Wissenswert – Wie sehen wir eigentlich?

Täglich laufen wir durch die Welt, winken unseren Freunden aus der Ferne zu, betrachten Bilder und Fotos oder halten Ausschau nach dem Bus – was unser Körper dafür leistet, merken wir gar nicht.


Das menschliche Auge passt sich den äußeren Lichtverhältnissen an. Foto:flickr.com/aufgehts2013

Das menschliche Auge passt sich den äußeren Lichtverhältnissen an. Foto:flickr.com/aufgehts2013

Sehen: Was wir jeden Tag ganz selbstverständlich tun, ist eine Meisterleistung unseres Gehirns und – wer hätte das gedacht – unserer Augen. Meist stellt man sich vor, dass unsere Augen die Bilder aufnehmen wie eine Kamera. Viele haben auch schon in der Schule davon gehört: War da nicht etwas mit einem Bild, das sich auf den Kopf dreht? Diese Gedanken sind ein guter Anfang. Doch wie alles im Leben ist auch das Sehen noch ein klein wenig komplizierter.

Alles, was wir sehen, ist Licht

Die Grundlage von allem, was wir sehen, ist das Licht. Deswegen können wir in völliger Finsternis eben nichts sehen. Alle Dinge auf der Welt – sei es ein Kugelschreiber oder ein Freund – saugen bestimmte Teile des Lichts auf, der Rest wird reflektiert. So entstehen die verschiedenen Farben und Eindrücke wie Schatten oder die Beschaffenheit einer Oberfläche.

Diese sichtbaren Lichtstrahlen, die unsere Umwelt permanent aussendet, treffen schließlich auf das Auge. Unser Auge besteht aus vielen einzelnen Schichten, an deren Ende Rezeptoren liegen. Diese leiten das Licht an unser Gehirn weiter. Zunächst trifft das Licht auf die Hornhaut, sie umgibt unser Auge wie eine Schutzschicht. Ist die Hornhaut durchdrungen, gelangt das Licht in die vordere Augenkammer. Von dort wandert es direkt weiter durch die Pupille. Sie ist nichts weiter als eine größenverstellbare Öffnung – je nach Lichtverhältnissen erscheint sie deshalb enger oder weiter. Ist es hell wird sie klein – es ist ausreichend Licht vorhanden. Ist es dunkel, vergrößert sie sich, um mehr Licht aufzunehmen.

Auf der Netzhaut steht die Welt noch Kopf

Die Netzhaut dient als Schnittstelle zwischen Auge und Gehirn (c)flickr.com/RichardMasoner

Die Netzhaut dient als Schnittstelle zwischen Auge und Gehirn (c)flickr.com/RichardMasoner

Hat das Licht die Pupille passiert, fällt es auf die Linse. Hinter der Linse befindet sich eine durchsichtige, zähflüssige Substanz, der Glaskörper. Er füllt die Zwischenräume zwischen dem vorderen Teil des Auges und der Netzhaut aus. Aus dem Licht entsteht auf dem Weg durchs Auge ein komplettes Bild: Das liegt daran, dass nicht nur ein einzelner Lichtstrahl auf das Auge trifft, sondern viele verschiedene.

Jeder noch so kleine Punkt auf einem Gegenstand reflektiert einen eigenen Lichtstrahl. Das Auge bündelt diese Lichtstrahlen und projiziert sie als Gesamteindruck auf die Netzhaut. Also ähnlich der anfänglichen Vorstellung von der Kameraaufnahme. Und auch die zweite Vermutung stimmt: Denn Linse und Glaskörper drehen das Bild zunächst auf den Kopf. Bis hier hat das Auge die gesamte Arbeit erledigt. Jetzt kommen unsere Nervenbahnen und unser Gehirn ins Spiel. Genauer: Das visuelle System.

Erst im Gehirn sehen wir wirklich

An unsere Netzhaut liegen Sehrezeptoren an. Das Licht erregt diese Rezeptoren. Hier löst sich das eigentliche Bild in unzählige elektrische Impulse auf, die der Sehnerv an unser Gehirn leitet. Das Bild wird kodiert und im Gehirn zurückübersetzt. Erst hier wird deutlich, wie wichtig die Rolle des Gehirns ist: Denn auch wenn ein kleines umgekehrtes Bild bereits auf der Netzhaut entsteht, findet das bewusste Sehen erst im Gehirn statt. Denn hier wird dem Bild, das mittlerweile nur noch aus elektrischen Impulsen besteht, seine Bedeutung zugeordnet. Erst hier wird uns klar, ob das, was wir sehen, ein Freund von uns oder doch nur ein Kugelschreiber ist.

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