Wahlberichterstattung 2013 – Mehr als Langeweile

Einfach macht es die Politik den Medien mit der Berichterstattung zur Bundestagswahl 2013 wahrlich nicht. Die Regierung ruht sich auf ihrem Umfragenvorsprung aus und die Opposition macht allenfalls mit kleinen bis mittleren Peinlichkeiten auf sich aufmerksam. Da verwundert es nicht, dass in der Wahlberichterstattung hauptsächlich darüber berichtet wird, dass es nichts zu berichten gibt.

„Wahlkampf ohne Leidenschaft“, „Lustloser Wahlkampf“ oder auch „Yes, we Gähn“ sind beliebte Umschreibungen für die diesjährigen Wahlen. Vermeintliche Ursachen für den unspektakulären Wahlkampf werden seit Wochen rauf und runter analysiert – was auf Dauer eine recht langweilige Angelegenheit ist. Da ist es nicht erstaunlich, mit welcher Inbrunst sich die Medien auf das Kanzlerduell gestürzt haben. Vier Sender sendeten es zeitgleich zur Primetime, das Aufeinandertreffen von Angela Merkel und Peer Steinbrück beherrschte sämtlich Schlagzeilen und füllte unzählige Sondersendungen. Die Hoffnungen auf eine Spannungssteigerung konnte das Duell nicht erfüllen – was für eine Überraschung. Immerhin gab es den Medien eine Gelegenheit, mal über etwas anderes zu berichten: Zum Beispiel über Stefan Raabs gute Leistung als Moderator oder Angela Merkels Deutschlandkette.

Eine Woche nach dem Duell und zwei Wochen vor den Wahlen ist die Berichterstattung wieder am Anfang angekommen. Ein Beitrag über die Langweile des Wahlkampfs reiht sich an den nächsten. Das ist nicht die Schuld der Medien – wenn nichts passiert, kann auch nicht berichtet werden. Andererseits möchte man über so etwas bedeutendes wie die Wahl der Bundesrepublik Deutschland auch nicht nicht berichten. Als Konsequenz bleibt da nur, darüber zu berichten, dass es nichts zu berichten gibt.

Erbitterte Meinungsverschiedenheiten gibt es zur Zeit nicht

Man könnte sich darüber aufregen, die Schuld auf die Politik schieben. Die Parteien haben ja eh keine Prinzipien mehr, da ist es ganz egal wen man wählt! Oder auf die Wähler, denn die schauen sowieso lieber Scripted Reality als Polit-Talk, kein Wunder dass es mit der Gesellschaft bergab geht! Oder man akzeptiert, dass die großen Schlachten der Politik in diesem Land erst einmal geschlagen sind. Man ist sich einig, dass die Demokratie die geeignetste Staatsform ist, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sein sollten, dass Bildung für jedermann zugänglich sein sollte und dass Homosexualität toleriert werden sollte. Im Moment geht es nicht darum, ob diese Dinge umgesetzt werden, sondern wie. Das ist zunächst weniger spektaktulär – erbitterte Meinungsverschiedenheiten wie noch vor 20 Jahren gibt es in der Politik zur Zeit nicht.

Doch es bedeutet nicht, dass es nicht neue Schlachten zu schlagen gilt. Wie zum Beispiel verhindert man im Zeitalter neuer Technologien eine Überwachung der Bürger durch den Staat? Wie können wir trotz Fortschritt die Umwelt unseres Planeten erhalten? Und wie weit dürfen sich westliche Staaten in die Konflikte anderer Länder einmischen? Das sind Fragen, die in diesem Wahlkampf zwar eine Rolle spielen, die jedoch nicht so stark polarisieren können, weil es keine eindeutigen Antworten auf sie gibt. Dass wir einmal Antworten auf sie finden, ist auch Aufgabe der Medien.

Teaserbild: Christian Evertsbusch / pixelio.de