Traumjob zwischen Hopfen und Malz

Pottrait-Head - Erstellt von Christian Teichmann

Es gibt Berufe, die klassischerweise einem Geschlecht zugeschrieben werden: Erzieherin gilt als weiblicher Beruf, Handwerker als männlicher. Ähnlich ist es auch beim Berufsbild „Bierbrauer“. Bier ist für viele der Inbegriff für Männlichkeit. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Katharina Hauke ist solch eine Ausnahme.

Katharina Hauke vor dem verzierten Besprechungsraum der Brauerei Stauder. Fotos: Emmanuel Schneider

Katharina Hauke vor dem verzierten Besprechungsraum der Brauerei Stauder. Fotos: Emmanuel Schneider / Header: Christian Teichmann

Die 19-Jährige wirkt etwas schüchtern, als sie um die Ecke im Empfangsbereich kommt. Katharina Hauke ist die Henne im Bierbrauer-Korb. Denn sie macht eine Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin in der Essener Privatbrauerei Stauder und ist damit in der klaren Unterzahl. Eine einzige Kollegin hat sie in der Produktion, ansonsten steht die Männerbastion weiterhin.

Doch für Katharina Hauke ist das kein Problem: „Es ist recht angenehm mit so vielen Männer zu arbeiten. Das Arbeitsklima ist entspannter und es gibt auch weniger Rumgezicke.“ Dabei wurde sie auch von ihren überwiegend männlichen Arbeitskollegen positiv aufgenommen. „Die helfen mir auch und packen mit an, wenn etwas nicht klappt“, sagt Katharina Hauke.

Ein gewisser Stolz sich in einem traditionellen Männerberuf durchzusetzen, merkt man der 19-Jährigen Auszubildenden an. Sie lächelt verschmitzt.

Bierbrauerin statt Tierärztin

Wie kommt eine junge Frau überhaupt dazu Bierbrauerin zu werden? „Ich bin durch meine Eltern darauf gekommen“, erzählt

Im Sudhaus wird Malzschrot mit Wasser vermengt. In riesigen Kesseln dreht sich die sogenannte Maische bei Temperaturen von 50-78 Grad Celsius, damit sie nicht klumpt.

Im Sudhaus wird Malzschrot mit Wasser vermengt. In riesigen Kesseln dreht sich die sogenannte Maische bei Temperaturen von 50-78 Grad Celsius, damit sie nicht klumpt.

Katharina Hauke, „die hatten eine Anzeige in der Zeitung gelesen und danach habe ich mich übers Internet deutschlandweit bei Brauereien beworben.“

Zunächst hegte Katharina Hauke wie viele andere Mädchen auch den Wunsch, Tierarzthelferin zu werden. Ein Praktikum verschaffte ihr aber Klarheit. Das sei eben doch nicht ihr Ding gewesen. Dafür zeigte ihr ein weiteres Praktikum in einer kleinen Bierbrauerei, dass es in diese Richtung geht. „Das hat mich sehr interessiert und viel Spaß gemacht“, sagt Katharina Hauke.

Dort hatte man ihr empfohlen, sich für eine kleinere oder mittelständische Brauerei zu bewerben. Katharina Hauke kommt aus dem Sauerland, einige große Brauereien sind bei ihr um die Ecke angesiedelt. Dennoch entschied sie sich für eine kleinere Nummer. „Hier lernt man noch mehr Handwerkliches“, so Katharina Hauke. Ihre Ausbildung begann im Sommer 2010. Sie zog dafür extra aus ihrer Heimat im Sauerland in die Großstadt Essen. Eine große Umstellung, zumal Katharina Hauke in einem kleinen Dorf mit 1.200 Einwohnern aufgewachsen ist. „Mir gefällt es hier aber auch gut“, fügt sie hinzu. Im Sommer 2013 ist ihre Ausbildung vorbei. Wie es danach weitergeht ist noch nicht sicher. „Vielleicht werde ich übernommen, das würde mich sehr reizen“, sagt Katharina Hauke.

Blockunterricht in der Berufsschule

Zwei der wichtigen Grundzutaten: Hopfen und Malz

Zwei der wichtigen Grundzutaten: Hopfen und Malz.

An ihrem Beruf weiß sie vor allem die Vielseitigkeit zu schätzen: „Man lernt den kompletten Weg der Produktion kennen.“ Sie ist fasziniert davon, was man aus den vier Rohstoffen Hopfen, Malz, Wasser und Hefe alles herstellen kann. Obwohl sie die gleichen Rohstoffe beinhalten, schmecke jedes Pils anders.

Sudhaus, Gär- und Lagerkeller, Filtration und Abfüllung – Katharina Hauke durchläuft alle Stationen der Bierbrauerei. Derzeit ist die Auszubildende im Labor beschäftigt. Ihre Aufgaben dort:

Proben analysieren, Stammwürze- und Alkoholgehalt bestimmen und Rückstellproben bewahren. Damit die Auszubildenden das nötige fachliche Rüstzeug erwerben, besuchen sie in regelmäßigen Abständen die Berufsschule. In Blöcken von jeweils sechs Wochen geht sie zum Unterricht in die Bierstadt Dortmund. Hier ist die einzige Berufsschule in NRW, die dieses Angebot hat. Auf dem Unterrichtsplan stehen dort zum Beispiel die Rohstoffe bis hin zur Abfüllung des Bieres. Dazu haben die Schüler dort eine eigene kleine Brauerei. „Wir können dann das Bier in den verschiedenen Stadien probieren“, sagt Katharina Hauke.

Im Maischefilter werden die festen von den flüssigen Bestandteilen getrennt.

Im Maischefilter werden mit Filtertüchern die festen von den flüssigen Bestandteilen getrennt.

Im Betrieb habe sie aber noch mehr Spaß als in der Schule. Und das merkt man ihr auch an: Fachmännisch führt Katharina Hauke den interessierten Besucher durch die verschiedenen Stationen im Bierbetrieb und kann dazu viel erzählen. Die junge Auszubildende kann exakt erzählen, in welchen Schritten Bier entsteht. Ohne Chemie-Leistungskurs hört sich das kompliziert an.

Kein Wunder also, wenn Katharina Hauke potenziellen Bierbrauerinnen empfiehlt, ein Interesse für Bio, Chemie und Mathematik zu haben. Morgenmuffel hingegen sollten es sich gut überlegen, eine Lehre als Bierbrauer oder Bierbrauerin anzutreten. Denn oft muss man sehr früh morgens anfangen zu arbeiten. Auch die verschiedenen Temperaturen könnten einem zu schaffen machen. „Im Sudhaus sind es so 20-25 Grad und im Gärkeller so 5-10 Grad.“, erklärt die 19-Jährige.

Verwandte und Freunde sind begeistert

Ihr Umfeld hat ihren Job bisher sehr positiv aufgenommen. „Meine Eltern, vor allem mein Vater sind sehr begeistert“, sagt sie und lacht. Auch ihre Freunde finden ihre Berufswahl gut, dumme Sprüche oder Anspielungen muss sie sich nicht anhören. Nur Aufklärungsarbeit musste sie anfangs leisten: „Viele dachten es heißt Bierbräuerin, ich musste dann immer erklären, dass es Brauerin heißt ohne „ä“.“

Am Ende rattern die Flaschen an der Abfüllung vorbei. Anschließend geht es per Kisten und LKW zum Kunden.

Am Ende rattern die Flaschen an der Abfüllung vorbei. Anschließend geht es per Kästen und LKW zum Kunden.

Zum Schluss kann noch eine Frage geklärt werden, die wohl vielen unter den Nägeln brennt. Wie viel „Freibier“ bekommt eine Mitarbeiterin in einer Brauerei? Katharina Hauke blickt unsicher zur Kollegin. Ob sie das denn sagen dürfe? „Ja klar“, sagt die Kollegin. Katharina Hauke klärt auf: „Wir bekommen 40 Liter Haustrunk im Monat.“ Die trinkt Katharina Hauke allerdings nicht ganz alleine – sie bringt das Essener Bier ihrer Familie im Sauerland mit.

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