Über einsame Socken und andere denkwürdige Tage

Es gibt einen Weltgesundheitstag, den Welttag der Pressefreiheit und einen internationalen Tag gegen Menschenhandel – aber auch den Tag der Weinbergschnecke, den des Apfelkuchens und der Linkshänder. Am Dienstag, den 9. Mai 2017, ist der Tag der verlorenen Socke. Ein Anlass, um das Mysterium der verlorenen Socken ein für alle Mal aufzuklären. Und über den Sinn und Unsinn von skurrilen und weniger skurrilen Gedenktagen nachzudenken.

Dass dem unerklärlichen Phänomen der verschwundenen Socke ein ganzer Tag gewidmet wurde, haben wir zwei Hausfrauen aus Großbritannien zu verdanken. Cosy Sox und Fanny Day wurden stetig mit eben diesem Problem konfrontiert und beschlossen am 9. Mai 1998 den „Lost socks memorial day“ zu zelebrieren. An diesem Tag trugen die Britinnen die übrig gebliebenen Einzelsocken und riefen dazu auf es ihnen gleich zu tun. Der Aktionstag verbreitete sich bald auch in anderen europäischen Ländern, denn das Problem der verschwundenen Socken ist weitreichend und betrifft nahezu jeden Haushalt.

Übeltäter Waschmaschine

Die Partner zu den armen Strickprodukten verschwinden meist auf unerklärliche Weise in der Waschmaschine oder im Trockner. Das Gegenstück bleibt nutzlos zurück. Es gibt die haarsträubendsten Begründungen für dieses Phänomen, und so mancher Haushalt hat wohl seine ganz eigene Geschichte parat. Vom Sockenmonster über die diebische Katze bis hin zur Sockenindustrie selbst.

Die Waschmaschine ist meist der Schuldige
Foto: Alasdair Nicol mit CC-Lizenz

Detlef Zirklewski ist Fachmann für die Reparatur von Haushaltsgeräten in Dortmund und hat häufig mit dem Sockenproblem zu tun. Von Sockenmonstergerüchten hält er nichts, denn es gibt eine ganz logische Erklärung: „Die Socken werden häufig von den anderen Kleidungsstücken an die Waschtrommel gedrückt und rutschen zwischen Trommel und Bottich in den Schlauch.“ Von dort geht die Reise der Socken weiter durch den Schlauch über den Heizungsschlitz ins Flusensieb. Zirklewski weiß auch, wie man die Socken zurückbekommt: „Das Flusensieb kann man einfach und ohne Werkzeug öffnen und die Socken wieder herausholen.“ Es befindet sich an der Vorderseite der Waschmaschine, direkt unter der Waschtrommel.

Wie in einigen Haushaltsratgebern beschrieben, lösen sich die Socken nicht auf oder verschwinden durch den Abfluss. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Socken die Waschmaschine verstopfen, ist ebenfalls sehr gering“, so Zirklewski. Single Socken können also aufatmen, denn es gibt eine Möglichkeit ihren Partner wiederzufinden. Und so schlimm es ist, wenn man die Socken verliert, so schön ist es dann, wenn man den Partner nach Jahren wiederfindet und dieses perfekte Bündel endlich wieder vereint im Schrank liegt oder die Füße schmückt.

Errungenschaften feiern und Missstände anprangern

Fast jeder Tag im Jahr ist einem anderen Thema gewidmet. PR-Agenturen, Verbände oder Vereine etwa rufen immer neue Kalendertage aus, die mal mehr oder weniger sinnvoll sind. Geht es allerdings um historische oder gesellschaftlich bedeutende Gedenktage, dann zeichnet sich meist die UNESCO Kommission dafür verantwortlich. Sie hat die Ernennung institutionalisiert und bestimmt alle zwei Jahre neue Daten. In Deutschland ist dafür das Regionale Informationszentrum der Vereinten Nationen für Westeuropa (UNric) verantwortlich. UNric wählt auf Vorschlag der Mitgliedsstaaten wichtige Ereignisse und Themen aus und fasst diese in einem internationalen Kalender zusammen.

Einen Gedenktag bei UNric zu etablieren ist gar nicht so einfach und unterliegt einem langwierigen Prozess. Einzelpersonen können Thementage ausrufen, sie müssen allerdings von NGOs oder Vereinen unterstützt werden. Diese können sich dann an die Bundesregierung wenden und ihren Vorschlag einreichen. Als nächsten Schritt müssen sich andere Bundesländer der Idee anschließen und erst dann wird die Idee der UNESCO Kommission vorgetragen. Der Kalender über Gedenktage der UNESCO enthält beispielsweise den Weltkrebstag (4. Februar), den internationalen Tag des Glücks (20. März) sowie den Weltwassertag (22. März). Sinn der Gedenktage ist es, Errungenschaften zu feiern, Missstände anzuprangern, Bewusstsein zu wecken. Die Länder sind an den Gedenktagen aufgerufen für diese zu werben und auch die UNESCO wirbt auf ihrer Internetseite für verschiedenste Veranstaltungen, Vorträge oder Literaturempfehlungen, die mit dem Tag in Verbindung stehen. Ein Maximum an Gedenktagen für ein Datum gibt es nicht, aber es wird darauf geachtet, dass sich mehrere Gedenktage nicht widersprechen.

Der Tag der verlorenen Socke ist mit Sicherheit nicht so bedeutend wie der Welt-Aids-Tag, er zeigt uns aber zumindest, dass wir mit unseren alltäglichen Problemen nicht alleine sind. Die verlorene Socke ist ein Thema, das uns alle eint, egal ob die Socken von Gucci, oder vom Discounter, durchlöchert oder selbstgestrickt sind. 

 

Es braucht nicht immer zwei Socken

  • "Ich kaufe mir grundsätzlich nur schwarze Socken, und wenn ich dann eine verliere, bringe ich die übrig gebliebene mit ihr zusammen. Das ist dann so ein bisschen wie Elitepartner für Socken, die verstehen sich auch meistens ziemlich gut. Wenn dann doch mal eine Socke alleine bleibt, nehme ich sie mit zum Camping, falls mir das Toilettenpapier ausgeht." Boris Grafmann (25), studiert Architektur.

Beitrags- und Teaserbild: flickr.com/Imogen Hardy lizenziert nach Creative Commons