Tutorial-Ausstellung: Haarwäsche im Weltraum

Vor zwanzig Jahren verzweifelte man noch über einer Bedienungsanleitung, heute tippt man ein paar Worte ins Suchfeld bei Youtube. Für fast jedes Problem gibt es mittlerweile einen verfilmten Lösungsvorschlag. Das Dortmunder U stellt bis Ende August unter dem Titel „Jetzt helfe ich mir selbst“ hundert davon vor. Darunter zu finden? Viel Absurdes, Kurioses und Nutzloses. Wir stellen euch fünf Highlights vor. 

 

1. Möhre mal musikalisch  

Nachhaltigkeit ist hip, ganz egal ob in der Mode, der Technik – oder in der Musik. Das Tutorial „How to Make a Carrot Recorder Ocarina“ zeigt, wie man innerhalb weniger Minute von Vitamin C zum Ton „C“ kommt. Alles, was der gesundheitsbewusste Musiker neben einer Möhre dafür braucht, sind eine Bohrmaschine und ein Messer. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl entsteht so ein Flöte mit aufwendigem Mundstück. Für eine ökologisch korrekte Version von „Alle meine Entchen“ ist das Tonspektrum des Instruments zwar nicht umfassend genug, als Trillerpfeifenersatz ist sie dennoch definitiv geeignet. Praktisch: Lässt die Euphorie nach, kann das Instrument einfach kompostiert werden. Die nächsten Möhren im Gemüsebeet freut’s. 

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2. Keine Streichhölzer gegen Zombies 

Sie lauern in Horrorfilmen – und verirren sich in der Nacht danach gerne in die Albträume der Zuschauer. Wie die sich wehren können, wenn ihnen ein unsympathischer Untoter im Traum oder im realen Leben gegenübersteht, verrät ein Youtube-Kanal, der sich selbstironisch „badideafilms“ nennt. Der fünfminütige Clip „How to Survive a Zombie Attack“, der in seinem düsteren Schwarz-Weiß selbst Horrorfilmstimmung verbreitet, gibt ganz serviceorientiert Tipps. Dass man sich auf der Flucht vor Zombies besser nicht in Mülltonnen verstecken sollte, beispielsweise. Steht einem ein Zombie dennoch unmittelbar gegenüber, kann Feuer helfen. Aber bloß nicht in Form von Streichhölzern, warnen die Autoren. Grund: Ein Windhauch und der Schutz erlischt.  

[youtube _l9ocz8jlKs nolink]

3. Türen öffnen  

Im Leben steht man häufig vor geschlossenen Türen. Was dann zu tun ist? Ein finnisches Video mit dem Titel „How to open a door“ gibt Rat. In dem zweiminütigen Clip wird von einem charmanten Schimanski-Doppelgänger jeder einzelne Schritt demonstriert, der zum erfolgreichen Öffnen und Durchschreiten einer Tür notwendig ist. Anlass ist ein trauriger Fakt: „Every third person opens a door incorrectly.“ Wer also will, dass ihm im Leben alle Türen offen stehen, sollte also darauf achten, die richtige Körperhaltung einzunehmen und einen Abstand von fünf Zentimetern zwischen Fuß und Schwelle einzuhalten. Obwohl der Clip aus dem Jahre 1979 stammt, ist man versucht, in ihm einen gesellschaftskritischen Appell zu erkennen. „Internet-User, beweg‘ dich von deinem Computer weg und geh vor die Tür!“, zum Beispiel. 

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 4. Vom normalen Katholiken zum gefeierten Kirchenvater 

Ein sicherer Job und das bis zum Tod? Weltruhm – inklusive Menschenmassen, die in einen Zustand der Euphorie verfallen, sobald man lediglich den Arm hebt? Arbeiten vor einer traumhaften, historischen Kulisse? Hört sich gut an? Das Video „How to Become Pope“ zeigt, wie man sich für diesen Beruf qualifizieren kann, oder kurz: Wie aus einem männlichen Katholik der neue Papst wird. Schnell wird deutlich: Es kann ziemlich viel Zeit verstreichen, bis die Papst-Robe im Schrank hängt, denn immerhin 97 Prozent aller katholischen Kirchenväter mussten auf den Tod ihres Vorgängers warten, um an den begehrten Posten zu kommen. Hat man ihn erstmal erreicht, schlägt das Tutorial sogar einen kreativen Namen vor: Pope Awesome the First. 

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5. Überirdisch schönes Haar 

Traumberuf Papst? Fällt für Frauen weg. Als Alternative bleibt die Karriere als Astronautin. Wer nicht wie der deutsche ISS-Astronaut Alexander Gerst auf einen kahlen Kopf setzen möchte, muss sich dann in der Schwerelosigkeit der Herausforderung „Haarpflege“ stellen. Wie man 400 Kilometer über der Erde vernünftig Haare wäscht, zeigt die amerikanische Astronautin Karen Nyberg, die 2013 auf der ISS war. Die für die Haarwäsche benötigten Utensilien gleichen denen, die in den Badezimmern von Millionen Frauen stehen: Shampoo, Kamm, Handtuch. Die Prozedur hingegen ist gekennzeichnet von einem Kampf mit der Schwerelosigkeit. Der endgültigen Frisur kann aber trotzdem das Prädikat „überirdisch schön“ verliehen werden.    

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Teaserbild: HKMV im Dortmunder U 2014, Jetzt helfe ich mir selbst, Videostill aus „Astronaut Tip: How to Wash Your Hair in Space“, Youtube-Kanal: VideosFromSpace     

 

Die Ausstellung im Dortmunder U

Wie bräunt man ein Toast ohne Toaster? Wie zählt man auf Finnisch? Und wie küsst man richtig gut? Antworten auf diese Fragen gibt’s bis zum 31. August im Dortmunder U. Bis dahin läuft die Ausstellung „Jetzt helfe ich mir selbst – Die 100 besten Video-Tutorials aus dem Netz“ noch. Veranstaltet wird sie vom Hartware MedienKunstVerein, die Auswahl der Tutorials erfolgte in einem Seminar der Fakultät Kulturreflexion der Universität Witten/Herdecke. Der Eintritt ist kostenlos.