Gewürzbrise beim Ramadan-Festival

Weiße Zelt-Hütchen ragen von Weitem wie Minarette in die Luft.  Tücher und orientalische Hängelampen baumeln von den Tischen, ein Pärchen trinkt frisch aufgebrühten Apfeltee aus verzierten Gläsern – das zweite Festi Ramazan zur Feier des Fastenbrechens bringt auch in diesem Jahr viele unterschiedliche Menschen zusammen. Einen Monat lang kann nun jeder in Dortmund die türkische Ess- und Lebensart kennenlernen – und die Gastfreundschaft der Menschen dort.

Ilknur aus Bochum verkauft frische türkische Gewürze und Nüsse. Foto: Carolin Weische

Ilknur aus Bochum verkauft frische türkische Gewürze und Nüsse. Fotos und Teaserbild: Carolin Weische

Würden Gewürze die Luft färben, wäre der Himmel über dem Remydamm chilirot und minzgrün. Ständig weht ein neues Gewürz dazu, Petersilie und Thymian, Bergblumen und Paprika. Der Grill pustet Lamm und Schaf dazu. Seit Samstag tummeln sich auf dem asphaltierten Platz hübsch gemusterte Gewänder neben Hot-Pants, Kopftücher neben Kappen – einen Monat lang. „Ich vermisse die Türkei nicht, wenn ich hier bin“, sagt Mit-Organisator Rico Costarica. „Wir wollen den Orient nach Dortmund holen, das ist Urlaub hier, vor allem für Familien, die sich den Kurz-Trip in die Türkei nicht leisten können.“ Das Festi Ramazan in Dortmund ist das Größte in ganz Europa – nach seinem großen Bruder in Istanbul. Dort kommen die Menschen seit 75 Jahren am Ramadan zusammen.

Rico Costarica hat das Festi Ramazan gemeinsam mit neun Männern aufgebaut.

Rico Costarica hat das Festi Ramazan gemeinsam mit neun Männern aufgebaut.

„Wir wachsen“, sagt Veranstalter Ergün Özkara. Denn im letzten Jahr fand das Festival noch im Fredenbaumpark statt. Dieses Jahr sind knapp 40 Quadratmeter hinzugekommen. „Und jeder ist willkommen – egal, an was er glaubt. Hier sollen alle ins Gespräch kommen und zusammen essen oder stöbern.“ Manche kommen sogar extra aus Dänemark oder Österreich hierher.

Der türkischer Fernsehsender atv sendet sogar täglich 30 Minuten live vom Festi Ramadan in Dortmund, erzählt Ergün Özkara. Unter einem weißen Zelt-Hütchen schnippeln ein Franzose, ein Bayer und ein Türke zusammen Gemüse und grillen Lammspieße. Eine ältere Dame verkauft selbstgemachtes Manti – Teigblätter mit Hackfleisch, Joghurt und Tomatensauce. Ein Mann stampft Eis in großen Kübeln. Einige sind mit ihrem Essens-Stand sogar extra aus der Türkei angereist.

Auf dem Ramadan-Festival konnte man auch orientalische Hängelampen kaufen.

Auf dem Ramadan-Festival gab es auch orientalische Hängelampen zu kaufen.

Eyup Inal fährt jeden Tag von Duisburg nach der Arbeit zum Festi Ramadan. „So eine gute osmanische Küche gibt es hier nirgendwo sonst.“, sagt er.  „Heute habe ich Tantuni, einen Obstbecher und Künefe gegessen.“ Sein Schwager Umut verkauft hier frisch gepressten Orangensaft. „Ich kenne hier auch das ein oder andere Gesicht, da lohnt sich die Feierabend-Runde über den Platz. Und meine Frau ist froh: die braucht nicht zu kochen“, erzählt Eyup lachend.

Als die Sonne um fünf vor zehn hinter die Bäume am Remydamm rutscht, trudeln immer mehr Menschen um die Tische. Essenszeit. Die Familien sitzen zusammen und leiten das gemeinsame Mahl mit einem Schluck Wasser und ein paar Datteln ein. Denn heute beginnt der Ramadan im Islam. Eyup und Umut fasten nicht mit. „Den ganzen Tag lang nichts essen und trinken, puh, und das bei der Hitze, nee“, sagen sie. Und was morgen auf dem Teller liegt, wissen sie auch noch nicht. „Bei den meisten ploppt bei dem Wort „Osmanische Küche“ direkt ein Döner im Geiste auf, dabei haben wir ganz andere Spezialitäten, Eintöpfe zum Beispiel oder gefüllte Auberginen und Paprika“, erzählt Festi Ramazan-Helfer Rico Costarica.

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