PCB-Prozess beginnt in Dortmund

Dortmund. Die Dortmunder Entsorgungsfirma Envio soll laut Staatsanwaltschaft jahrelang unter massiver Vernachlässigung von Vorsichtsmaßnahmen PCB-verseuchtes Material vertrieben haben. Heute begann unter großem Medieninteresse am Landgericht Dortmund der Prozess gegen vier frühere Verantwortliche von Envio. Der Umgang mit PCB-verseuchten Materialien in der Entsorgungsfirma sorgte für einen bundesweiten Umweltskandal.

SPIEGEL ONLINE berichtet von der Kontamination von 51 Mitarbeitern mit dem hochgiftigen PCB, weil grundlegende Arbeitsschutzmaßnahmen nicht vorhanden gewesen seien. Es seien bis zu 21.000 mal höhere PCB-Konzentrationen als im Bundesdurchschnitt festgestellt worden. Die WAZ berichtet von traumatisierten und arbeitsunfähigen Mitarbeitern, die neben der konkreten medizinischen Hilfe häufig auch therapeutische Behandlung bräuchten. Der Hauptvorwurf in der Verhandlung ist indes die Schädigung der Mitarbeiter. Den Angeklagten wird laut WAZ seitens der Staatsanwaltschaft vorsätzliche Körperverletzung von 51 Mitarbeitern,  sowie die Herbeiführung einer schweren Umweltstraftat vorgeworfen. Für den Prozess sind 14 weitere Verhandlungstage geplant.

Die Folgen des PCB-Skandals auf Mensch und Umwelt sind Gegenstand vieler Untersuchungen. Zur Belastung des Dortmund-Ems-Kanals mit PCB spricht der Diplom-Biologe Dr. Michael Möhlenkamp vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V. gegenüber der pflichtlektüre von einer „gewissen Entwarnung“. Er berichtet von Untersuchungen, die gemeinsam mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurden, bei denen keine Überschreitung der Höchstwerte festgestellt worden seien. Ein Zusammenhang der PCB-Muster bei Fischen zum Entsorgungsbetrieb habe nicht festgestellt werden können. Infoseiten für besorgte Bürger Dortmunds zu den Messergebnissen sind online zu finden. Der Abschlussporozess gegen die ehemaligen Verantwortlichen ist für den 10. August angesetzt.

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