Ausländische Studenten in Geldnot

Zu wenig Zeit zum Jobben, die Miete ist mal wieder fällig und dann auch noch die Studiengebühren: deutsche Studenten klagen oft über ihre Finanzlage. Dabei geht es ihnen geradezu rosig – zumindest im Vergleich zu ihren ausländischen Kommilitonen. Fast 8.000 Euro müssen ausländische Studenten nachweisen können, bevor sie überhaupt in Deutschland studieren dürfen. Viele kommen aus armen Ländern und können sich das Studium in Deutschland kaum leisten.

Von Susann Eberlein und Ramesh Kiani

Wer in Deutschland studieren will, der muss erst einmal sein Konto plündern: 8000 Euro müssen ausländische Studenten zahlen. Foto: Michel Wagner/ stockxchng

Wer in Deutschland studieren will, der muss erst einmal sein Konto plündern: 8000 Euro müssen ausländische Studenten zahlen. Foto: Michel Wagner/ stockxchng

Ali* (Name von der Redaktion geändert) denkt in letzter Zeit oft darüber nach, sein Studium an der TU Dortmund einfach abzubrechen und in seine Heimat in Afrika zurückzukehren. Der Grund: Manchmal reicht sein Geld nicht einmal für Miete und Lebensmittel aus, obwohl der Student des Chemieingenieurwesens nebenbei arbeitet. Ali lebt seit sechs Jahren in Deutschland. Anfangs glaubte er, mit etwas Geld von seiner Familie und seinem Nebenjob in Deutschland auskommen zu können. Das änderte sich spätestens mit Beginn der Wirtschaftskrise, als die Nebenjobs knapper wurden. So wie Ali geht es vielen ausländischen Studierenden:

Sie haben generell weniger Geld zur Verfügung als ihre deutschen Kommilitonen und empfinden die Studienfinanzierung als besonders schwierig. Laut einer Studie des Deutschen Studentenwerks aus dem Jahr 2008 können ausländische Studenten im Durchschnitt 645 Euro im Monat ausgeben, deutsche Studenten dagegen durchschnittlich 770 Euro. Dazu kommen noch einige Bestimmungen, die nur für ausländische Studenten gelten und ihre finanzielle Situation verschlimmern können.

Wer 8.000 Euro auf dem Konto hat, darf an die Uni

Wer als Ausländer in Deutschland studieren möchte, muss erst einmal nachweisen, dass er seinen Aufenthalt selbst finanzieren kann. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten: Der Student muss nachweisen können, dass er die monatlichen Lebenskosten eines Studenten bezahlen kann. Der Gesetzgeber geht dabei von 645 Euro pro Monat aus – pro Jahr sind das 7.776 Euro, die der ausländische Studienanwärter mindestens auf dem Konto haben muss. Eine weitere Möglichkeit: Die Eltern des Studenten verpflichten sich, für ihn aufzukommen. Diese Verpflichtung darf auch ein Dritter abgeben, zum Beispiel ein Freund des Studenten. Erst wenn die Finanzierung des Studiums geklärt ist, gibt es eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland – befristet auf die Dauer des Studiums.

Viele Finanzspritzen, von denen deutsche Studenten profitieren, bleiben Ausländern verwehrt: Bafög gibt es für sie gar nicht, Stipendien nur wenige. Bliebe noch der Nebenjob – aber auch hier gelten Auflagen, die es ausländischen Studenten schwer machen, ihr Studium zu finanzieren. „Da die Studenten nur zum Zwecke des Studiums hier sind, soll das Studium im Mittelpunkt stehen und der Job nur eine untergeordnete Rolle spielen“, erklärt Marita Altermann-Köster vom Akadamischen Auslandsamt der TU Dortmund. Deshalb dürfen ausländische Studenten maximal 90 Tage oder 180 halbe Tage im Jahr arbeiten. Wenn ein Studienverlauf ein Praktikum vorschreibt, dann werden diese Praktikumstage nicht vom Zeitkontigent abgezogen. „Wenn der Student aber aus gesunden Menschenverstand heraus freiwillig ein Praktikum absolviert, dann wird diese Zeit von den 90 Tagen abgezogen. Auch wenn das Praktikum unbezahlt ist“, sagt Marita Altermann-Köster. Eine Ausnahme sei nur die Arbeit als studentische Hilfskraft. Diese Arbeitstage werden nicht abgezogen.

„In Kamerun sind 300 Euro eine riesige Summe“

Wer in Deutschland studieren will, der muss erst einmal sein Konto plündern: 8000 Euro müssen ausländische Studenten zahlen. Foto: Michel Wagner/ stockxchng

Wer in Deutschland studieren will, der muss erst einmal sein Konto plündern: 8000 Euro müssen ausländische Studenten zahlen. Foto: Michel Wagner/ stockxchng

Auch der angehende Chemieingenieur Ali arbeitet nebenbei. Trotz Nebenjob reicht das Geld bei ihm kaum aus: „Die finanziellen Forderungen für ein Studium sind sehr hoch. Ich habe gemerkt, dass ich nicht genug Geld verdiene. Und zusätzlich muss ich noch Miete und Lebensmittel bezahlen.“ Viele ausländische Studenten unterschätzen zunächst die Kosten eines Studiums in Deutschland. Das liegt daran, dass viele von ihnen aus ärmeren Ländern kommen – Ländern, in denen die 770 Euro, die deutsche Studenten monatlich zur Verfügung haben, oft schon ein kleines Vermögen sind.

An der TU Dortmund waren im Sommersemester 2006 12,6 Prozent der eingeschriebenen Studenten Ausländer – die meisten davon aus Ländern wie China oder Kamerun, berichtet Marita Altermann-Köster vom Akademischen Auslandsamt der TU. „Die Studenten aus diesen Ländern unterschätzen, was es heißt, in Deutschland zu leben. In Kamerun sind 300 Euro eine riesige Summe, hier kann man davon aber nicht leben“, sagt sie. 77 Prozent der ausländischen Studenten in Deutschland kommen laut Deutschem Studentenwerk aus Entwicklungs- und Schwellenländern, nur rund ein Fünftel kommt aus Ländern mit einem ähnlich hohen Pro-Kopf-Einkommen wie Deutschland.

Gute Nebenjobs sind selten

Ein weiteres Problem für viele Studenten aus dem Ausland: die Studiengebühren. In den 645 Euro, die für die Studenten pro Monat berechnet sind, sind die zweimal zu zahlenden Studiengebühren nicht enthalten. „Das ist unfair. Denn wenn man die Studiengebühren vom Lebensunterhalt zahlen muss, dann zieht das einen Rattenschwanz mit sich. Dann können Mieten und Versicherungen nicht gezahlt werden“, sagt Marita Altermann-Köster. Ausländische Studenten könnten nur dann von den Gebühren befreit werden, wenn sie ein minderjähriges Kind hätten oder einen Angehörigen zu Hause pflegten, erklärt Marita Altermann-Köster. Ali, der Student aus Afrika, denkt seit der Wirtschaftskrise wieder häufiger daran, sein Studium zu schmeißen. Es wird immer schwieriger für ihn, gute Nebenjobs zu finden. Einmal, als er dachte, es ginge nicht mehr, hat ihm die Katholische Hochschulgemeinde (KHG) die Miete bezahlt – aus einem Hilfsfond. Auch die Evangelische Studentengemeinde (ESG) unterstützt internationale Studenten. „Die ESG hilft 200 bis 250 Studenten pro Jahr. Dabei bekommt jeder Student im Durchschnitt 500 Euro im Jahr“, sagt Sabine Fleiter, die für den Bereich Internationale Studierende der ESG tätig ist. Die Gelder stammen aus dem Projekt  „Brot für die Welt“. In diesem Jahr kann die ESG jedoch nicht mehr helfen. Seit September, heißt es von der ESG, habe man keine Geldmittel mehr übrig.

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4 Comments

  • Iwan sagt:

    Mir geht es genau so. Ich bin Ukrainer und lebe in der Ukraine. 3 Jahre lang versuche ich aus der Ukraine nach Deutschland zu fahren, um dort zu studieren, aber trotzdem bekome ich immer wieder das-selbe … nichts. Kein Ergebnis. Ich habe schon eigene Wohnung verkauft, aber sie kostet kaum 8000 Euro. Bei uns bleibt ein Studium in Deutschland nur als ein Privileg der reichen Menschen. Ich denke manchmal nach, warum gibt es in der Welt solche Ungerechtigkeit? Warum haben meine Zeitgenossen aus Deutschland schon in viele Länder gereist und ich war nur in der benachtbarten Stadt? Warum arbeite ich genauso, wie Leute aus Deutschland, aber verdiene nur einen Haufen Scheiße (Entschuldigung!). Das ist ein Teufelskreis – Reiche bleiben immer reich, Arme sind immer im Armut. Unsere Regierung ist eine grose Missverständnis, Ich hasse sie unbeschreiblich sehr! Sie hält uns in der Ukraine wie die Sklaven in einem Gefängnis, sie gibt uns die Krümel von ihrem Tisch, damit wir zwar lebendig, aber unfähig für eine Flucht sein wären.Die Regierung besteht aus den Typen, die Gesetze nur für sich selbst schreiben und verabschieden.

  • Al sagt:

    Deutschland Hilft viele AStudenten und wenn man mit vielen anderen ländern gucken es ist auch nicht so Teuer. Aber trotzdem es ist schwer für die Astudenten. Die kommen von armen Ländern,weil die gernen Learnen,studieren wollen,Erfahrungen wollen,mesit gibt keine Möglichkeiten für die in deren Heimat. So um deren Ziele zu erreichen,träume zu wahrmachen kommen sie nach DE mit viele Höffnungen. Manchmal haben die Glück und Jemand macht Geld auf dem Konnto,damit die Zeigen können,aber das Geld ist nicht zu benutzen. Dann learnen die eine der Schwierigsten Sprachen der Welt und versuchen und kämpfen. Wenn man ein Studium fach wie Tiermedizin studiere hat man manchmal kein Fehrien mindestens für Fehrien jobs,da die Tiermediziner deren Prüfungen in Fehrien haben,dann das Stoff zu learnen ist auch hoch,Manchmal ganze Woche bis zum Abend an der uni mit Vorlesungen,übungen und Ganze Wochenende arbeiten die. Nicht genüg was zu essen oder kein Zeit zu schlafen. Die Müssen Miete,versicherung,Gebuhr und noch für skripte bezahlen, Teuere Bücher zu kaufen ist nur ein Traum für die. MAn fühlt wie schwach man ist beim unterricht,weil man so müde ist oder weil man zu learen überhaupt kein zeit hat. Dann sind die nicht nur Physikalisch sondern auch psychisch belastet. Manchmal sind die richtig brillianter,fleißiger Studenten,gute Mensche für welt. Die überlegen selbstmord manch mal aufgrund Stress. wenn die das Studium bricht das ist schade,nicht nur für die und deen Familie auch zur gesamte Welt.

  • miri sagt:

    Hinzu kommt noch, dass sich Ausländer für die Bewerbung an deutschen Unis oft über uni.assist melden müssen, was 55 euro und mehr kostet…. wenn man einen Fehler macht, bekommt man alle unterlagen wieder zurückgeschickt und muss sich neu bewerben – natürlich auch neu bezahlen.

  • alireza ghaffari sagt:

    nett und mitreßend geschrieben!

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