Uni und Arbeit: Ein Spagat

Foto: pixelio/S. Hofschläger

Wer arbeitet und zur Uni geht, verliert bei dem Spagat schonmal sein Privatleben.

Chris ist 24 und Maschinenbaustudent in Bochum. Er hat schon so einige Jobs hinter sich, angefangen als Mitarbeiter im Stadion ging es weiter mit Zwischenstopps in einer Tankstelle und einem Tanzcafe, „doch da lief es irgendwann nicht mehr gut“. Schließlich landete er als Werkstudent – so nennt es sich, wenn man bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten darf – in einem Modeladen in der Dortmunder Innenstadt.

Dort arbeitet er nun schon seit einigen Monaten mal mehr, mal weniger zufrieden, doch anstrengend ist es immer. Denn eigentlich lässt es sein Stundenplan nicht zu, dass er zwei bis drei mal die Woche von der Uni früher verschwinden muss, um Pullover zu falten und Kunden zu beraten.

„Mit Wochenende ist da meistens nicht viel“

Klar kann es auch Spaß machen, wenn man mit netten Leuten zusammenarbeitet, meint Chris. „Aber da muss man auch Abstriche machen können, mit Wochenende ist da meistens nicht viel!“ Denn wer studiert und gleichzeitig arbeitet, hat eine voll gepackte Woche. Wenn keine Vorlesungen in der Uni anstehen, ist für Chris meistens arbeiten angesagt, da er auf das Geld angewiesen ist und keine private Unterstützung bekommt. Und auch, wenn andere längst das Wochenende genießen, pendelt Chris wieder nach Dortmund, um seinen Pflichten nachzugehen. „Das ist immer das Ärgerlichste! Alle anderen gehen feiern und man selbst hat die ganze Zeit im Hinterkopf, dass man am nächsten Tag wieder arbeiten muss!“

So oft wie er arbeiten muss, gehört das Aufbügeln von T-Shirts für Chris schon zur Routine. Foto: Stefanie Müller.

So oft wie er arbeiten muss, gehört das Aufbügeln von T-Shirts für Chris schon zur Routine. Foto: Stefanie Müller.

Wenn Chris so erzählt, merkt man, dass ihm eigentlich alles schon längst über den Kopf gewachsen ist. Maschinenbau sei nicht leicht, sagt er, und beanspruche eigentlich, wenn man es mit gutem Gewissen studieren will, mehrere Stunden Vor- und Nachbereitung zu Hause. Doch gleichzeitig würde im Laden erwartet, dass man sich neben der eigentlichen Tätigkeit, nämlich Aufräumen, Kassieren und Kunden beraten, auch noch über alle möglichen Hintergründe des Unternehmens informiert und über alles genau Bescheid weiß. „Manchmal wird vergessen, dass man ‚hauptberuflich’ eigentlich Student ist“, bemängelt er. Da bleibt das Studium schon mal auf der Strecke, denn wie es so schön heißt: Ohne Moos nix los. Anfangs bekam Chris BAföG, doch das wurde ihm gestrichen, da er es zeitlich nicht schaffte, alle Kurse unterzubringen und somit schnell dem Zeitplan hinterher hinkte. Und wie sieht es aus mit Praktika? „Dafür hab’ ich keine Zeit. Schließlich kann ich auf der Arbeit nicht einfach mal eben so sagen ‚so, jetzt kann ich erstmal ein paar Wochen nicht kommen’.“

Lenas Arbeitsplatz ist der Schreibtisch mit PC - praktisch für ihr BWL-Studium. Foto: Stefanie Müller.

Lenas Arbeitsplatz ist der Schreibtisch mit PC - praktisch für ihr BWL-Studium. Foto: Stefanie Müller.

„Eigentlich wollte ich hauptsächlich Geld verdienen“

Zumindest in dieser Hinsicht hat Lena (21), Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Uni Duisburg-Essen, einen großen Vorteil. Sie jobbt zweimal in der Woche sechs Stunden in einem Kreditinstitut in Essen und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Geld verdienen und Erfahrungen sammeln. „Eigentlich wollte ich hauptsächlich Geld verdienen, aber dann dachte ich mir, dass es doch sinnvoll wäre, gleichzeitig etwas zu machen, was mit meinem Studium zu tun hat. Vor allem weil ich auch keine Zeit für Praktika habe.“ Und auch, wenn Lena jetzt schon weiß, dass sie in diesem Bereich später nicht arbeiten will, ist sie froh, diesen Job zu haben. „Ich werde richtig integriert, zum Beispiel bei Meetings. Dann ist es echt lustig zu sehen, wie die Kollegen zum Beispiel Theorien, die ich im Studium lerne, praktisch anwenden.“ Doch auch sie weiß, dass es nicht immer einfach ist. „Vor allem in der Klausurenphase fällt es mir schwer, beides miteinander zu vereinbaren. Zum Glück sind meine Kollegen so flexibel, dass ich auch einfach mal Bescheid sagen kann, wenn ich es nicht schaffe.“

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