Legale Wände für Graffiti in Essen

Essen. Seit dem Wochenende gibt es in Essen 12 neue Standorte, an denen offiziell Wände mit Graffiti besprüht werden dürfen. Diese hat das Jugendamt zusammen mit Vertretern aus der Sprayerszene ausgewählt.

Am letzten Samstag startete das Projekt „Hall of Fame“ an einer Autobahnwand am Weiglehaus nahe der Essener Innenstadt. Ziel des Projektes ist es, illegale Schmierereien an Häuserwänden zukünftig zu vermindern. An den 12 neuen Standorten sollen sich die Sprayer dann ganz legal austoben können. Gerd Dubiel vom Jugendamt Essen erklärt: „Erfahrungen in anderen Ruhrgebietsstädten wie Bochum oder Hagen haben gezeigt, dass das Angebot von legalen Flächen die illegalen Graffiti reduziert.“ In Essen gab es bisher kaum vergleichbare Projekte.

Graffiti seien keine Graffiti, wenn sie nicht illegal sind, sagte ein Sprayer bei einer Podiumsdiskussion im Essener Café Zentral. Das Projekt soll allerdings vor allem die Sprayer ansprechen, die ihre Graffities als Kunst sehen. Eine der neuen Flächen gibt es zum Beispiel im Bereich der Zoll- und Helenenstraße, die die Firma Thyssen-Krupp zur Verfügung gestellt hat. Nur an wenigen Standorten darf allerdings wild gesprüht werden. Meistens muss man vorher mit den Betreuern der jeweiligen Flächen sprechen. Dies sind teilweise Eigentümer, aber auch ältere Sprayer aus der Szene.

2 Comments

  • Andreas sagt:

    Es ist ja eine schöne Sache, wenn das Jugendamt Essen sich so für Sprayer einsetzt. Mir persönlich gefallen die mitunter subtilen Kunstwerke. Doch wage ich zu bezweifeln, dass das Bemühen vom Jugendamt Essen dazu geeignet ist, Schmierfinke davon abzuhalten, privates Eigentum vollzuschmieren. Das Angebot der erlaubten Sprühflächen spricht wohl nur jene an, die von Haus aus bereit sind, sich an Recht und Ordnung zu halten und das private Eigentum Fremder zu achten. Jene, die keinen künstlerischen Anspruch für ihre Graffitiwerke beanspruchen, werden nach wie vor an Häuserwänden schmieren. Vielleicht wäre das Jugendamt Essen gut daran beraten, Familien mehr Geld zur Verfügung zu stellen, damit Familien sich gemeinsame Aktivitäten leisten können und damit ein Elternteil sich tagsüber um die Erziehungsarbeit kümmern kann, anstatt zu arbeiten. Denn mit nur einem Gehalt bringt man heute kaum noch eine Familie durch und kann sich gleichzeitig noch einige Familienausflüge im Jahr leisten. Hätte eine Familie mehr gemeinsame Qualitätszeit, würde man zukünftig Ghettorisierung verhindern und Kindern mehr Perspektiven ermöglichen. Doch was vom Jugendamt Essen zu beobachten ist, scheint zumindest gegenteilig zu sein. Mit dem Image einer wohlmeinenden Dienstleistungsbehörde für die Familie hat das alles nicht viel zu tun. Servus, Andreas

  • Bomber sagt:

    Wie gehabt: Es geht nach wie vor um angebliche Kriminalprävention, nicht um die Sache/Kunst. Schade. Jetzt dürfen wir älteren uns um darum kümmern, das Ziel nicht erreicht zu haben und pseudopädagogisch einzugreifen. Ein Kniefall vor Eigentum und totverwaltetem Leerstand über international gesteuerte steuerliche Abschreibungen großer Konzerne und vermeintlicher „Investoren”. Danke schön. Hauptsache mit die Hand aufhalten und einem toten Gaul versuchen wieder Leben einzuhauchen .
    Zeit zwischen Recht haben und Recht bekommen endlich einen Schlußstrich zu ziehen und anzuerkennen, das a.) sehr viele Graffitiwriter, auch Graffitikünstler sind und b.) wir viele sind (wie man an der Menge der Arbeiten im öffentlichen Raum sieht) und c.) es mehr als nur ein Trend ist, sondern ein kultureller Bestandteil und als nonkommerzielle Antwort auf Werbung und Konsum gelten darf.

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