Taubensport und Spaß? Was?

Hans Schubert war auch da. Am Wochenende. In den Westfalenhallen. Der gebürtige Hesse hat sich, seinen Zwillingsbruder und seine Federvieh-Bande 250 Kilometer weit bis nach Dortmund kutschiert, um mit dabei zu sein. Auf der – ja, so etwas gibt es! – Deutschen Brieftauben Ausstellung“.

„Bitte was?“ habe Ich geschrien. „Was soll ich denn da?“ „Herausfinden, was an Brieftauben schön sein soll.“ Eine klare Ansage meiner Redakteurin und vor allem eine, mit der ich etwas anfangen konnte. Denn: was bitte ist an diesen Tieren schön? Ich stehe eigentlich nicht so drauf, wenn ich erst eine Viertelstunde lang die Scheibenwischanlage meines Autos auf eine harte Probe stellen muss, bis ich dann endlich mal losfahren kann.

„Nein, die Taube kann doch mehr außer kacken!“ Hans Schubert ist erbost. „Das Tolle ist doch, dass man die Tauben bis zu 600 Kilometer weit wegfährt und da fliegen lässt.  Und wenn dein Tier am Ende als schnellstes unter 15.000 Tauben wieder zuhause ist, das ist das beste Gefühl überhaupt!“

Bestes Gefühl überhaupt? Wenn der BVB gewinnt, genau, oder wenn ich auf ner Achterbahn so richtig in die Sitze gedrückt werde und mich die Fliehkräfte fast aus der Bahn hauen – jaa, richtig! Das ist das beste Gefühl überhaupt!

Glosse Taube2. Foto: fotofun4you / pixelio.de

Zum Verband Deutscher Brieftaubenzüchter gehören rund 64.000 Brieftaubenzüchter, die sich in rund 8.000 Zuchtvereinen organisieren. Teaserbild: Maren Beßler / pixelio.de. Foto: fotofun4you / pixelio.de.

Leidenschaftliche Liebhaber

Irgendwie bin ich erschrocken und fasziniert zugleich. Ich will den Typ Mensch genauer kennenlernen, den Hans-Schubert-Typ. Wer sind diese Menschen, die das Federvieh und den Sport so abgöttisch lieben? Einmal jetzt bitte für Tauben-Verabschäuer und Tauben-Hasser:  „Wie kann das ‚das beste Gefühl überhaupt‘ sein?“, frage ich einen anderen Messe-Besucher.

Warum findet man Tauben und den Sport so faszinierend? „Die Frage ist vielleicht nicht richtig gestellt. Man muss ein Verhältnis zu dem Tier haben. Das ist wie bei dem Menschen: Wenn man ein Verhältnis zu einer Person hat, dann sieht man das aus einer ganz anderen Sicht!“ Ähm…echt?

Hans Schubert bestätigt: „Wenn man mit Tauben aufwächst und sie immer um sich herum hat, dann sind die Tiere wie ein Teil der Familie!“ Ich würde ja gerne nicken und zustimmen und sagen „Ja, kann ich verstehen!“, aber es geht nicht! Brieftaube „Silverstar“ gurrt mich von der Seite an, als wolle sie sagen: „Guck doch mal genau hin, wir sind toll!“ Aber ich kann diese Tierliebe nicht erwidern. „Sorry, ich find‘ euch immernoch langweilig“, antworte ich in Gedanken.

„Man muss das nicht verstehen“

Okay, zugegeben, ihr könnt gut kacken und gut fliegen, und ja, na gut,  ihr habt alle auch irgendwie coole Namen. Ob „Wiener Hochflieger“, „Orientalischer Roller“, oder „Red Badges“ – das hat schon Stil!
Aber nach zwei langen Stunden hab‘ ich genug Brieftauben und Brieftaubenexperten gesehen und gehört, um abschließend festzustellen: Es gibt Langweiligeres als Taubensport, aber es gibt definitiv auch Spannenderes!

Hans Schubert aus Hessen gibt mir zumindest in Teilen sogar Recht: „Man fängt mit Tauben an…und man ist immer davon begeistert, man hat irgendwo einen Virus in sich, man kann kaum aufhören“, sagt er, um nach kurzer Pause lächelnd anzuhängen: „aber man muss das nicht verstehen!“