregor Hofmeyer

Nach der Vorstellung von Professor Walter Krämer sollten sich die Studenten aussuchen können, ob sie auf Bachelor/Master oder Diplom studieren möchten. Ein entsprechender Beschluss ist bereits im Mai in Dortmund verabschiedet worden. Krämer, Initiator des Protestes und Statistik-Dekan in Dortmund, findet: „Bachelor und Master sind Micky-Maus-Abschlüsse, gesichtslos und nicht zu unterscheiden.“

Unmut über die Bachelor/ Master Umstellung herrscht aber nicht nur in Dortmund, auch die Universitäten in Bochum und Duisburg–Essen sind nicht abgeneigt: „Wir würden uns über ein zurück in die Zukunft freuen, sofern dieser Schritt fachintern und im Einzelfall geprüft wird“, meint Daniel Lucas, AStA-Referent für Hochschulpolitik an der UDE. Ähnlich positiv äußert sich auch Wim Kösters, Volkswirtschaftsprofessor in Bochum, der das Diplom sogar wieder zum Regelstudiengang erheben möchte: „Wer früher ausscheiden will, soll den BA erhalten – so kommt jeder zu seinem Recht.“

Die Chancen, dass das Diplom zurückkehrt, werden aber generell eher als gering eingestuft. Die Dortmunder Rektorin Ursula Gather sagt hierzu: „Ich bedaure es auch sehr, dass dieser Abschluss [Diplom, Anm. der Redaktion] als Markenzeichen deutscher Absolventen verschwunden ist – aber dennoch gibt es eine Gesetzeslage und an die haben wir uns alle zu halten.“ Ohne eine Änderung des NRW-Hochschulgesetzes ist es also nicht möglich, das Diplom zurück zu holen.

Und diese Änderung schließt das NRW-Wissenschaftsministerum um Minister Pinkwart offiziell aus: „Für eine Wiedereinführung der Diplom- und Magisterstudiengänge gibt es keine Veranlassung; sie widerspräche auch der hochschulpolitischen Verpflichtung, die Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Bologna-Prozesses eingegangen ist.“ Der Initiator des Protests, Walter Krämer, hofft aber weiterhin auf eine Kursänderung, schließlich stehen im Mai 2010 die NRW Wahlen vor der Tür: Und ein neuer Wissenschaftsminister könne die Lage durchaus ganz anders bewerten.

Text: Julia Hortig

Absatz

Diplom nebenher – Der Weg in die Drei-Klassen-Bildung

Ein Kommentar von Julia Hortig

pflichtlektüre-online Redakteurin Julia Hortig

pflichtlektüre-online Autorin Julia Hortig

Da haben sie sich ziemlich lange Zeit gelassen, die Dortmunder Dekane. Und die Idee mag verlockend klingen: Studiengänge, die die Organisation leisten können, führen das Diplom wieder parallel zum Bachelor ein. Ohne Frage würden sich viele Studenten darüber freuen. Der Diplomabschluss hat einen guten Ruf – was ein Bachelor nutzt, ist jedoch noch immer ungewiss.

Allerdings haben die Professoren ihre Forderung nicht bis zu Ende durchgedacht. Nicht alle Studiengänge können sich eine parallele Einführung leisten. Das Diplom würde zum Luxus für wenige. Und: Für parallele Diplomstudiengänge braucht es nicht nur eine aufwändige Verwaltung, sondern auch Räume und Personal. Jeder Studiengang bräuchte einen eigens durchgeplanten Studienverlauf und einen Prüfungsausschuss. Dazu haufenweise Scheine und die grundsätzlich verschiedenen Punktesysteme. Und was erst, wenn jemand im laufenden Studium vom Bachelor zum Diplom oder andersherum wechseln will? Creditpoints anerkennen, Scheine übertragen, Sonderlösungen vereinbaren – unsere Universitäten haben mit der Organisation schon jetzt genug Probleme, wenn einzelne Studenten ihr Nebenfach an einer andere Ruhrallianz-Uni studieren.

Woher das Geld für all das kommen soll, ist mehr als unklar – Außerdem würde ein Zurück zum Diplom Studenten wie Arbeitgeber verwirren. Mit Bachelor und Master gibt es schon jetzt eine Zwei-Klassen-Bildung an den Universitäten. Mit dem Diplom eine Dritte hinzuzfügen, würde die leidige Frage, welcher Studienabschluss denn jetzt der Bessere ist, ins Unendliche ziehen.

Wie gesagt, prinzipiell ist die Idee verlockend. Aber der Protest kommt viel zu spät: Anstatt jetzt aufzubegehren, hätten die Dekane besser im Vorfeld Druck machen sollen. Die Universitäten hätten das Diplom schlicht nie abgeben dürfen. Halbe Sachen sind keine gute Lösung. Im Gegenteil: Das Diplom nebenher macht alles nur noch schlimmer.

Hast du auch eine Meinung? Dann sag sie uns!

14 Comments

  • Julian Weimer sagt:

    Lieber StudentDo: Beide Texte sind von uns. Als Mitglieder einer journalistischen Lehrredaktion an der TU Dortmund dürfen wir Berichte an andere Medien weitergeben, sobald sie bei uns gedruckt waren. Deswegen erschien der Text beim Westen erst, als die gedruckte pflichtlektüre bereits auf dem Campus verteilt war.

    Wir haben nichts beim Westen abgeschrieben, sondern der WAZ-Mediengruppe unsere Geschichte erfolgreich angeboten.

    Die Redaktion

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  • Timo sagt:

    zum 1. Post von Georg Scheffczyk, betreffs Bertelsmann:

    Die Bundesregierung lässt sich schon lange in Sachen Bildung von den Lobbyisten dieser Stiftung beraten. Das ist nur leider wenig bekannt. Die Bertellsmannstiftung ist ein Neoliberaler, marktradikaler think-tank, der am liebsten alles privatisieren möchte (lat. Privare: Beraubung), von dem Gesundheitssystem angefangen, bis zur Ökonomisierung der Universitäten! Dies macht die Stiftung hinterhältig, unter anderem über den Umweg des CHE (Centrum für Hochschulentwicklung).

    Die Schäden dieses neoliberalen think-tanks werden unter anderem hier dokumentiert:

    http://www.bertelsmannkritik.de

    oder:

    http://www.anti-bertelsmann.de

    Dieser sog. Stiftung gehört die Gemeinnützigkeit ein für alle mal aberkannt, denn sie ist für Deutschlands Bildungszukunft extrem gefährlich!

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  • StudentDo sagt:

    http://www.derwesten.de/nachrichten/campus-und-karriere/2009/11/11/news-140383720/detail.html

    Gleiche Bilder, ähnlicher Text….schreibt Pflichtlektuere seine Artikel jetzt nichtmal mehr selbst??

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  • Corinna sagt:

    Viele US Universitäten, von denen sich Deutschland den Bachelor und Master abgekuckt hat, kehren inzwischen zurück zum Diplom!

    Deutschland schafft sich also gerade ein Bildungssystem, das aus den USA stammt, aber dort inzwischen wieder abgeschafft wird…

    Beispiele US-amerikanischer Universitäten, die inzwischen den Weg zurück zum Diplom gefunden haben:

    – die Colorado State und die Carnegie Mellon Universitäten mit dem:
    „Accelerated BSc/MSc-Modell”

    – das MIT und die University of South Florida, mit dem sogenannten:
    „Five Year Dual Programme”.

    – und noch viele mehr, wie z.B. University of Maryland mit dem
    “Combined MS/BS-Programm” .

    Das sind allesamt Studiengänge, die unserem Deutschen Diplom / Magister nachempfunden konzipiert wurden.
    Und die Liste US-Amerikanischer Universitäten, die Diplomähnliche Studiengänge z.Zt. gerade vorbereiten, kann ohne weiteres fortgesetzt werden..

    Der Bologna-Prozess ist kein verbindlicher Vertrag! Deutschland könnte also jederzeit zurück zum Diplom!

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  • Christian sagt:

    Ich studiere noch im Diplom (Raumplanung, TU Dortmund), bei uns wurde im Rahmen der Umstellung aber tatsächlich auch die Struktur angepasst, wobei die meisten Dinge, die ich als wichtig und positiv am Studium bezeichnen würde, offensichtlich ebenso im Bachelor vorkommen – in unserem Fall deshalb in 8 Semestern.

    Es wäre unfair, dem Bachelor-/Master-System alle Probleme anzulasten. Viele Studiengänge hätten offenbar seit Jahren oder Jahrzehnten reformiert werden müssen, unabhängig von jeder Bezeichnung des Abschlusses. Diese einmalige Chance wurde leider bei der Umstellung auf Bachelor und Master oft nicht genug genutzt, ebenso wie die Prüfung der Anforderungen und Inhalte auf Notwendigkeit und Studierbarkeit nicht immer genug Zeit bekommen hat. Sicher auch aus hochschulpolitischen Gründen, weil früher (2004) die Zielvorgabe der Hochschulrektorenkonferenz war, dass 30% eines Jahrgangs in den Master gehen können, und für alle Lehrenden damit klar war, dass sie in den Bachelor müssen, um sich nicht an den Rand drängen zu lassen.

    Eine zu lösende Frage ist für alle der Übergang vom Bachelor zum Master – insbesondere, wenn die Master-Studiengänge nur einmal im Jahr beginnen und sicher nicht alle genau pünktlich mit dem Bachelor fertig sind, um dort anfangen zu können. Wer so bis zu fast einem Jahr an Zeit verliert, studiert insgesamt sicher länger, als er es früher in einem Diplomstudiengang getan hätte.

    Unabhängig davon steigt der Druck aber jetzt auch sehr früh – bei uns spielte das Vordiplom für die Abschlussnote keine Rolle, dementsprechend wurden auch Probleme viel bereitwilliger hingenommen, während jetzt niemand im 2. Semester unberührt bleiben kann, wenn sich Probleme auftun.

    Die Wahlmöglichkeiten sind bei uns im Bachelor fast identisch zu dem, was wir früher im Diplom hatten. Die Zahl der Mitarbeiter und Professuren sinkt allerdings beständig, so dass „Wahlpflicht“ vielfach gerade noch heißt, dass es zwei Angebote gibt, zwischen denen man sich entscheiden kann, wenn überhaupt. Das war früher im Diplom schon so, wird jetzt aber nochmals verschärft, da immer mehr Studierende aufgenommen werden sollen/müssen. Immerhin: durch die Bachelor-/Master-Einführung gibt es an unserer Fakultät jetzt eine zentrale Studienkoordination, die es früher in dieser Form nicht gab. Ein Studiengang darf aber nicht zur reinen Mangelwirtschaft verkommen, sondern muss so ausgestattet sein, um auch neuen Ideen Platz zu lassen. Mit dem Namen des Abschlusses hat das erst einmal nichts zu tun. Gerade bei der Umstellung auf 6semestrige Bachelor-Studiengänge scheint aber das Gespür gefehlt zu haben, was ein normaler Student überhaupt leisten kann. Weniger wäre da manchmal vielleicht auch mehr.

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  • Mimi235 sagt:

    @BWLer:
    Findest du es denn auch gerecht, das jemand auf eine FH gehen kann, dort ganz entspannt sein Bachelor machen kann (ist ja einfacher), sich dann ganz offiziell Bachelor nennen darf ohne FH zusatzt, dann seinen Master macht und im Endeffekt besser darsteht als jemand der an der Uni seinen Bachelor machen will?
    Wenn du Äpfel mit Birnen angleichen willst, dann bitte! Aber auch in den Augen der Studierenden ist das doch eine Unverschämtheit. Wenn du von außerordentlicher Leistungsbereitschaft sprichst, dann geh mal an eine private FH. Da wird zu 60 % nur faxen gemacht( Kniggekurse, etc…), fachlich ist das eher mau. Aber wer es sich leisten kann, der hat seinen Abschluss auch dort schon sicher! Darf sich dann auch Bachelor nenne.

    Wer seiner Schulzeit nachtrauert und eine Anleitung zum Leben und Lernen braucht (Anwesenheitspflicht, Hausarbeiten und Bonuspunkte, Projekte und Referate), der ist beim Bachelor genau richtig! Eigenständiges und eigenverantwortliches Planen und Arbeiten lernt man da nicht! Im Gegenteil!
    Das wir nicht nur in Bezug auf die Zukunft unserer Bildungslandschaft noch zu einem Problem werden.

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  • BWLer sagt:

    Ich finde das neue System sehr Ggut und kann die ganze Aufregung nicht verstehen… Ich habe es auch während meines Bachelors geschafft drei Praktika zu absolvieren und gehe nächstes Semester für sechs Monate ins Ausland, was auch kein Problem darstellt. Mir ist durchaus klar, das dass B/M System für mache geisteswissenschaftler ein Problem ist, aber auch hier könnte man durch Änderungen (8 Semester Bachelor / Profilbildung) mehr erreichen als durch Rückkehr zum alten System. Ich finde es durchaus amüsant, wenn BWL-Studenten im 14 Semester und „Erstis“ ohne Prüfungserfahrung in der Pflichtlektüre Ihre Meinung aüssern dürfen aber kein einziger Masterstudent gefragt wurde. Ausserdem sehe ich ein Hochschulstudium immer noch als eine Ausbildung an, die eine außerordentliche Leistungsbereitschaft voraussetzt, weshalb ich auch an einer Selektion während des Bachelors und Zulassungsbeschränkungen für den Master keinen Anstoss nehmen kann.

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  • HUHUH sagt:

    Was man hier in Deutschland völlig verpennt hat ist doch Folgendes:

    Im Ursprungsraum von Bachelor und Master gibt es kein Abitur. Daher sind die Studenten bei Abschluss zwischen 19 und 23 Jahre alt. Dieses System nun auf Deutschland zu übertragen ist in meinen Augen eine Farce. hier hat man mit 19 sein Abitur und beginnt darauf mt dem Studium, das man auch mit ca 24 – 26 beendet hat ( so war es in der Vergangenheit).
    Hinzu kommt noch folgende Problematik:

    Die Universitäten entwerten ihren Ruf und ihren angesehenen Abschluss selber.
    Dadurch, dass man zwischen den einzelnen Bachelor Arten nicht mehr unterscheidne kann, keine Differenzierung gegeben ist, kann ich hier in Deutschland meinen Bachelor an einer Fachhochschule machen, dann gehe ich ein oder zwei jahre ins Ausland und mache dort meinen Master. Letztendlich kan keiner mehr einen Unterschied feststellen bezüglich der tatsächlichen Qualifikation.
    Früher wäre das nicht gegangen,da musste man noch angeben wo man seinen Abschluss erworben hat (Diplom FH), heute wird alles über einen Kamm geschoren!
    Wir untergraben unser eigenens Bildungssystem, das uns und unser Land über jahre getragen hat.

    Nur weiter so mit unserem Bildungssystem; auf das wir alle als Einheitswürstchen durch die Gegend laufen. Die einzigen die es freuen wird sind die Unternehmen die am lautesten nach den neuen Abschlüssen rufen. Fragt sich nur wie lange deren Ruf noch durch die Bildungslandschaft hallen wird, spätestens wenn die wissenschaftlichen Ideen und Impulse fehlen wird man dem Diplom wider hinterherweinen.

    Ein Hoch auf die Politik!

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  • Peter sagt:

    Hut ab, dass sich hier Professoren so wehement einsetzten und ihre Meinung so stringent äußern. Hätte mir gewünscht, dass sich ein solcher Widerstand schon in den Anfängen der Umstellung geregt hätte. Denn letztlich sind es die Unis alleine, die die Studiengänge anbieten, wenn sich alle querstellen würden, dann hätte auch der Herr Pinkwart ein großes problem. So ein System am Reißbrett zu planen, wie es manche Politiker gerne zur selbsprofelierung tuen ist einfach, wer aber die Umstände tatsächlich schultern muss fällt unter den Tisch!

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  • Georg Scheffczyk sagt:

    offenbar haben die Urheber (Bertelsmann) ein sehr ärmliches Verständnis von Ausbildung und Wissenschaft, sonst gäbe es das Argument „Vergleichbarkeit“ nicht. Ist die europaweite Normierung der Studiengänge („Gleichmacherei“) ein erstrebenswertes Ziel? Höchstens für Personalbüros wäre die Auswahl von Bewerbern leichter, aber dann bleibt trotzdem noch die Berücksichtigung des individuellen Charakters übrig, was viel schwerer ist.
    Die Normierung ist ein Nachteil, weil hierdurch viele Facetten innerhalb der Wissenschaft unberücksichtigt bleiben, es ist eine Verarmung, eine Monokultur.
    Ist es denn nachteilig, zu wissen, daß jede Hochschule/Universität eine etwas andere Ausbildung hat mit Schwerpunkten hier und da? Im Gegenteil, die Wissenschaftslandschaft wäre bunter und erotischer, weil hier für jedes Interesse etwas da ist und sogar Veränderungen möglich sind, die jetzt von der Verwaltung erstickt werden.
    Diktaturen lieben Normierungen,den Gleichschritt, Demokratie lebt von Vielfalt.

      Zitat:  Antwort:

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