Buchtipp: Interview mit dem Tod

Jürgen Domian hat sich in seiner 1LIVE-Talksendung schon mit mehr als 20.000 Menschen unterhalten. Thematisch war fast alles dabei: Liebe, Arbeit, Sexualität oder auch Gesundheit. Und auch um den Tod ging es immer wieder – um das Sterben und das Leben danach. In einem fiktiven Interview hat Domian nun dem Tod existentielle, aber auch persönliche Fragen gestellt und überraschende Antworten bekommen. In seinem sehr persönlichen Buch „Interview mit dem Tod“ erzählt der Autor aber auch von eigenen Erfahrungen mit dem Tod.

„Über nichts habe ich so viel, so oft, so kontrovers, so verzweifelt nachgedacht, wie über die Endlichkeit“, schreibt Domian auf der ersten Seite seines Buches „Interview mit dem Tod“. Nicht die Liebe oder der Erfolg seien das Thema seines Lebens, berichtet er, sondern der Tod. In seinem Buch tritt er den Beweis an: Er schreibt von seiner Vergangenheit und gibt dem Leser einen sehr persönlichen Einblick in sein Leben. Schon als 13-jähriges Kind macht Domian sich darüber Gedanken, warum Menschen sterben müssen und ob tote Kinder im Jenseits erwachsen werden. Angst vor dem Tod hat er da noch nicht: Sein christlicher Glaube gibt ihm Halt, denn Gott hat auf alles eine Antwort. Dann der Wendpunkt mit 20 Jahren: Domian liest Werke von den Philosophen Nietzsche und Feuerbach und seine Einstellung ändert sich komplett. Er glaubt nicht mehr an Gott, wird vom strengen Christ zu einem fanatischen Atheist. Doch schon bald merkt er: Die Ansicht der Atheisten, dass mit dem Tod alles zu Ende ist, teilt er nicht. Von da an macht er sich auf die Suche nach Antworten, liest viele Bücher von Kant und anderen Philosophen und sucht Kontakt zum Tod.

Interview mit dem Tod ist das dritte Buch von Jürgen Domian.

"Interview mit dem Tod" ist das dritte Buch von Jürgen Domian. Foto: Vivien Schütz

Domian ganz nah

Bereits auf den ersten Seiten wird deutlich, wie viel Raum der Tod in Domians Leben tatsächlich eingenommen hat und noch immer einnimmt. So schreibt er von seinen vielen Spaziergängen auf Friedhöfen, seiner intensiven Lektüre des Tibetischen Totenbuches, seinem Besuch bei einem Medium und zahlreichen Gesprächen mit Menschen, die Nahtoderfahrungen hatten. Außerdem macht er seine Meinung zur Sterbehilfe deutlich und erklärt den Unterschied zwischen Palliativstationen und Hospizen. Auch über die Todesfälle in seinem Freundeskreis und seiner Familie erfährt der Leser viel. So berichtet Domian emotional, aber nicht kitschig vom Tod seines Vaters und seinen letzten Tagen in einer Palliativstation.

Ein Kapitel, ein Interview

Zwischen den persönlichen Einschüben, sind die Interviewpassagen mit dem Tod beschrieben. Domian lässt kaum eine Frage offen und hakt immer wieder nach: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Was ist Zeit? Wie steht der Tod zur Sexualität? Dabei ist Domian kein neutraler Interviewer, sondern lässt auch Gefühle zu.

Viele Interviewpassagen sind sehr abstrakt, teilweise auch verwirrend. Als Domian den Tod nach der Existenz von Gott fragt, antwortet der Tod: „Es gibt einen, jedoch könnte ich auch sagen, es gibt tausend.“ Dass es darauf keine allgemeingültige, für jeden perfekte Antwort gibt, ist dem Leser zwar klar, aber noch unkonkreter hätte die Antwort nicht sein können. Als Domian noch einmal nachfragt, was Gott denn dann genau sei, gleicht die Antwort des Todes, Gott sei „Nichts“,  fast schon einer Nullaussage und lässt den Leser mit seiner Interpretation allein.

Tiefgründig, persönlich und interessant

„Interview mit dem Tod“ ist ein ernsthaftes und tiefgründiges Buch, das aber trotz des Themas nicht melancholisch und traurig stimmt, sondern gut zum Nachdenken anregt. Über das Sterben, Liebe oder auch Karma: Themen, die im Alltag oft zu kurz kommen.

Während die Interviewpassagen sehr philosophisch, und dadurch auch teilweise schwer zu verstehen sind, sind die Einschübe dazwischen sehr persönlich, emotional und nah am Leben. Dieser Kontrast macht das Buch sehr abwechslungsreich und interessant.

„Interview mit dem Tod“ ist nicht das erste Buch von Domian, aber das persönlichste. In seinen anderen zwei Romanen erzählt er die Geschichte von zwei Menschen, denen etwas Phantastisches passiert. So geht es in seinem ersten Roman „Der Tag, an dem die Sonne verschwand“ um den letzten Menschen auf der Erde und in seinem zweiten Roman „Der Gedankenleser“ um jemanden, der nach einem Blitzschlag die Gedanken seiner Mitmenschen hören kann.

Fazit: „Interview mit dem Tod“ ist ein guter Mix aus persönlichen Geschichten, philosophischen Exkursen und einem tiefgehenden Frage-Antwort-Spiel mit dem Tod.

5 Comments

  • Lorenz sagt:

    Gedanken über das Sterben, den Tod habe ich mir vier Jahre lang gemacht. Wer sagt denn das das Leben nicht der Tod ist und der Tod nicht das Leben? Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt sich jeder. Es gibt keinen. Das Leben ist eine Bürde die du zu tragen hast nur weil du geboren wurdest. Mach das Beste daraus. Es haben schon soviele Menschen gelebt…na und. Unvergessen,steht auf jedem zweiten Grabstein, LÜGE! Ich lese viele alte Bücher, die Lebensweisheiten von Gelebten geschrieben wurden. Sehr hilfreich. Die Genies haben schon gelebt. Ich bin nicht gläubig, aber das Wort Erlösung macht Sinn.

  • Anna sagt:

    Früher konnten Redakteure und Redakteurinnen Deutsch, heute sieht das so aus:

    Zitat aus dem obigen Artikel:
    „… wird vom strengen Christ zu einem fanatischen Atheist.“

    Schon mal was von Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ gehört? Das sind die vier Fälle im Deutschen, die sollte man doch wenigstens beherrschen, wenn man das Schreiben zu seinem Beruf machen will.

    Peinlich.

    (Ach so, richtig müsste es heißen: „… wird vom strengen Christen zu einem fanatischen Atheisten.“ Normalerweise müsste man das wissen, aber ich schreibe es sicherheitshalber noch mal hin. Die Jugend von heute ist wohl eher vom Englischen geprägt und überträgt das aufs Deutsche, ohne darüber nachzudenken.)

  • Alexa Sommer sagt:

    Sterben ist das einzige, was wir alle gemein haben. Und auch das einzige, das wir definitiv nicht entschlüsseln können. Domain setzt sich auf seine Art damit auseinander und versucht Antworten von jemanden zu kriegen, der sich nicht in die Karten schauen lässt. Trösten kann er nicht und auch keine Ängste nehmen, das kann keiner. Aber mich tröstet es, dass da noch andere sind, die sich Gedanken machen und genau wie ich ruhelos mit dem Thema umhergehen. Ich habe einen sehr lieben Menschen verloren und die Arbeit von Palliativärzten mehr als schätzen gelernt.
    Ich finde es schwierig etwas so persönliches zu bewerten, da es sich auch um ein schwieriges Thema handelt.

  • stefanie heinicke sagt:

    zu Monika Baguena Ellers, es ist sehr wichtig schätzen zu lernen, wenn sich ein Mensch Kraft seines Kopfes und seiner Fähigkeit zu fühlen Gedanken macht und dann den Mut besitzt, das auch aufzuschreiben (denken, fühlen und tun = verstehen); ich glaube dass dieser Autor viel viel verstanden hat, er ist in sein inneres abgetaucht und hat versucht, dort etwas zu finden, was ihm gelungen ist und was uns nur Vorbild sein kann; keineswegs geht es hier um Kopflastigkeit, sondern es geht um verstehen und um einen Ausstieg aus Krankheit……

  • Monika Baguena Ellers sagt:

    Dieses Buch ist sehr kopflastig geschrieben,seine persönliche Sicht…seine Erfahrung aufgrund seiner vielen Gespräche mit Menschen die offensichtlich im Leben stehen ob alt oder jung.Wenn man selber im Sterbeprozess ist, gibt es weder Antwort noch Hoffnung.
    EDas Buch fühlt sich eben kalt und kopflastig an.
    Es kommt nicht klar raus ob er mit sterbenden gesprochen hat….den Prozess des Sterbens lang oder kurzfristig begleitet hat…..auch finde ich seine Zusammenfassung von Kant eher bewertend und seiner Meinung dienend interpretiert…und das tibetische Totenbuch völlig irreführend dargestellt auf drei Seiten zusammengefasst….er sollte mal „der Geist überwindet den Tod “ von Dzogchen Ponlop Rinpoche lesen…er übersetzt das tibetische Totenbuch für unsere Zeit.Das Originalwerk ist wirklich in Metaphern geschrieben und für uns Europäer schwer zu verstehen…der Autor Domian mag ein beliebter Medienstar sein, maßt sich zu häufig in dem Buch an ,etwas verstanden zu haben was ein Mysterium ist ,für dass es keine Worte gibt.Meine Sichtweise ist die einer Krankenschwester ,die mehrere Jahre im amb.und stationären Hospiz gearbeitet hat.Ich habe viele sterbende Menschen begleitet .Bin Mitglied der DGP, war an vielen Diskussionen beteiligt…Bin seit anderthalb Jahren an einem seltenen Krebs erkrankt der schnell fortschreitet….meine Tage sind gezählt.
    Mir ist trotz starker Schmerzen noch nicht der Gedanke gekommen mich zu töten…oder andere durch eine entsprechende Gesetzgebung in die Verantwortung für meinen Freitod zu ziehen.
    Die Gefahr des Mißbrauchs wär mir zu groß (wie man in Holland sieht.)Wenn ich den Freitod will, bräuchte ich mich doch nur einzuschließen und eine Überdosis Morphin zu nehmen.
    Die Palliativmedizin ist in Deutschland schon recht Fortschrittlich ,sehr viel Leid kann vermieden werden.Domian erwähnt nicht mit einem Wort die Möglichkeiten….nicht einmal der finalen Sedierung.Er klärt zu wenig auf. Das macht mich richtig sauer…..

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