RUB revolutioniert Lehrerausbildung

Die Ruhr-Universität Bochum hat mit der Gründung der „Professional School of Education“ (PSE) ihre Lehrerausbildung verändert. Angehende Pauker holen sich ihr Fachwissen wie gewohnt in den Fakultäten. Wie sie Schülern allerdings Algebra besser vermitteln oder zum Lernen von Grammatik, oder Englisch-Vokabeln motivieren, bekommen sie in der neuen Einrichtung beigebracht.

Der Campus in Bochum. Hier gibt es seit September 2010 die "Professional School of Education". Bild: RUB

Die "Professional School of Education" ist im September 2010 am Bochumer Campus gestartet. Foto: RUB

München, Wuppertal, Bochum. Seit dem Wintersemester gibt es die dritte „Professional School of Education“ in Deutschland. Ziel der PSE ist es, die Lehrerausbildung attraktiver zu machen und den Bachelor-Absolventen den Abschluss „Master of Education“ schmackhaft zu machen.

Im Lehramtsstudium gibt es auf der einen Seite die Fachwissenschaften, wie Deutsch oder Mathematik, dazu kommen die jeweiligen Didaktik-Lehrstühle und zudem noch das Pädagogik-Segment – dort müssen die angehenden Lehrer Seminare im Bereich Erziehungswissenschaften besuchen.

Die Lehramtsstudenten lernen also an einer Stelle was sie später lehren und an einer anderen Stelle wie sie lehren. Genau das will die PSE nun ändern. „Lehrerausbildung und Bildungsforschung werden an der PSE nun unter einem Dach gebündelt“, sagt Henning Feldmann, Referent der Geschäftsstelle der PSE.

Zentrale Anlaufstelle für Lehramtsstudenten

Die neue Bündelung der Lehrerausbildung schmälert die Bedeutung der Fakultäten aber nicht: „Die PSE wird nie ohne die Fakultäten arbeiten“ , sagt Feldmann. Im neuen Konzept bleiben die einzelnen Aufgaben an ihren Stellen angesiedelt. Durch die PSE wurde, laut Feldmann, eine zentrale Anlaufstelle für die Lehramtsstudenten geschaffen. Dadurch kann die Organisation besser gebündelt werden.

Beispielsweise soll es ab dem kommenden Sommersemester ein eigenständiges Lehramts-Vorlesungsverzeichnis geben, dass über die PSE abrufbar sein  soll. Den Studenten bringt das den Vorteil, dass sie sich nicht mehr durch die Vorlesungsverzeichnisse auf den Internetseiten der einzelnen Fakultäten wühlen müssen, um ihren Stundenplan zu bauen. Auch bei Prüfungsangelegenheiten können sich die Studenten kompakt über die PSE informieren.

Fabian Berghoff, 23 studiert Geschichte und PWG an der RUB. Foto: privat

Fabian Berghoff studiert Geschichte und PWG an der RUB. Foto: privat

Der Regel-Abschluss an der PSE ist der Master of Education. Dieser ersetzt im Zuge der Bologna-Reform das Staatsexamen. Im Master of Education durchlaufen die Studenten ein Praxissemester, dessen Organisation in den Händen der PSE liegt. Das Praxissemester sieht einen Einsatz in Schulen vor. Dafür hat die Stelle mit Gymnasien und Gesamtschulen der Region eine Kooperation gegründet.

„Durch diese Kooperation können Lernen und Lehren noch näher Hand in Hand gehen“, sagt Feldmann. Die Studierenden können durch das Praxissemester praktische Erfahrungen vor einer Schulklasse sammeln, schon bevor sie ihren Abschluss in der Tasche haben – und diese im weiteren Verlauf ihres Studiums auch reflektieren.

Fabian Berghoff studiert Geschichte und Politik-, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften auf Lehramt an der RUB. Von der PSE hat er selbst allerdings noch nicht viel mitbekommen. Trotzdem findet er das System gut, weil es den Master mit Forschung und eventuellen Promotionsvorhaben verbindet.

„Die fachspezifische Ausbildung könnte leiden“

Auch der Kooperation mit den Schulen und der damit verbundenen Praxis steht der Student positiv gegenüber: „Die bisherige Schulpraxis, die für angehende Lehrer schon im Optionalbereich durch die schulpraktischen Studien absolviert werden muss, wird dadurch sehr gut ergänzt“, sagt Berghoff. Der 23-Jährige sieht aber auch ein Problem: „Was eventuell unter der PSE leiden könnte wäre die fachspezifische Ausbildung, wenn der Anteil der Didaktik im Master ansteigen würde.“

Die PSE, deren Aufbau mit 3,35 Millionen Euro für fünf Jahre vom NRW-Wirtschaftsministerium gefördert wird, soll die Ausbildung künftiger Pädagogen aufwerten und wieder mehr Schüler für den Lehrerberuf gewinnen. Dazu gehört auch die enge Verzahnung von Lehre und Forschung in der Masterphase, die den Studenten den Einstieg ins wissenschaftliche Arbeiten erleichtern soll. Genau das soll den Studenten dann auch schon eine Hilfe für eine eventuelle Promotion sein.

Denn die PSE hat sich auch als Ziel gesetzt, die Anzahl Promotionen zu steigern. Um das zu erreichen, wurde ein Lehrpromotionskolleg eingerichtet. Dort sollen Bildungsforscher und Fachdidaktiker aller Fakultäten der RUB fachübergreifend zusammenarbeiten. Ansprechen soll das Kolleg nicht nur diejenigen, die direkt nach dem Studium promovieren, sondern auch Lehrer, die schon im Job waren und einen wissenschaftlichen Wiedereinstieg wagen wollen.

Prof. Dr. Peter Drewek ist Dean der PSE. Foto: Rub

Prof. Peter Drewek ist "Dean", also Dekan der PSE. Foto: RUB, Teaserfoto: pixelio.de / Stephanie Hoschlaeger

„Dean“ Drewek

Geführt wird die PSE von einem so genannten „Dean“, also einem Dekan, der zurzeit Prof. Peter Drewek ist. Er vertritt die PSE nach außen und treibt ihre Vernetzung mit den anderen Institutionen voran. Gewählt wurde Drewek durch ein international besetztes, so genanntes „Advisory Bord“. Dessen Mitglieder kümmern sich unter anderem um die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der PSE in Forschung und Lehre.

An anderen Unis wie beispielsweise in München gibt es bereits „Professional Schools of Education“. Dort sind sie allerdings als eine Fakultät organisiert und koordinieren die gesamte Lehrerbildung für Gymnasien und berufsbildende Schulen in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Die PSE München steht seit 2009 unter dem Motto: „Die Lehrerausbildung soll das Hauptgeschäft der Unis sein“.

Ob die PSE in Bochum das Hauptgeschäft das RUB wird, muss sich noch zeigen. Sie befindet sich aber laut PSE-Referent Feldmann auf einem guten Weg. „Nach ein bis zwei Jahren wird es sicherlich mal einen Kassensturz geben, bei dem wir genau schauen wie es läuft oder was man eventuell noch verbessern muss.“

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