Golden Globes 2017: Meryl Streep
bringt die Stars zum Schweigen

Ryan Reynolds und Andrew Garfield küssen sich innig, Brad Pitt ist wieder unter den Lebenden und Meryl Streep hält eine kämpferische Ansprache gegen Donald Trump: Bei der 74. Verleihung der Golden Globe Awards in Beverly Hills am Sonntagabend kamen ganz unterschiedliche Gefühle auf.

Stars, Glamour und Ehrungen: Normalerweise haben die Golden Globe Awards wenig mit Politik zu tun. Bei einem Galadinner werden die besten Künstler des Vorjahres geehrt, die von etwa hundert internationalen Journalisten, die in Hollywood arbeiten, gewählt wurden. Hauptsächlich geht es dabei um die bunte Filmwelt Hollywoods und eine stilvolle Party. In diesem Jahr allerdings hält Meryl Streep eine tiefgründige Rede, die weltweit diskutiert wird.

Mit den beiden Moderatoren Jimmy Fallon und Ryan Reynolds ist jedoch auch der Spaßfaktor der diesjährigen Verleihung definitiv gesichert, das zeigt schon der Beginn der Veranstaltung. In der Eröffnungsszene sitzt Fallon am Flügel, während sich Reynolds schmachtend dagegen lehnt. Was dann passiert, wäre nacherzählt nur halb so witzig:

Im Laufe des Abends geben sich die beiden größte Mühe, dieses Level zu halten. Während Fallon immer wieder Trump-Gags einbringt, fällt Reynolds besonders durch eine non-verbale Aktion auf: Er küsst seinen Schauspielkollegen Andrew Garfield, als sein Namensvetter Ryan Gosling auf die Bühne geht, um seine Auszeichnung als besten Schauspieler entgegen zu nehmen. Und Reynolds‘ Frau Blake Lively? Die sitzt daneben und lacht herzlich.

Für eine weitere Überraschung sorgt Brad Pitt, der sich seit der Trennung und dem folgenden Streit mit Angelina Jolie kaum noch in der Öffentlichkeit blicken ließ. Bei den Golden Globe Awards allerdings steht er plötzlich wieder auf der Bühne. Mit weniger Haaren, weniger Kilos und dafür umso mehr Charme. Bei seinen Fans, insbesondere Matt Damon, ist die Begeisterung groß.

Obwohl viele Frauen bei den Awards mit ihren langen, auffälligen Kleidern um die Wette glitzern, sticht gerade eine dezent gekleidete Schauspielerin aus der Menge heraus. Evan Rachel Wood entschied sich bewusst dafür, kein Kleid anzuziehen. Sie setzt damit ein klares Statement an alle Frauen.

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Einen neuen Rekord schafft das Musical „La La Land“ von Damien Chazelle mit insgesamt sieben Auszeichnungen. Der Film ist damit der am häufigsten ausgezeichnete Film in der Geschichte der Golden Globe Awards und gilt jetzt schon als heißer Favorit für die Oscars. Mit Emma Stone und Ryan Gosling erzählt das Musical eine Romanze eines Träumerpärchens in Hollywood.

Gewinner in der Kategorie Film

Bestes Filmdrama: „Moonlight“

Bestes Komödie oder Bestes Musical: „La La Land“

Bester Darsteller, Drama: Casey Affleck, „Manchester By the Sea“

Beste Darstellerin, Drama: Isabelle Huppert, „Elle“

Beste Regie: Damien Chazelle, „La La Land“

Bester Darsteller, Komödie oder Musical: Ryan Gosling, „La La Land“

Beste Darstellerin, Komödie oder Musical: Emma Stone, „La La Land“

Bester Nebendarsteller: Aaron Taylor-Johnson, „Nocturnal Animals“

Beste Nebendarstellerin: Viola Davis, „Fences“

Bester Animationsfilm: „Zootopia“

Bestes Drehbuch: Damien Chazelle, „La La Land“

Bester Soundtrack: Justin Hurwitz, „La La Land“

Bester Song: „City of Stars“ aus „La La Land“

Bester fremdsprachiger Film: „Elle“ aus Frankreich

Gewinner in der Kategorie Fernsehen

Beste Serie, Drama: „The Crown“

Bester Darsteller, Drama: Billy Bob Thornton, „Goliath“

Beste Darstellerin, Drama: Claire Foy, „The Crown“

Beste Serie, Musical oder Komödie: „Atlanta“

Beste Darstellerin, Musical oder Komödie: Tracee Ellis Ross, „black-ish“

Bester Darsteller, Musical oder Komödie: Donald Glover, „Atlanta“

Beste Miniserie oder bester Fernsehfilm: „The People v. O.J. Simpson: American Crime Story“

Beste Darstellerin, Miniserie oder Fernsehfilm: Sarah Paulson, „The People v. O.J. Simpson: American Crime Story“

Bester Darsteller, Miniserie oder Fernsehfilm: Tom Hiddleston, „The Night Manager“

Beste Nebendarstellerin, Serie, Miniserie oder Fernsehfilm: Olivia Colman, „The Night Manager“

Bester Nebendarsteller, Serie, Miniserie oder Fernsehfilm: Hugh Laurie, „The Night Manager“

Siegerin des Abends ist trotzdem jemand anderes: Als Meryl Streep mit dem Cecil B. DeMille Award für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wird, hält sie mit heiserer Stimme und Tränen in den Augen eine berührende Rede. Obwohl sie ihn mit keinem Wort erwähnt, wird deutlich, dass es Donald Trump ist, den sie scharf kritisiert. „Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle“, sagt sie sichtlich ergriffen und bringt den Saal, in dem während der restlichen Verleihung reges Gemurmel herrscht, für einige Minuten zum Schweigen. Sie kritisiert Trump unter anderem dafür, einen körperlich behinderten Journalisten nachgeäfft zu haben. „Es hat mein Herz gebrochen, als ich das sah, weil es nicht in einem Film war – es passierte im wahren Leben.“ Prompt reagiert Donald Trump in gewohnter Manier auf Twitter und bezeichnet Streep als überbewertete Schauspielerin.

Mit dieser Rede scheint Streep den Ernst des Lebens auf die Veranstaltung zurück zu holen. Statt die typischen Fragen, wie „Wer hatte das schönste Kleid an?“ und „Wer hat den peinlichsten Auftritt hingelegt?“ interessiert die Welt einen Tag nach der Veranstaltung eher: „Wie viel politische Verantwortung sollte ein Star übernehmen?“

Beitragsbild: flickr.com/StephenDownes unter Verwendung von Creative Commons